7 einfache Wege, die Kommunikation zu Deinem Kind zu vertiefen

Mit Kindern kommunizieren ist eine Gelegenheit, sich gegenseitig wertzuschätzen. Jedoch ist es im Alltag herausfordernd, sich diese Wertschätzung zu schenken. Wer glaubt, keine Zeit zu haben, müde oder verärgert ist, kommuniziert nicht, wie er es sich wünscht. Meine Tochter hat es auch nicht immer leicht, mir zuzuhören. Mich interessiert: Wie sehen die einfachsten Wege aus, Kommunikation zu verbessern? Es sind nicht unbedingt die leichtesten Wege, aber immerhin einfach! 😉

Warum Zuhören für meine Tochter nicht immer leicht ist:

  • Manchmal rede ich zu viel auf einmal und die Aufmerksamkeit meiner Tochter lässt somit nach.
  • Manchmal weiß sie einfach schon, was ich sagen will.
  • Es langweilt sie, was ich sage.
  • Wenn ich müde bin, höre ich selbst nicht gut zu. Warum soll dann meine Tochter mir zuhören, wo ich einer ihrer Vorbilder bin?
  • Habe ich weder Zeit noch Geduld, rede ich schnell oder unterbreche meine Tochter beim Sprechen. Warum sollte sie es also nicht auch tun?
  • Ich erwische nicht den richtigen Moment zum Sprechen.
  • Unter Stress bin ich nicht die coole Mama, die ich doch gerne bin.

Auch wenn die Umsetzung nicht immer leicht ist, hier sind sieben einfachen Wege, Kommunikation zum (eigenen) Kind zu verbessern.
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Weg #1

Zuerst spielen, dann reden

Wenn sich Erwachsene treffen, fangen sie an zu reden. Wenn sich Kinder treffen, fangen sie an zu spielen. Angenommen, ich will mit meiner Tochter reden, spiele ich zuerst mit ihr. Danach erzählt sie oft vieles von selbst.

Weg #2

Warten können

Wenn ich von meinem Kind erwarte, dass es mir zuhört, muss ich natürlich selbst zuhören und warten, ohne es zu unterbrechen. Auch wenn ich weiß, was es sagen will. Ich weiß noch nicht, wie es etwas sagt, mit welcher Stimme, mit welcher Mimik, mit welcher Gestik und mit welcher Körperhaltung. So weiß ich, in welcher Stimmung mein Kind ist.
Wenn ich etwas frage, warte ich und lasse meinem Kind 5-10 Sekunden Zeit, darauf zu reagieren, in Worten oder auch ohne Worte. Das ist Mediation im Alltag! Natürlich gelingt das nicht immer, denn dann wäre es leicht zu tun, dennoch ist es einfach, wenn ich es tue.
Gleichzeitig lernt mein Kind zu warten, denn es will natürlich mit mir reden, wenn ich selbst telefoniere oder mich auf etwas konzentriere.

Weg #3

Auf Augenhöhe gehen und Interesse zeigen

Mit Kindern auf einer Augenhöhe zu sprechen, ihnen zuhören, versuchen zu verstehen, was sie sagen und sie trotzdem als Kinder zu sehen, schützt uns davor, ihnen zu viel Verantwortung zuzumuten und ihnen gleichzeitig vieles zuzutrauen.
Auf dem Spielplatz höre ich Erwachsene mit anderen Erwachsenen über ihr Kind sprechen, dabei steht das Kind direkt neben ihnen. Mögen es Kinder, wenn man über sie spricht, während sie direkt daneben stehen? Welcher Erwachsene spricht mit einem anderen Menschen über den Partner, der direkt neben einem steht?
Wenn Eltern predigen, meinen sie es doch so gut und wollen ihrem Kind etwas Wichtiges auf ihrem Lebensweg mitteilen. 😉  Um sich selbst zu schützen (z. B. wissen Kinder ganz genau, dass sie eine Regel verletzt haben und haben schon Schuldgefühle), hören Kinder nicht mehr zu.
Eltern wiederholen also immer wieder, was Kinder nicht (mehr) hören wollen.
Tja, so ist das nun mal, oder? Wichtige Dinge können nicht immer interessieren, oder? Aber welcher Erwachsene spricht mit jemanden, der nicht an der Börse interessiert ist, über die neuesten Nachrichten an der Börse?
Wenn wir wollen, dass Kinder zuhören, brauchen wir ein Thema, das sie interessiert. Natürlich müssen Kinder lernen, wie sie eine Straße sicher überqueren, dennoch müssen wir Eltern nicht predigen, dass das wichtig ist. Beim gemeinsamen Tun und nach vielen Wiederholungen lernen sie es.

Weg #4

Wiederholung leben statt predigen

Mein Kind braucht kurze, klare Wiederholungen und mich als eines ihrer Vorbilder. Im Straßenverkehr: Links, Rechts, Links… Manchmal spielen wir Verkehrslotsen und ich lasse mich von meiner Tochter über die Straße führen. Nach meiner Erfahrung machen Predigten eher taub (zu viel Information!) und ich erreiche vielleicht genau das Gegenteil, was ich will.

Weg #5

Offene Fragen stellen, zumindest meistens

Geschlossene Fragen laden nicht zu einem weiteren Gespräch ein, sondern nur zu einem Ja oder zu einem Nein. Offene Fragen geben mehr Raum für eine Antwort. Allerdings kann es auch passieren, dass die offene Frage zu einem Zeitpunkt gestellt wird, in der das Kind nicht offen für ein Gespräch ist: wenn es spielt, wenn es müde ist oder wenn es gerade nicht sehr daran interessiert ist, z. B. was es zum Mittagessen im Kindergarten gab.
Was hat Dir heute gefallen? ist eine offene Frage, bei der ein Gespräch entstehen kann. Aber wenn meine Tochter nicht in Redelaune ist, kann die Antwort „alles“ oder „gar nichts“ mit einem Augenzwinkern sein.
Offene Fragen, die Angst machen können, sind nicht immer hilfreich. „Was kann passieren, wenn Du wegläufst und ich nicht mehr weiß, wo Du bist?“ Stattdessen mag ich es lieber, klar zu sagen, dass ich Angst habe, wenn ich nicht weiß, wo mein Kind ist und ich deswegen wissen will, wo mein Kind ist. Darauf muss mein Kind nichts sagen, aber ein Kopfnicken meines Kindes sagt mir, dass ich klar gemacht habe, was mir wichtig ist.

Weg #6

Kleine und große Dinge beschreiben, ohne im Lob zu schwelgen

Ob Lob immer angebracht ist und ob Lob Kinder manipuliert, darüber scheiden sich die Geister. Aber was spricht dagegen, die Welt, wie ich sie als Mama gerade erlebe, zu beschreiben?
„Hey, Du hast den Turm wieder aufgebaut. Du warst so gefrustet und jetzt hast Du ihn wieder aufgebaut.“
„Du hast Deine Nachbarin getröstet, weil Du gemerkt hast, dass sie traurig ist.“

Weg #7

Mut zum Schweigen

Es gibt Momente zum Sprechen und Momente zum Schweigen. Manchmal signalisieren Kinder oder auch Jugendliche, dass sie gerade nicht zum Sprechen bereit sind. Das ist offensichtlich nicht der Moment für ein Gespräch. Ein Blick in die Augen und auf die Körperhaltung verrät auch ohne Worte, welche Stimmung unser Kind hat.

Wer kann schon nicht kommunizieren?

Während das eine Kind in Worten alles mitteilt, ist das andere Kind viel ruhiger, zumindest in Worten und in bestimmten Situationen. Manches Verhalten ist sozial anerkannt, z. B. Reden, wenn Handzeichen gegeben wurde. Anderes Verhalten ist sozial nicht anerkannt, wie ununterbrochenes Reden während eines Sporttrainings. Mein Kind ist bisher in sozialen Gruppensituationen eher ruhig, auch wenn es mit Freunden vor Ideen sprudeln kann. Das heißt aber nicht, dass es nicht kommuniziert!

Meine Tochter erinnert mich immer wieder daran, wie Kommunikation auch geht, ohne etwas zu sagen: sich nach vorne lehnen, auf die gleiche Körperhöhe wie das Kind gehen, Kontakt zu den Augen aufnehmen, mit dem Kopf nicken, die Augenbrauen erstaunt hochziehen, lächeln… Ein Ausdruck im Gesicht, die Atmung und eine Körperhaltung verrät uns so viel über unsere Kinder.

Hier gibt es noch mehr über den geeigneten Moment zum miteinander reden.

 

Wenn Eltern nicht mehr sofort reagieren…

In herausfordernden Situationen auf Kinder zunächst nicht zu reagieren, erscheint manchmal unmöglich. Haben wir bei Stress nicht alle unsere Verhaltensmuster, die anspringen? Wir reagieren laut, beschweren uns, laufen davon oder ziehen uns innerlich zurück.
Tochter Mira schreit: „Du bist die blödste Mama!“ mit der schrillsten und erschreckendsten Stimme, die Mama Alexandra jemals von ihr gehört hat. Natürlich weiß Alexandra, dass Mira sehr wütend ist und dass sie es nicht persönlich nehmen muss, dennoch trifft es sie.
„Ich will das viel lieber mit Papa“, sagt meine Tochter zu mir. Auch wenn ich darüber stehen möchte, trifft es mich doch und ich ziehe mich zurück.
Eine Freundin bittet ihren Sohn, etwas zu tun, weil sie schon spät dran ist, aber ihr Sohn verweigert sich. Die Freundin schreit ihn an.

Gewohnte Reaktionen bei Stress

Was haben diese Reaktionen gemeinsam? Sie entfernen uns von anderen und davon, den Moment direkt zu erleben, so emotional er auch ist. Nach unserer Reaktion halten sich Kinder dann die Ohren zu, drehen den Kopf weg, reagieren gar nicht oder rennen weg.

Vor kurzem habe ich verletzt reagiert und mich zurückgezogen. Ich hätte mich auch verteidigen können oder einfach nur wütend reagieren können. Als Mama oder als Papa haben wir mehrere gewohnte Reaktionen in unserem System. Wir verschließen uns oder sind sehr verärgert, wenn wir verletzt sind. Das Traurige daran ist, dass ich die Welt in solchen Momenten vor allem aus meiner Perspektive sehe und die Welt des anderen vielleicht nur noch verschwommen wahrnehme.
Um den Moment nicht zu intensiv zu erleben, höre ich vielleicht Musik an oder lenke mich ab. Ich fahre die Außenwelt herunter, versinke in meiner Welt und selbst das nur sehr oberflächlich, in Form von gewohnten Reaktionen.
Da war ein Stechen im Herz. Aber die Reaktion ist in den Vordergrund gerückt. Das Stechen steht im Hintergrund, und ich fühle es nicht mehr. Stattdessen ziehe ich mich zurück und lasse keinen an mich heran.

Was passiert, wenn ich bei Stress nicht sofort reagiere

Wie wäre es, ich würde beim nächsten Mal nicht sofort reagieren? Ich würde das Stechen im Herzen spüren und den Drang zu reagieren, wahrnehmen. Danach würde ich zunächst nichts tun. Auch wenn ich immer noch reagieren will, wäre ich offen und aufmerksam. Ich könnte neugierig sein, was ich erlebe, statt davon zu laufen, tatsächlich oder innerlich. Trotz Angst vor dem intensiven Stechen reagiere ich nicht sofort. Langsam wird mein Herz wieder weit. Die Situation hätte mich fast wieder automatisch reagieren lassen. Jetzt kann ich die Situation gestalten statt sofort zu reagieren. Ein Gefühl von Freiheit und Leichtigkeit breitet sich aus.

 

Kinder beim sich selbst vertrauen begleiten

Kinder zeigen Selbstvertrauen beim Laufen

Niemand hat mir erklärt, wie ich laufen lerne, ich habe meinen eigenen Weg herausgefunden. Ich kann nicht laufen lernen, wenn ich nur darüber nachdenke, ich probiere etwas aus, falle hin und probiere es wieder. Kinder ziehen sich hoch, um zu stehen, sie rutschen auf ihrem Po, sie gehen an Möbeln entlang oder sie laufen einfach gerade los.

Was das Selbstvertrauen von Kindern verringert

  • Wenn Eltern vieles kontrollieren und Sicherheit vor Vertrauen stellen: „Sei vorsichtig“ sagen sie, auch in Situationen, in denen es nicht gebraucht wird. Oder sie halten ihr Kind von spontanen Aktionen zurück: „Tu das nicht, das ist zu gefährlich!“
  • Eltern können ihr Kind mit der Absicht kritisieren, dass es stark und besser werden soll, aber es kann auch Scham hervorrufen und Kinder glauben lassen, dass sie nie gut genug sind.

Für mich als Erwachsene geht es darum, zu sehen, was ich brauche. Wenn ich Ermunterung brauche, mich aber fordere und kritisiere, ändere ich das.

Wie das Selbstvertrauen der Kinder wächst

Eltern, die ihr Kind ermuntern und Ängste und Frustration überwinden helfen lernen, stärken das Selbstvertrauen. Kraftvolle Worte und Gesten können helfen.

  • Eltern, die ihr Kind unterstützen abhängig von der Laune und der Situation ihr Kind. Die Unterstützung kann körperlich, mit Worten oder emotional sein und ist nicht automatisiert, sondern abhängig von der Situation.
  • Sich mit Kindern freuen, mit kleinen Herausforderungen spielen und die Motivation der Kinder begleiten, stärken Kinder in ihrem Selbstvertrauen.

Das Gefühl hinter dem Verhalten sehen: Was erfährt mein Kind gerade? Angst, Traurigkeit, Ärger, Abenteuerlust…
Was braucht mein Kind langfristig? Frustrationstoleranz, Ermunterung, Unterstützung (physisch, mit Worten, emotional…)
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Wenn ich mit mir selbst beginne…
Wie verbinde ich mich mit dem neugierigen, lernwilligen und erfahrungslustigen Kind in mir?
Eine Technik ist Wahrnehmung.
Ich konzentriere mich auf meine Sinne: Hören, Fühlen, Sehen…
Wie ein Mensch die Welt erlebt, hängt auch von seinem dominanten Sinn ab. Das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Manche von uns werden sehen, andere werden die Geräusche hören und andere werden etwas anfassen wollen.
Ich brauche dafür keine zusätzliche Zeit, ich integriere das einfach als Gewohnheit in meinen Alltag: wenn ich allein bin oder mit anderen zusammen.
Es gibt noch viele andere Techniken für Vertrauen, bald mehr dazu.
 

Über nützliches Misstrauen in der Familie

Als Mama ist Misstrauen ein Thema, das mich in der Familie immer wieder überrascht. Obwohl ich weiß, wie wichtig Vertrauen ist, passiert es mir, dass ich misstraue, auch wenn ich vertrauen will.
Unsere erfundene Familie mit Papa Michael, 35 Jahre alt, Mama Alexandra, 34 Jahre alt und Tochter Mira, 5 Jahre alt, erleben auch Misstrauen in verschiedenen Situationen.

Misstrauen gegenüber einem vertrauten Menschen in einer bestimmten Situation

Alexandras Bauch grummelt. Mira fährt schnell auf ihrem Rad und scheint sehr müde zu sein. Sie kann nicht mehr auf alle Fahrzeuge achten. Eine Erinnerung, auf den Verkehr zu aufzupassen, würde ihr in dieser Situation wahrscheinlich nicht helfen. Alexandra entscheidet, dass sie trotz ruhigem und breitem Gehweg kein Wettrennen mit ihr fährt, denn es gibt auch viele Ausfahrten.  Auch wenn Mira behauptet, dass sie nicht müde ist, kann sie gerade nicht konzentriert fahren. „Vielleicht kannst Du es“, sagt Alexandra, „aber ich kann so nicht spielen. Auch wenn der Gehweg ruhig und breit ist, gibt es doch viele Ausfahrten, auf die wir achten müssen. Ich kann nicht auf die Autos aufpassen, wenn ich Rennen fahre.“

Einer fremden Person misstrauen

Miras Herz klopft. Der Mann auf dem großen, unübersichtlichen Spielplatz ist lustig und hat einen tollen Hund. Aber warum ist er ohne Kinder auf dem Spielplatz? Er isst Schokolade und bietet sie ganz nebenbei auch Mira an. Obwohl Mira Schokolade liebt und Hunger hat, lehnt sie ab. Sie entfernt sich von dem netten Fremden, geht zu ihrer Mama und erzählt ihr, was passiert ist.

Institutionen misstrauen

Michael schaut auf die Schlagzeile des Flyers: Sei effektiver und lebe Deine beste Version in einer starken Gruppe, die sich gegenseitig unterstützt. Werde Mitglied und finde neue, tiefe Freundschaften. Michael hat in letzter Zeit nicht viel Zeit in Freundschaft investiert und könnte eine Abwechslung brauchen. Das Angebot scheint attraktiv, aber nicht vertrauenswürdig. Michael entscheidet sich, nicht zum Infoabend zu gehen. Er entscheidet sich dafür, mit einer kleinen Änderung in seinem turbulenten Leben zu beginnen.

Erfahrungen mit Misstrauen

Jeder hat seine Lebensgeschichte und seine Beziehung zu Vertrauen und zu Misstrauen. Wir trauen manchen Bereichen in unserem Leben, anderen misstrauen wir. Misstrauen ist ein Signal, nicht unbedingt die Wahrheit, aber verknüpft mit unseren Erfahrungen und unserem Bauchgefühl. Auch wenn wir den Grund nicht kennen müssen (was allein schon eine Vertrauenssache ist!), gibt es allgemeine Erfahrungen, die zu Misstrauen führen.

  • Enttäuschte und unerfüllte Erwartungen (Eltern versprechen z. B. Dinge, die sie nicht halten und ihre Kinder vertrauen nicht mehr darauf, dass sie tun, was sie versprochen haben).
  • Jemand lügt uns an.
  • Jemand betrügt uns regelmäßig.
  • Wir erfahren Mangel oder Not.
  • Wir erfahren eine Form von „Gewalt“: seelisch, körperlich…
  • In Bezug auf einen Lebensbereich haben wir Vertrauen verloren, dass wir dort etwas bewirken können.

Wie Misstrauen unser Leben und unsere Beziehungen beeinflusst

Was bedeutet Misstrauen für mich selbst? Misstrauen sagt mir etwas über meine Bedürfnisse in einer bestimmten Situation. Misstrauen scheint sicherer zu sein, um physisch und psychisch zu überleben. Vielleicht kann ich so Verletzungen vermeiden? Vertrauen scheint unsicher zu sein: Ich muss mit Menschen, ihren Handlungen, ihren Emotionen und mit unvorhergesehenen Situationen klar kommen. Vertrauen haben ist verbunden mit verlorener Kontrolle (ich weiß nicht, was passieren wird). Was tatsächlich am Misstrauen gefährlich ist, dass ich nach Signalen suche, die Misstrauen in mir hervor rufen, um zu beweisen, dass mein Misstrauen „richtig“ war.
Beispiel: Jemand hat Angst, betrogen zu werden und sieht jedes Verhalten als Möglichkeit, betrogen zu werden. Michael hatte eine harte Woche und spricht nicht darüber. Alexandra schaut ihn misstrauisch an, als er zur Tür hereinkommt. Sie ist sich nicht absolut sicher, ob sie ihm trauen kann. Vielleicht ist er unzufrieden mit ihrer Beziehung, vielleicht hat er jemand anderen gefunden, vielleicht wäre er gerade gerne Single, obwohl er Familie hat. Vielleicht ist er aber einfach nur sehr beschäftigt und deswegen weniger aufmerksam gegenüber seiner Familie.

Was passiert mit meinen Beziehungen, wenn ich oft misstrauisch bin?

  • Menschen fühlen sich von mir unfair behandelt, wenn ich ihnen misstraue.

Mira sagt, dass sie etwas nicht weiß, und Michael glaubt ihr nicht. Wütend und traurig sagt sie: „Das ist unfair, ich weiß es wirklich nicht.“
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  • Wenn ich anderen Menschen nicht vertraue, kann es sein, dass sie mir auch misstrauen.
  • Wenn ich anderen misstraue, isoliere ich mich von ihnen.

Alexandra teilt ihre Gedanken und ihre Gefühle nicht mit, sie möchte allein sein. Michael nimmt an, dass in Alexandra viel vorgeht, aber sie verschließt sich.

  • Misstrauisch zu sein ist verknüpft mit Angst und Sorge.

Michael hat am Nachmittag ein Gespräch mit einem Kunden. Er denkt daran, dass sich sein Kunde immer beschwert und klagt. Obwohl Michael versucht, sich auf seine Aufgaben im Moment zu konzentrieren, wandern seine Gedanken immer wieder zu diesem Kunden und dem Meeting, das er sich anstrengend ausmalt. Kann Michael sich selbst vertrauen, dass er damit klar kommt, was auch immer am Nachmittag passiert?
Misstrauen ist eine Ansammlung von einer einzigartigen Perspektive, einer individuellen Vergangenheit und dem nicht gestillten Bedürfnis nach Vertrauen in sich selbst, in andere und in das Leben selbst. Sich eingestehen, dass man misstrauisch ist, bietet die Möglichkeit, in einer bestimmten Lebenssituation Vertrauen zurückgewinnen zu können.
Was denken und fühlen Menschen, die vertrauen?

  • Sie fühlen sich unterstützt (z.B. von Menschen, die ihnen nahe stehen).
  • Wenn sie Hilfe brauchen, bekommen sie sie.
  • Sie wissen, dass einige Menschen für sie da sind.
  • Genauso sind sie für andere da.
  • Sie können mit Menschen über ihre Probleme sprechen, wenn sie es wollen.
  • Konflikte werden respektvoll gelöst.
  • Sie können anderen persönliches anvertrauen.
  • Eigene Grenzen kennen sie, nehmen sie an und teilen sie mit.
  • Sie haben kein Bedürfnis, andere oder die Zukunft zu kontrollieren.
  • Falls ihr Vertrauen verletzt wurde, entscheiden sie sich für einen neuen Anfang (z. B. ein neuer Partner) und gewinnen ihr Vertrauen zurück.
  • Sie sind sich sicher, dass es am Ende aus einem Grund, für einen Zweck geschieht, auch wenn sie es im Moment nicht wissen oder sie es nicht wissen müssen (was ein Zeichen für Vertrauen ist).
  • Ohne blind zu vertrauen, wählen sie Vertrauen. Sie nehmen Enttäuschung in Kauf, ohne vollkommen misstrauisch zu werden.
  • Sie zeigen sich selbst zuverlässig und echt, so dass sich andere auf sie verlassen können.
  • Trotz Unterschiede fühlen sie sich mit anderen Menschen verbunden.

Es gibt viele Bereiche, in denen ich noch mehr vertrauen kann und Familie ist ein Ort, an dem ich das immer wieder erleben kann.

Vertrauen in der Familie

Einführung einer kleinen Familie

Darf ich unsere kleine erfundene Familie vorstellen? Michael, der Vater, 35 Jahre alt, Alexandra, die Mutter, 34 Jahre alt und ihre Tochter Mira, 5 Jahre alt, die zusammen in einer kleinen Stadt, in einer Wohnung mit Garten leben. Wie erfahren diese Familienmitglieder Vertrauen und wie schenken sie Vertrauen in ihrem Alltag?
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Kann Alexandra Mira vertrauen?

Mira hat ihre Wand lila, rot und gelb angemalt. Alexandra ist sauer: „Du weißt, dass Du die Wand nicht anmalen sollst. Warum hast Du sie angemalt?“ Mira: „Das war ich nicht, das war Carla.“ (eine Freundin, die vor kurzem da war). Alexandra war verstört. Nicht nur, dass Mira leugnet, was sie getan hat, sie verrät ihre Freundin und lügt ganz offensichtlich! Warum macht meine Tochter das? Wie kann ich ihr vertrauen? Was habe ich falsch gemacht, dass das passiert?
Ist es möglich, dass Alexandra die Situation so interpretiert? Kinder wollen Spaß haben, entdecken und vergessen dabei Regeln. Lügen ist ein Hinweis für die Entwicklung der Kinder und ein Experimentierfeld, um Werte im Leben zu finden und um herauszufinden, was in Beziehungen zählt.

Kann Alexandra dem Leben trauen?

Alexandras Tag ist chaotisch: Ihr Laptop stürzt ab, ihr Massagetisch schimmelt, ihre eigene Mama ist sauer auf sie und ihre Tochter Mira spielt mit einer Freundin verstecken im Kleiderschrank, in dem sie Tomaten essen. Warum passiert das alles an einem Tag? Alexandra könnte dagegen ankämpfen, aber es war alles schon geschehen. Sie könnte dem Leben misstrauen oder sie könnte sich daran erinnern, dass die sogenannten schlechten Umstände sich manchmal in etwas Tolles verwandeln können, auch wenn sie sich das jetzt gar nicht vorstellen kann.

Kann Michael Alexandra vertrauen?

Michaels Kollegen vergaßen in der Arbeit ziemlich alles, was sie verabredet hatten. Später fragt Michael Alexandra, ob sie für ihr kaputtes Auto den Termin in der Werkstatt ausgemacht hat, ob sie den Fahrradsitz von Mira angepasst hat und ob sie an den Elternabend im Kindergarten denkt. Alexandra könnte sich schlecht fühlen und sich fragen: Ist es so schwer, mir zu vertrauen, ohne mich zu kontrollieren? Oder sie könnte Michaels Aussagen so sehen, dass sein Tag wohl frustrierend war und er gerade nicht vertrauen kann, dass sie tut, was sie ausgemacht haben.

Kann Alexandra sich selbst vertrauen?

Alexandra hat etwas Wichtiges vergessen und ist richtig sauer auf sich selbst. Dazu kommt, dass sie nicht die neue Sprache lernt, die sie schon lange lernen wollte, aber der Alltag, andere Aufgaben und die eigene Disziplin halten sie davon ab. Hält Alexandra die Angst vor dem Versagen zurück, es gar nicht zu versuchen? Könnte sie sich das eingestehen und es trotzdem versuchen? Wenn sie es nicht versucht, hat sie schon verloren.

Kann Mira ihren Eltern trauen, in diesem Beispiel Michael?

Michael hat Mira versprochen, diesen Samstag schwimmen zu gehen. Aber Michael hat viel Arbeit zu tun und kann sein Versprechen nicht halten. “Du hast gesagt, wir gehen zusammen schwimmen!” sagt Mira entrüstet. “Warum musst Du heute arbeiten. Du hast es mir versprochen!” Mira ist frustriert und braucht die Sicherheit von ihrem Papa, dass er tut, was er sagt, zumindest in den meisten Fällen.
Wie können wir als Eltern und Partner in Bereichen unseres Lebens vertrauen, wo wir vertrauen wollen? Wie können wir unseren Lieben vertrauen? Woran merken unsere Kinder, dass sie uns Eltern trauen können? Vertrauen wir uns selbst?
Moment. Will ich überhaupt vertrauen oder hilft mir Misstrauen nicht auch manchmal? Wie Misstrauen hilft und wie es aber auch unser Zusammenleben beeinflusst, ist Thema im nächsten Beitrag.
 

Eltern-Kind-Kommunikation – worauf kommt es langfristig an?

Unsere fiktive Mama Alexandra hat diese Kennzeichen einer gelungenen Eltern-Kind-Kommunikation herausgefunden:

  • klar
  • direkt
  • Nur so lange wie nötig, besser kürzer als länger
  • persönlich (Ich-Botschaften statt DU HAST…)
  • Im Prozess werden die Bedürfnisse aller Familienmitglieder gesehen, damit sie jetzt oder zu einem anderen Zeitpunkt erfüllt werden können. Nicht jeder Wunsch ist ein Bedürfnis 😉
  • Jeder fühlt sich zu seiner Familie zugehörig. Die Familienmitglieder behalten ein Gefühl von Unabhängigkeit und Freiheit. In jedem Gespräch haben Zugehörigkeit und Autonomie ihren Platz. Jeder braucht Freiheit und Verbindung gleichzeitig, wenn auch die Form der Verbindung und die Form der Freiheit unterschiedlich ist.

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Ein Beispiel aus der Freizeit für die unterschiedlichen Bedürfnisse von Freiheit und Verbindung innerhalb unserer fiktiven Familie:
Papa Michael braucht Zeit alleine, um ein Buch zu lesen, aber er hat auch Interesse, mit seiner Familie Zeit in der Natur zu verbringen.
Mama Mira macht Yoga in einem stillen Raum und im Anschluss möchte sie mit ihrer Familie Musik machen.
Tochter Mira malt in ihrem Zimmer und nach einer Weile möchte sie mit ihren Eltern spielen.
Der Faktor Zeit spielt natürlich auch noch eine Rolle. Wenn Papa Michael lesen will und Mira spielen will…

Langfristig kommt es Mama Alexandra in der Kommunikation darauf an:

  • Sie weiß, was sie wirklich braucht oder will (eigenes Bedürfnis erfüllen, ihrem Kind etwas zeigen, Kinder stark machen…) und vergisst dabei nicht, was ihr Kind wirklich braucht oder will (spielen, entdecken, ausprobieren, sich zeigen, Zeit mit Freunden, Zeit mit Eltern…)
  • Sie hört, was ihr Kind sagt und was es nicht sagt, was Worte, Körper, Mimik und Gestik verraten.
  • Ihr Kind hört auf seine innere Stimme (nur gehorchen zu lernen untergräbt die Echtheit eines Menschen).
  • Ihr Kind hört, was andere sagen (vorausgesetzt andere berücksichtigen im Gespräch das Timing und die Offenheit des Empfängers).
  • Es entdeckt seine Art, mit anderen zu kommunizieren.
  • Ihr Kind sieht seine eigenen Bedürfnisse und die der anderen.
  • Es findet einen Weg, sich mit anderen zu verbinden, ohne sich selbst dabei zu verlieren.

Kommunikation ist dazu da, dass sich Menschen miteinander verbinden können, weil sie gesehen werden, weil sie andere sehen und weil sie nach Gemeinsamkeiten suchen.

Wie Mama die Kommunikation zu ihrem Kind gestaltet

Alexandra, die Mama unserer fiktiven Familie, verhält sich in der Kommunikation mit ihrer Tochter Mira so:
Was ich erlebe und mein Kind erlebt, ist so, es ist weder richtig noch falsch (klar, nur erleben wir nicht immer wieder genau das Gegenteil? „Du musst doch deswegen nicht weinen“, sagen Eltern zu ihrem Kind).
Ich zeige, dass wir etwas gemeinsam durchstehen, dass Mira nicht alleine ist und wir einen Weg finden.
Ich habe keine Ahnung, wie ich alle Bedürfnisse (nicht alle Wünsche!) in der Familie unter einen Hut bekomme, aber ich vertraue darauf, dass ich es herausfinde.
Ich bin verletzlich ohne ein Opfer zu sein, ich bin einfach eine Mama, die auch verletzlich ist.
Ich bin dankbar für Mira und mag die Beziehung zu ihr immer mehr vertiefen.
In meiner Stimme und in meinen Worten ist Wertschätzung, Akzeptanz und Liebe (klar – ich fake es nicht, wenn mir nicht danach ist).
Ich lache gerne, bevor alles zu ernst wird.
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Wie will ich meine Kommunikation zu meinem Kind gestalten?

  • Ich bin immer wieder 10 Minuten ganz beim Kind ohne Ablenkung (Smartphone außer Reichweite). Wie mache ich das mit Geschwistern oder Besucherkindern? Wenn der Papa da ist, eine Freundin da ist…
  • Ich entscheide mich, bis zu 10 Sekunden abzuwarten, bevor ich in einer Kommunikation handle.
  • Ich schaue mir 10 Sekunden an, was in mir los ist und auch bei Mira.
  • Ich trete in Miras Fußstapfen.
  • Ich kümmere mich 10+ Minuten darum, was ich brauche.
  • Ich sehe einen Konflikt als etwas, was uns noch näher zusammen bringen kann.
  • Ich fange mit einer Sache an, bei mir sind es die 10 Minuten Aufmerksamkeit.

Wer hat denn für so eine Kommunikation schon Zeit?

  • Ich habe viel zu tun
  • Meine To Do Liste ist lang
  • Ich möchte Sachen zu Ende bringen
  • Die nächste Aufgabe wartet auf mich, ich bin sowieso spät dran
  • Ich möchte etwas tun, statt meine Zeit hier zu verschwenden
  • ich verliere die Geduld

Statt in der Illusion von verlorener Zeit verloren zu gehen, schenke ich mir ein paar Sekunden statt Dinge zu erledigen. Warum?
Ich gestalte eine Stimmung, in der ich ruhiger, ausdauernder und emotional stärker bin.
Am Ende bin ich vielleicht sogar schneller fertig, vorausgesetzt ich habe das richtige Timing in der Kommunikation gefunden.
 

Eltern-Kind-Kommunikation aus Kinderperspektive

Alexandra, die Mama unserer fiktiven Familie, tritt heute in die Fußstapfen ihrer Tochter Mira und betrachtet eine Kommunikation mit Mira aus Kinderperspektive.
Heute Morgen spielte Mira. Plötzlich rief Mama: „Bitte mach Dich fertig“, sagte sie. Es hörte sich so dumpf an, während Mira ihr Spiel noch nicht beendet hatte. „Das nervt mich“, sagte Mama, wir müssen gehen und Du hilfst nicht mit, fertig zu werden. Mira hörte verschwommen Mamas Worte aber vor allem hörte sie den Ärger von Mama und war verwirrt. Mama redet so viel und ich spiele. Ich bin gerade mitten drin und sie redet und redet…
In Miras Fußstapfen zu treten bedeutet, sich die Welt, in der Mira gerade spielt, vorzustellen.
Alexandra fragt sich:
In welcher Stimmung ist sie?
Was will sie?
Auch wenn es keine Garantie für die richtige Antwort gibt, was Mira tatsächlich erlebt, ist es eine Annäherung. Alexandra schlüpft in Miras Rolle.
Mira hört, dass Mama spricht, aber es ist so weit weg. Mama sieht so verärgert aus. Ich will eigentlich nur spielen und niemanden ärgern. Ich weiß, ich soll mich am Morgen fertig machen. Aber in dieser Spiel Welt, in der Zeit keine Rolle spielt, fühle ich mich frei und brauche kurz, um in die Welt zu reisen, in der Mamas Stimme lauter wird. Ich bleibe lieber noch kurz in meiner Welt, weil ich nicht will, dass wir uns gegenseitig anschnauzen, nur weil jeder von uns etwas anderes will! Besser mache ich meine Ohren zu…
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Mein Kind in seiner Welt treffen

Dort spielt mein Kind in einer anderen Zeit und Raum Zone. Wie kann ich es dort abholen?
Alexandra könnte Mira an IHREM Platz treffen und ihr sagen, was sie sieht, wieviel Freude Mira beim Spielen hat. Alexandra bittet Mira, fertig zu spielen und am Nachmittag/ Wochenende… weiter zu machen.
Jetzt bereiten sich alle in der Familie für den Tag vor: im Kindergarten spielen und arbeiten, zuhause und im Büro arbeiten.

Die Bedürfnisse unserer Kinder

Von Kindern wird oft erwartet, dass sie „brav“ sind und folgen. Als Folge bauen sie Widerstand auf, weil sie auch Bedürfnisse nach Autonomie und Freiheit haben. Manchmal haben sie sogar unterschiedliche Bedürfnisse (unabhängig und verbunden sein: Kleidung selbst aussuchen und sich Socken anziehen lassen). Verhalten sie sich so gegenüber Eltern, weil sie das Gegenteil wollen? Vielleicht haben sie einfach einen eigenen Plan und Bedürfnisse, die nicht unbedingt mit denen der Eltern übereinstimmen.
Wenn Alexandra Mira aufmerksam beobachtet, sieht sie vielleicht enge Augen oder erschrockene Augen und Hände auf den Ohren, um sich zu schützen oder abwesende Augen, wenn Alexandra sagt, dass sie gehen müssen…

Was braucht Mira?

  • Jemanden, der ihr ihre Stimmung „sieht“
  • Aufmerksamkeit
  • Zusammen spielen
  • Eigene Spielzeit und Freiheit
  • Jemand, der ihren Frust sieht, dass sie jetzt zum Spielen aufhören soll
  • Eine Umarmung

Ich kann meinem Kind doch nicht sofort jedes Bedürfnis erfüllen! Es muss doch mit der Tatsache klar kommen, dass das Leben auch frustrierend ist. Es will jetzt spielen, soll sich aber fertig machen.
„Züchten“ wir uns damit nicht einen lebensunstauglichen Tyrannen statt ein Kind? Oder aber wir lernen voneinander, dass wir alle Wesen sind, die Bedürfnisse haben (ob wir das wollen oder nicht) und finden Wege in der Familie, diese zu erfüllen, manchmal sofort und manchmal später.
 
Mehr zur Kommunikation zwischen Alexandra und Mira:
Mama, was willst Du? (Eltern-Kind-Kommunikation)
Zeit und Timing in der Kommunikation zwischen Eltern und Kindern
4 (un)überwindbare Hürden in der Eltern-Kind-Kommunikation
 

4 (un)überwindbare Hürden in der Eltern-Kind-Kommunikation

Alexandra, die Mama unserer fiktiven Familie, macht heute eine Bestandsaufnahme ihrer Kommunikation in der Familie:
Heute Morgen lief das Gespräch mit ihrer Tochter Mira anders als gewünscht. Sie war in Eile und ihre Tochter spielte und spielte, ohne sich anzuziehen. „Bitte mach Dich fertig“, sagte Alexandra ungeduldig. Aber Mira schaute sie nicht an und spielte weiter. „Das nervt mich“, sagte Alexandra, wir müssen gehen und Du hilfst nicht mit, fertig zu werden. Ihre Stimme klang verärgert und ihre Botschaft war: „Was Du tust, ist falsch, Mira“. Natürlich wollte Alexandra ihren Ärger in den Griff kriegen, aber statttdessen beschwerte sie sich. All das half gar nicht, die Situation so zu verändern, dass sich Mira beeilte. Tatsächlich baute Mira noch mehr Widerstand auf.
Alexandra wünscht sich, dass es anders läuft. Was hat sie denn dazu gebracht, das Gespräch so zu führen?

Die Hürden in der Eltern-Kind-Kommunikation

Aus Alexandras Sicht haben ihre Gespräche manchmal 4 Dinge gemeinsam:

  1. Sie reagiert gereizt oder enttäuscht.
  2. Was ihre Tochter gerade tut und fühlt, geht unter.
  3. Mira wird nicht dort „abgeholt“, wo sie gerade ist. (konzentriert bei einer Sache, verschlafen am Morgen, mitten im Spiel, unruhig, müde…)
  4. Alexandra hat „keine Zeit“ und erwartet eine schnelle Antwort oder Reaktion von Mira, die in einer spielerischen Kinderwelt ist.

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Die Eltern-Kind-Kommunikation aus Eltern Perspektive

Bevor Alexandra in die Fußstapfen von Mira tritt, zieht sie sich ihre eigenen Schuhe an. Alexandra ärgert sich, dass sie sich ärgert. Verärgert zu sein ist etwas, was sie gerne verneint. Warum? Vielleicht hat sie Ärger als etwas „gefährliches“ (andere mögen mich dann nicht) oder „unproduktives“ (das bringt nichts) abgespeichert. Es passt nicht zum Bild der entspannten, kreativen und unterstützenden Mama.
Aber warum? Haben wir nicht alle verschiedene „Gesichter“ und manche davon können wir leichter „verdauen“? Wie kann Alexandra auf ihren Ärger reagieren? Bevor sie etwas tut oder sagt, merkt sie, dass sie am liebsten davon laufen würde!
Sie fragt sich selber: „Warum kannst Du nicht entspannter sein? Ist es so eine große Sache, dass Mira mit dem Anziehen später fertig wird und Du riskierst, später zur Arbeit zu kommen?“
Aber anstelle sich in Gedanken zu verlieren, könnte sie einfach nur ihre Gedanken vorbeiziehen lassen und den schnellen Herzschlag spüren, die Ungeduld, die sie weder bekämpfen noch vor ihr fliehen muss. Sie beobachtet, wie sie schnell atmet und wie der Atem langsamer wird. Aber ist dafür wirklich Zeit? Sie muss gehen, und Mira muss sich anziehen!
Angenommen, sie wird mit der Zeit schneller, genauer hinzuschauen (was in ihr UND Mira vorgeht), hat sie dann nicht mehr Freiheit zu entscheiden, was sie tut oder sagt?
Wenn sie feststellt, dass das sogar schneller ist als die scheinbar schnelle Lösung, könnte sie „mehr Zeit“ dafür verwenden, oder? Tatsächlich fühlt sich die Zeit in der Situation vielleicht nur langsamer an, als sie tatsächlich ist! Zumindest ich wollte schon oft ein „schnelles“ Gespräch führen oder schnell zum Ergebnis kommen, und genau das Gegenteil ist passiert.
Wir ärgern uns alle und reagieren oft automatisch in Gesprächen. Wie frei es doch wäre, bewusst zu wählen, was wir tun oder sagen!
Im nächsten Beitrag treten wir in die Fußstapfen von Mira…

Zeit und Timing in der Kommunikation zwischen Eltern und Kindern

Unsere fiktive Familie mit Mama Alexandra, Papa Michael und ihrer Tochter Mira hat festgestellt, dass Zeitdauer und Zeitpunkt in einer Kommunikation wirklich wichtig sind, damit ein Gespräch „erfolgreich“ ist.
Wie wirken sich „time“ und „timing“ in einer Kommunikation aus?

Die Zeitdauer in der Eltern-Kind-Kommunikation

„Aber jetzt habe ich keine Zeit“, sagt Mama Alexandra zu ihrer Tochter Mira.
Klar, heute hat keiner Zeit, Zeit ist immer zu wenig. Aber erinnerst Du Dich an das letzte Mal, als Du ein Gespräch begonnen hast, nur kurz etwas sagen wolltest und genau das Gegenteil ist passiert? Wenn ein Gespräch nur darauf abzielt, kurz und gewinnbringend zu sein, aber zu vielen Missverständnissen führt, hat keiner Zeit „gespart.“
Können wir ein bisschen mehr Zeit investieren, so dass diese Gespräche eine Chance haben, ergebnisreich zu sein? Manchmal brauchen Gespräche auch eine „Aufwärmphase“, um sich aufeinander einzustellen. Wenn ich meine Tochter aus dem Kindergarten abhole und nur einen Fragenkatalog abarbeite, kann ich sicher sein, dass sie mir nicht oder nur kurz darauf antwortet. Ich war einfach zu schnell und habe die Aufwärmphase übersprungen. Wenn ich mich auf sie einstelle und mit ihr Zeit verbringe, erzählt sie dann oft von selbst, was sie erlebt hat.
Wenn Du auch der Meinung bist, dass sich diese kleine Extrazeit lohnt und in Gesprächen als auch in Beziehungen einen großen Unterschied machen, bist Du auch bereit, einen passenden Zeitpunkt für ein Gespräch heraus zu finden.
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Der Zeitpunkt in der Eltern-Kind-Kommunikation

In Gesprächen ist es nicht nur wichtig, Zeit zu schenken, es ist auch wichtig, einen geeigneten Zeitpunkt zu erwischen. Da es oft wir Eltern sind, die ein Gespräch beginnen, passt der Zeitpunkt nicht immer zum Zeitpunkt und zum Rhythmus unseres Kindes.
Darüber hinaus hängt es natürlich vom Thema ab: den Punkt einer Einkaufsliste zu teilen dauert 5 Sekunden, aber darüber, wie Eltern mit ihrem Kind über  den Streit mit einer Freundin sprechen, dauert sicher länger. Manche Gespräche sind nicht dazu gemacht, sie zwischen Tür und Angel zu führen, also wäre es gut, dafür Zeit zu schenken oder Zeit dafür zu planen.
Manche Familien reservieren regelmäßig Zeit für wichtige Gespräche. Ob man dafür Zeitfenster einplant oder nicht, das TIMING ist so entscheidend für unsere Kommunikation! Manchmal beginne ich ein Gespräch mit Andi und mitten im Satz sage ich schmunzelnd: Das ist wohl nicht der Moment…

Zeitdauer und Zeitpunkt als Feedback über uns

Immer in Eile zu sein schadet unserer Gesprächskultur. Aber das Leben ist nun mal schnell und wir erkennen nicht mehr, wie hastig wir handeln.
Wenn Du immer schnell und produktiv funktionieren sollst, ist es umso herausfordernder, für ein Gespräch eine Pause einzulegen.
Dabei geht es nicht um „schlechtes Verhalten“ in einer Kommunikation, es geht darum,

  • wahrzunehmen, was vor, in und nach einer Unterhaltung passiert,
  • was uns dazu bringt, ein Gespräch zu führen (Kontakt aufnehmen, aus Gewohnheit sprechen, eigene Wünsche durchsetzen…),
  • zu sehen, was während der Unterhaltung passiert (schnell sprechen, mit einem Bein schon zum Gehen bereit sein, ergebnisfixiert sein…),
  • und wie sich alle Beteiligten nach der Kommunikation fühlen.

Um unser Bewusstsein für diese Kommunikation zu schärfen, brauchen wir einen Blick auf unseren eigenen Umgang mit Zeit und mit dem Zeitpunkt. Schenkst Du einem Gespräch Zeit und wartest auf den passenden Moment? Das ist eine Startposition in jeder Kommunikation, zwischen Eltern und Kindern, aber auch zwischen den Eltern. Bist Du bereit?