Veränderungen in der Familie meistern

Große Veränderungen in der Familie passieren und beeinflussen uns und unsere Lieben: Umzug, Jobwechsel, ein Tod in der Familie, politische Veränderungen… Dazu kommen die vielen Veränderungen im Alltag: Babys lernen laufen, Kinder sind heute voller Energie und am nächsten Morgen krank, Eltern streiten und versöhnen sich. Zwischen Veränderung und Stabilisierung navigieren wir durch das Abenteuer Familie. Manche Veränderungen überwältigen uns ganz plötzlich, andere ersehnen wir uns und dennoch brauchen sie Zeit oder sie passieren ganz anders als von uns geplant. Was jede Veränderung braucht, ist unsere Aufmerksamkeit.
Wie wäre es, offen für fast jede Veränderung zu sein? Veränderung wäre nicht mehr überwältigend oder langatmig. Außerdem befinden wir uns immer in einer Veränderung oder in einem Übergang. Die großen Veränderungen sind offensichtlich. Die kleinen Veränderungen fallen nur weniger auf, da sie sich scheinbar wiederholen, dennoch sind sie nie ganz gleich.
Vergeblich warten wir auf die Sicherheit, die uns scheinbar gleichbleibende Erfahrungen vermitteln. Bis zur nächsten großen Veränderung. Solange wir die kleinen Veränderungen nicht wahrnehmen, sind wir scheinbar sicher.

Warum Veränderungen so herausfordernd sind

Mit einem gesetzten Ziel erwarte ich ein bestimmtes Ergebnis und bin weniger offen für ein anderes Ergebnis.
Ich habe eine feste Vorstellung von mir, wie ich als Mensch funktioniere.
Mein Blickwinkel auf die Welt ist nur EIN möglicher Blickwinkel.

Wie ich auf Veränderungen reagiere

Wenn ich plötzlich meinen Job verliere, ein geliebter Mensch stirbt oder ein Plan von mir nicht aufgeht, beginnt das Kino im Kopf:
Nein, das darf nicht wahr sein! Warum (ich)? Oder mein Körper spricht, er lehnt sich zurück, will zurück gehen, festhalten und nicht in die Zukunft gehen…
Oder der Kopf reagiert so:
Warum müssen die anderen so sein oder so handeln?
Oder der Kopf beschäftigt sich mit Aufgaben, Listen und mit dem Wunsch, alles zu kontrollieren, auch wenn er es nicht kann.
Ablenkungen sind auch eine beliebte Strategie: Trost im Kaffee, Überfluten mit Information, Musik…
In Extremfällen, wie Verlust des eigenen Zuhauses oder der Tod von geliebten Menschen funktionieren diese Strategien kaum. Selbst keine Strategien, die sonst bei der Bewältigung von Veränderung helfen können: Sport machen, mit Freunden reden, meditieren…

Veränderungen lieben lernen

1. Ich will nicht, dass sich etwas verändert. Ich will kämpfen, flüchten oder ich erstarre, weil ich kurz glaube, nichts tun zu können.
2. Der starke Widerstand, die Angst oder das Kribbeln im Bauch, alles das fällt auf, wenn ich mich nicht ablenke.
3. Ist es die Situation oder sind es mehr die Gedanken, die den Stress machen? In der Situation gibt es Farben, Formen, Strukturen von Oberflächen, Geräusche, Luft auf der Haut, einen Körper, der immer für mich arbeitet…
4. Wir nehmen die Welt aus einer einzigen Realität wahr, aus unserer Realität, aber es ist nur EINE mögliche Realität. Nichts bleibt gleich, der Gesichtsausdruck Deines Kindes, die Stimmung Deiner Lieben, Deine Zellen 😉 …
Jedes Mal, wenn ich etwas nicht haben will und es ganz schnell ändern will, versuche ich einen kurzen Moment LANGSAM zu sein, auch wenn alles in mir davon laufen will. Dann ist meine Welt eine andere als vorher und die Möglichkeiten zu handeln, viel größer.

 

Ich will keine Veränderung! (6. Brief an die Tochter)

Mama Alexandra schreibt ihrer Tochter Mira (5 Jahre) wieder einen Brief, dieses Mal über Veränderungen im Leben, die uns Angst machen, aber auch neugierig machen können.
Wenn Mira die Lust zum Lesen entdeckt, wird Alexandra ihr die Briefe geben.
Liebe Mira,
Du verstehst nicht, warum eine Deiner Freundinnen im Kindergarten bleiben will und nicht in die Schule gehen will, denn Du selbst bist schon so neugierig! Was Deine Freundin kennt, ist ihr vertraut und sie fühlt Dich wohl damit. Sie will es nicht verlieren. Wer weiß, ob es in der Schule auch so ist, wie im Kindergarten, ob man dort auch so schön spielen und lernen kann? Ob sie dort neue Freunde findet? Irgendwann wird es Deiner Freundin langweilig im Kindergarten werden, aber jetzt ist ihr der Kindergarten bekannt und vertraut. „Vielleicht ist es in der Schule total blöd“ hat sie Dir erzählt.
Veränderung und neue Orte machen auch mir Angst, Mira. Angst, dass ich mich an dem neuen Ort unsicher fühle oder dass ich von anderen Menschen enttäuscht werde.
Dann hilft es mir, wie bei einer Reise einen Schritt nach dem anderen zu gehen.
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Alles auf einmal ist viel zu viel, da verliere ich den Mut. Schritt für Schritt, ganz genau so, wie Du Laufen gelernt hast. Zuerst hast Du Dich hochgezogen, irgendwann bist Du an den Möbeln entlanggelaufen und irgendwann losgelaufen. Dazwischen bist Du umgefallen, aber Du bist immer wieder aufgestanden und wolltest laufen. Deine Freundin hat es doch auch geschafft, obwohl Laufen auch für sie ganz neu war!
Ich wünsche Dir Kraft und Mut für alles, was sich in Deinem Leben ändert, dass Dich Deine Neugierde an verschiedene Orte bringt, und dass Du gespannt bist auf neue Menschen!
In Liebe,
Mama
 

Willst Du mehr von Mira und Alexandra erfahren?

Warum Eltern drohen, ohne es zu wollen (1. Brief an die Tochter)

Miteinander reden und Leben lernen (2. Brief an die Tochter)

Nein! Widerstand leisten ist zweckvoll (3. Brief an die Tochter)

Es tut nicht weh und wenn doch? (4. Brief an die Tochter)

Das Schweigen der Mama (5.Brief an die Tochter)

Warum Mama nicht bei Oma wohnt (Familiengeschichte 1)