Eltern voller Ärger – gelassen bleiben oder werden

Eltern sind manchmal voller Ärger: die Nacht war kurz, die Kinder machen sich am Morgen nicht fertig, die Arbeit stapelt sich und die Großeltern kritisieren, wie der Erziehungsladen läuft. Wie schön wäre es, gelassen bleiben zu können trotz Ärger. Denn Ärger ist einfach da.

Zeit anhalten und atmen

Auch wenn wir die größte Energie haben, ist es eine gute Idee, abzuwarten und auszuatmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir anders reagieren als wir wollen, ist bei Ärger sehr groß.

Perspektive wechseln

Warum machen sich die Kinder am Morgen nicht fertig? Wollen sie spielen, brauchen sie eine Pause, sind sie einfach gerne zu Hause, weil Du als Mama oder als Papa ganz ok bist?…

Warum stapelt sich die Arbeit? Liegt es an der Organisation, an der Perfektion oder am nicht Nein sagen können?…

Warum kritisieren die Großeltern die Begleitung der Kinder? Liegen Ihnen die Kinder am Herzen, haben sie ein großes Bedürfnis nach Sicherheit und zählt dafür in ihren Augen eine Erziehung mit viel Disziplin?…

Es gibt viele Seiten einer Geschichte.

Die eigene Beziehung zum Ärger

Als Kinder sollten wir Eltern uns nicht ärgern. Wir hatten Angst, dass unsere wichtigsten Bezugspersonen uns dann nicht mehr mögen. Wir sollten uns zusammenreißen oder nicht so „ungezogen“ sein. Zu unseren Kindern sagen wir, dass sie „herunterfahren“ und ruhig werden sollen. Oder zählst Du zu einem seltenen Exemplar, das seinem Ärger Luft machen durfte und auch gelernt hat, den Ärger mit seinen Reaktionen zu steuern?

Wer Ärger spürt, hat zunächst viel Energie. Diese Energie kann so groß sein und entlädt sich bei Eltern oft anders als gewünscht. Wir reagieren über, wir sagen Sachen, die wir lieber nicht gesagt hätten und wir verletzen Menschen, die uns am Herzen liegen.

Mehr als Ärger

Oft mischen sich Gefühle. Ärger ist „einfacher“ als Angst oder Traurigkeit.

 

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Selbst wenn wir vor etwas Angst haben oder verletzt sind, sind wir oft auch verärgert und wollen von der Angst oder der Verletzung nichts wissen. Ärger rückt Angst und Verletzung in den Hintergrund, lässt uns stark sein, wenn wir etwas hilflos sind. Natürlich kann es auch sein, dass wir traurig sind, weil wir „gelernt“ haben, dass wir andere Menschen verletzen, wenn wir verärgert sind, also trauen wir uns nicht mehr verärgert zu sein. Dabei ist Ärger nur ein Hinweis, dass jemand oder eine Situation dazu beiträgt, dass sich eines unserer Wünsche oder Bedürfnisse nicht erfüllt.

Wer verärgert ist und schnell reagiert, handelt oft anders als er könnte. Nur den Ärger zu unterdrücken, ist als ob wir uns von unserer eigenen Energie schützen müssen. Was machen wir also mit unserem Ärger als Eltern?

Der 3 Schritte Prozess

1) 5 Sekunden SEIN: Den Ärger mit seiner ganzen Energie spüren ohne Ablenkung und zunächst ohne Reaktion ausatmen.

2) 5 Sekunden DENKEN: Kären, was wir wollen und was unsere Kinder wollen.

3) 5 Sekunden HANDELN: Wählen, was wir sagen oder was wir tun.

Ärger ist niemals falsch. Ärger ist einfach da und ein Hinweis für das, was wir brauchen, vermissen oder wovor wir Angst haben. Wir werden scheitern und schnell auf unseren Ärger reagieren. Aber wir haben in der Familie immer wieder die Gelegenheit, zu lernen, nicht sofort zu reagieren. Wir können den ersten Anflug von Ärger fangen und pflegen wie einen kostbaren Schatz. Denn Ärger gibt uns viel Energie.


 

(Seelen-) Wellness für Mama (Brief einer Mama)

Liebe Judith,

vor kurzem hat mir eine Mama von Wellness erzählt und wie gut das für sie war. Ich mache heute auch Wellness, wenn auch nichts so, wie man sich das „normalerweise“ vorstellt. Heute gestehe ich mir ein, dass ich viele Bedürfnisse und Wünsche habe und an einem anderen Tag bin ich dann wieder die starke Mama.
Was wünsche ich mir von anderen und von mir selbst?
Das ist der Anfang einer Liste:
Ich wünsche mir, dass mich meine Leute unterstützen. (dazu frage ich meine Leute klar: Wann könnt ihr mir helfen?)
Ich will, dass mein Kind im Alltag mithilft.
Manchmal möchte ich Dinge nur in meinem eigenen Rhythmus tun, nicht langsamer und auch nicht schneller.
Heute brauche ich Unterstützung und ermunternde Worte, aber bitte keine Ratschläge.
Für unser Familienleben brauche ich eine spielerische Haltung (das Leben ist voller Möglichkeiten!), damit ich gespannt unseren Alltag erlebe und mich nicht in Erwartungen verliere (an mich oder an andere). Wünschen kann ich mir immer noch vieles!
In herausfordernden Situationen (also die, die jeden Tag vorkommen) brauche ich einen langen Atem (also atme ich lange aus oder beobachte meinen Atem).
Wow, ich atme gerade schnell. Der Rhythmus ist schnell. Ich beobachte ihn nur. Nach einer Weile wird der Rhythmus langsamer, nicht weil ich ihn verändere, nur weil ich ihn beobachte.
Manchmal fühle ich mich schon nach diesen Sekunden Wellness wieder ausgeglichener.
Wie ist es bei Dir, Judith? Hetzt Du noch durch den Tag (wie ich so oft) oder atmest Du schon?

Bis bald,

Deine Alexandra

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Hallo Alexandra,

Atmen ist schon ein tolles Werkzeug. Wenn ich mal wieder Achterbahn fahre, hilft mir diese Technik:
Ich spüre die Bewegung vom Zwerchfell, das kennst Du wahrscheinlich. Es ist der Atemmuskel überhaupt! Ich lege eine Hand auf den Oberbauch (geht natürlich auch ohne Hand) und atme in den Bauch ein. Dort bewegt sich das Zwerchfell nach unten, beim Ausatmen wandert es wieder hoch. Dabei lasse ich meinen Atemrhythmus so, wie er ist, denn wenn er langsamer sein muss, als er gerade ist, stresst mich das nur unnötig.
Einfach, kurz und doch nicht immer leicht zu tun! Ich übe das jeden Tag.

Alles Liebe,

Deine Judith