(Seelen-) Wellness für Mama (Brief einer Mama)

Liebe Judith,

vor kurzem hat mir eine Mama von Wellness erzählt und wie gut das für sie war. Ich mache heute auch Wellness, wenn auch nichts so, wie man sich das „normalerweise“ vorstellt. Heute gestehe ich mir ein, dass ich viele Bedürfnisse und Wünsche habe und an einem anderen Tag bin ich dann wieder die starke Mama.
Was wünsche ich mir von anderen und von mir selbst?
Das ist der Anfang einer Liste:
Ich wünsche mir, dass mich meine Leute unterstützen. (dazu frage ich meine Leute klar: Wann könnt ihr mir helfen?)
Ich will, dass mein Kind im Alltag mithilft.
Manchmal möchte ich Dinge nur in meinem eigenen Rhythmus tun, nicht langsamer und auch nicht schneller.
Heute brauche ich Unterstützung und ermunternde Worte, aber bitte keine Ratschläge.
Für unser Familienleben brauche ich eine spielerische Haltung (das Leben ist voller Möglichkeiten!), damit ich gespannt unseren Alltag erlebe und mich nicht in Erwartungen verliere (an mich oder an andere). Wünschen kann ich mir immer noch vieles!
In herausfordernden Situationen (also die, die jeden Tag vorkommen) brauche ich einen langen Atem (also atme ich lange aus oder beobachte meinen Atem).
Wow, ich atme gerade schnell. Der Rhythmus ist schnell. Ich beobachte ihn nur. Nach einer Weile wird der Rhythmus langsamer, nicht weil ich ihn verändere, nur weil ich ihn beobachte.
Manchmal fühle ich mich schon nach diesen Sekunden Wellness wieder ausgeglichener.
Wie ist es bei Dir, Judith? Hetzt Du noch durch den Tag (wie ich so oft) oder atmest Du schon?

Bis bald,

Deine Alexandra

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Hallo Alexandra,

Atmen ist schon ein tolles Werkzeug. Wenn ich mal wieder Achterbahn fahre, hilft mir diese Technik:
Ich spüre die Bewegung vom Zwerchfell, das kennst Du wahrscheinlich. Es ist der Atemmuskel überhaupt! Ich lege eine Hand auf den Oberbauch (geht natürlich auch ohne Hand) und atme in den Bauch ein. Dort bewegt sich das Zwerchfell nach unten, beim Ausatmen wandert es wieder hoch. Dabei lasse ich meinen Atemrhythmus so, wie er ist, denn wenn er langsamer sein muss, als er gerade ist, stresst mich das nur unnötig.
Einfach, kurz und doch nicht immer leicht zu tun! Ich übe das jeden Tag.

Alles Liebe,

Deine Judith

 
 

Mama unter Druck – Alle wollen etwas von mir (Brief einer Mama)

Alle wollen etwas von Judith, sogar sie selbst. Mama Judith steht zwischen den Stühlen: Kind, Partner, Job, Freunde, Selbstfürsorge… Am Abend schreibt die entmutigte Judith ihrer Freundin Alexandra, die auch Mama ist, einen Brief.

Liebe Alexandra,

ich könnte schreien!

Mein Sohn ist heute in sein Zimmer gerannt und war total wütend auf mich. Ich habe ihm versprochen, dass wir heute Nachmittag in die Kletterhalle fahren, aber ich habe mich nicht daran gehalten. Mein Chef hat mir eine Email gesendet mit dem Betreff „Dringend, am besten gestern erledigen.“ Dabei wollte ich nur am Vormittag im Home Office arbeiten und am Nachmittag mit Tim in die Kletterhalle fahren.
Alle wollen etwas von mir, auch ich. Überall lese ich, wie wichtig Selbstfürsorge ist: Mache Dich locker und entspanne, bewege Dich, so viel Du kannst; nehme Dir jeden Tag Zeit für Dich, schlafe genug und gestalte ein aufregendes Leben. Verbringe quality time mit Deiner Familie, bringe Abwechslung in Deine Partnerschaft, genieße Deinen Job, habe Spaß mit Freunden, leiste eine sozialen Beitrag…

Was ich auch mache, immer ist einer unzufrieden, andere oder ich selbst!

Denn, wenn ich eine Sache mache, ist irgend jemand unzufrieden, dass ich in dieser Zeit etwas anderes nicht mache.
Dabei weiß ich doch, wie wichtig es für alle ist, zufrieden zu sein. Aber es gelingt mir nicht. Alles ist jenseits von perfekt. Wenn Du Ideen hast, was ich ändern kann, schreibe mir. Danke Dir.
Bis bald,
Deine Judith
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Alexandra schreibt Judith einen Brief zurück.

Liebe Judith,

fühle Dich mal umarmt!

Das ist eine Menge Druck, den andere Dir machen. Wie viele andere Mamas, mich eingeschlossen, machst Du Dir auch selber Druck.
Das ganze Leben wird zu Aufgaben auf der to do Liste und steht wie ein unüberwindbarer Berg vor Dir, meinst Du das? Was Du auch tust, irgend etwas schaffst Du nicht und bist unzufrieden. Wenn Du selbst nicht unzufrieden bist, sind es andere. Das kenne ich sehr gut. Unsere eigenen Erwartungen und auch die anderer Menschen sind manchmal einfach sehr hoch. Enttäuschungen sind also zu erwarten. Wenn ich 3 Tage Nudeln in Folge anbiete, erfülle ich nicht die Erwartung an eine abwechslungsreiche Küche (allerdings ist gesund kochen Ansichtssache und sehr individuell). Wenn mir nicht nach Paarzeit ist, obwohl ich weiß, wie wichtig es ist, Partnerschaft zu leben, erfülle ich die „Aufgabe“ Partnerschaft zu pflegen“ nicht.

Gegen diese Unzufriedenheit anzukämpfen hilft nicht, denn sie ist schon da, bei anderen oder bei uns Mamas.

Spontane Gedanken dazu sind: Die Email sollte nicht heute kommen, da Judith Tim den Ausflug in der Kletterhalle versprochen hat. Tim sollte nicht so unzufrieden sein, denn Judith holt den Ausflug nach. Deine Situation könnte Dich auch zu den Gedanken einladen: Das ist die Gelegenheit, meinem Chef klar zu sagen, dass ich mich Morgen um die Arbeit kümmere. Tim kann erfahren, dass Unzufriedenheit ein Teil des Lebens ist und wir den Auflug ein anderes Mal machen. Ich kann lernen, Prioritäten zu setzen (es gibt hier keine „richtige“ Antwort). Unzufrieden sein bedeutet, herauszufinden, was Dich und Deine Lieben zufrieden macht. Tims Unzufriedenheit kannst Du nachempfinden, weil Du selbst die Erfahrung gemacht hast, wie es ist, unzufrieden zu sein. Es kann euch also näher zusammen bringen. Die Unzufriedenheit kann ein Stachel sein, etwas zu ändern – einen Glaubenssatz (in der Arbeit muss ich geben, was ich kann; ich muss mein Kind glücklich machen usw.)
Um nicht in der Unzufriedenheit fest zu stecken, kannst Du Dich fragen: In welchem Moment war ich heute zufrieden?
Wenn Du die Unzufriendheit erlebst und danach Dein Gefühl durch einen anderen Gedanken änderst, gewinnst Du hoffentlich auch eine neue Perspektive zu handeln.
Ciao,
Deine Alexandra
 
 

Der Mensch Mama (7. Brief an die Tochter)

Mama Alexandra schreibt ihrer Tochter Mira (5 Jahre) einen Brief, dieses Mal darüber, wie sie als perfekt unperfekter Mensch ihre Rolle als Mama erfüllt.
Wenn Mira die Liebe zum Lesen entdeckt, wird Alexandra ihr den Brief geben.
Wer bei den Kindern zu Hause bleibt, ist eine Glucke. Wer am Abend ausgeht ist eine Rabenmama. Sich einmal zu viel um seine Kinder gesorgt, willkommen im Club der Helikopter Mamas. Auf einem Arm ein Baby, auf dem anderen Arm ein Tatoo, schon ist Mama cool. Wenn ich als Mama alleine aufräume, welche Mama bin ich dann? Die Aufopferungsvolle? Die Fluchende? Oder ich räume nicht auf, bin ich dann die chaotische Mama? Oder die, die Grenzen setzen kann? Mensch Mama, entdecke die Möglichkeiten!
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Liebe Mira,
heute möchte ich Dir schreiben, was mir als Mama wichtig ist, wenn ich Dich als Tochter begleite. Nicht, dass es mir immer gelingt, aber ich wünsche mir, dass Du weißt, was mir wichtig ist.
Manchmal bin ich müde, dabei will ich Dich doch munter und aufmerksam begleiten.
Manchmal habe ich weder Zeit noch Lust zu spielen, dabei will ich mich doch mit Dir freuen und mit Dir spielen.
Hin und wieder bin ich ernster als ich sein möchte. Dabei mag ich auch Spaß mit Dir und lache gerne mit Dir.
Manchmal lasse ich Dir zu wenig Freiraum und gebe zu viel Struktur (jetzt gehen wir in den Kindergarten, später fahren wir zu Opa…). Es ist mir aber auch wichtig, Dir Freiraum und viel ungeplante Zeit zu lassen, damit Du Deine Talente und Interessen selbst entdecken kannst.
Es gibt Momente, da kann ich mich nicht in Dich einfühlen wie ich gerne möchte. Dennoch will ich Deine Welt kennen lernen und erfahren, was Du magst und was Du nicht magst.
Es ist mir sehr wichtig, Dir immer wieder zu zeigen, wie sehr ich Dich mag, wenn ich Dir zuschaue, Dir zuhöre, wenn ich fühle, was Du fühlst oder wenn ich Dich umarme.
Manchmal mag ich auch Dinge tun, die mit Familie nichts zu tun haben, denn so, wie Du nicht nur Tochter bist, bin ich nicht nur Mama. Manchmal bin ich einfach ein Mensch, der draußen Kopfstand machen oder ohne zu sprechen fotografieren will.
Ich bin ein Mensch in Deinem Leben, den Du beobachtest, den Du nachahmst, weil Du es genauso machen möchtest oder eben nicht nachahmst, weil Du es anders machen möchtest. Ich bin sehr gespannt, immer wieder neu zu erleben, was Dir am Herzen liegt.
In Liebe,
Mama

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Warum Eltern drohen, ohne es zu wollen (1. Brief an die Tochter)

Miteinander reden und Leben lernen (2. Brief an die Tochter)

Nein! Widerstand leisten ist zweckvoll (3. Brief an die Tochter)

Es tut nicht weh und wenn doch? (4. Brief an die Tochter)

Das Schweigen der Mama (5.Brief an die Tochter)

Ich will keine Veränderung! (6. Brief an die Tochter)

Warum Mama nicht bei Oma wohnt (Familiengeschichte 1)

 

Ich will keine Veränderung! (6. Brief an die Tochter)

Mama Alexandra schreibt ihrer Tochter Mira (5 Jahre) wieder einen Brief, dieses Mal über Veränderungen im Leben, die uns Angst machen, aber auch neugierig machen können.
Wenn Mira die Lust zum Lesen entdeckt, wird Alexandra ihr die Briefe geben.
Liebe Mira,
Du verstehst nicht, warum eine Deiner Freundinnen im Kindergarten bleiben will und nicht in die Schule gehen will, denn Du selbst bist schon so neugierig! Was Deine Freundin kennt, ist ihr vertraut und sie fühlt Dich wohl damit. Sie will es nicht verlieren. Wer weiß, ob es in der Schule auch so ist, wie im Kindergarten, ob man dort auch so schön spielen und lernen kann? Ob sie dort neue Freunde findet? Irgendwann wird es Deiner Freundin langweilig im Kindergarten werden, aber jetzt ist ihr der Kindergarten bekannt und vertraut. „Vielleicht ist es in der Schule total blöd“ hat sie Dir erzählt.
Veränderung und neue Orte machen auch mir Angst, Mira. Angst, dass ich mich an dem neuen Ort unsicher fühle oder dass ich von anderen Menschen enttäuscht werde.
Dann hilft es mir, wie bei einer Reise einen Schritt nach dem anderen zu gehen.
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Alles auf einmal ist viel zu viel, da verliere ich den Mut. Schritt für Schritt, ganz genau so, wie Du Laufen gelernt hast. Zuerst hast Du Dich hochgezogen, irgendwann bist Du an den Möbeln entlanggelaufen und irgendwann losgelaufen. Dazwischen bist Du umgefallen, aber Du bist immer wieder aufgestanden und wolltest laufen. Deine Freundin hat es doch auch geschafft, obwohl Laufen auch für sie ganz neu war!
Ich wünsche Dir Kraft und Mut für alles, was sich in Deinem Leben ändert, dass Dich Deine Neugierde an verschiedene Orte bringt, und dass Du gespannt bist auf neue Menschen!
In Liebe,
Mama
 

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Warum Eltern drohen, ohne es zu wollen (1. Brief an die Tochter)

Miteinander reden und Leben lernen (2. Brief an die Tochter)

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Es tut nicht weh und wenn doch? (4. Brief an die Tochter)

Das Schweigen der Mama (5.Brief an die Tochter)

Warum Mama nicht bei Oma wohnt (Familiengeschichte 1)

 

Das Schweigen der Mama (5. Brief an die Tochter)

Mama Alexandra schreibt ihrer Tochter Mira (5 Jahre) wieder einen Brief, dieses Mal über Mamas, die schweigen. Schweigen bedeutet nicht zu wissen, was man sagen soll oder etwas nicht sagen wollen.
Wenn Mira die Lust zum Lesen entdeckt, wird Alexandra ihr die Briefe geben.

Liebe Mira,

als Du die Schuhe mit Erde ins Wohnzimmer gestellt hast, habe ich zunächst geschwiegen, denn ich hatte Dir gerade gesagt, dass Du die Schuhe bitte auf dem Balkon lassen sollst, damit sich die Erde nicht überall in der Wohnung verteilt.
Ich war traurig und verärgert, weil Du mir nicht zuhörst oder eben das machst, was Du willst und nicht das, was ich will.
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Mein Schweigen hat Dir nicht gefallen, Mira. Du wolltest plötzlich wieder die Wände anmalen, wobei Du das schon lange nicht mehr tust und Du wolltest, dass ich etwas sage!
Da fiel mir ein, wie es war, als Oma, also meine Mama, geschwiegen hat und dass mir das als Kind Angst gemacht hat. Wenn jemand in einer Unterhaltung schweigt, weiß er nichts dazu oder er will nichts dazu sagen. Als Oma nichts sagen wollte, habe ich mich mies gefühlt. Ich wusste nicht, was es bedeutet. Stell Dir vor, heute habe ich selbst geschwiegen, obwohl ich weiß, wie ätzend das ist! Entschuldige Mira!
Manchmal schweigst auch Du Mira, wenn Du etwas nicht weißt oder wenn Du nicht reden willst.
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Wenn wir uns lange anschweigen, werden wir uns fremder und davor habe ich Angst.
Was ist denn eigentlich passiert? Bin ich verärgert, verletzt oder weiß ich gerade nicht weiter?

Wenn ich Dir das nicht sage, mache ich vielleicht später aus einer Mücke einen Elefanten (eine kleine Sache regt mich sehr auf), und Du bist überrascht, weil mich irgendeine Kleinigkeiten so aufregt. Du siehst, es hat nichts mit Dir zu tun, aber mit mir!

Wenn ich mal wieder schweige, bin ich gerade nicht mutig genug, Dir zu zeigen, was in mir vorgeht oder ich will nicht zugeben, dass ich gerade nicht weiter weiß. Ich arbeite daran, mutig genug zu sein.

In Liebe,
Mama
 

Es tut nicht weh, und wenn doch? (4. Brief an die Tochter)

Mama Alexandra schreibt ihrer Tochter Mira einen Brief über Kinder, die Schmerzen haben und gesagt bekommen, dass es doch gar nicht weh tut.
In ihrem vierten Brief an Mira erzählt Alexandra, wie Mira im Krankenhaus an der Zehe punktiert wird, und der Arzt behauptet, dass es nicht weh tut.
Wenn Mira (5 Jahre) die Liebe zum Lesen entdeckt, wird Alexandra ihr die Briefe, die sie schon jetzt schreibt, geben.
Liebe Mira,
Schmerz wird von verschiedenen Menschen ganz unterschiedlich erlebt. Weißt Du noch, als Susi hinfiel und schrie oder als Tami hinfiel, ohne zu weinen? Wenn Du das beobachtest, kannst Du nicht genau wissen, wie stark es dem anderen gerade weh tut. Du siehst aber das Gesicht des anderen und das verrät Dir, wie es ihm geht. Oder seine Stimme sagt Dir, wie sich der andere fühlt.
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Als Du Dich verletzt hast und beim Arzt warst

Vor kurzem hast Du Dich verletzt. Beim Spielen fiel Dir eine Platte auf den Zehennagel, Dein Zehennagel wurde blau und der Zeh ganz dick. Aua! Unter Deinem Nagel entstand viel Druck, weil sich das Blut dort sammelte und fest wurde. Du warst verwirrt und hattest Angst. Der Arzt, der in den Zehennagel gepickst hat, damit der Druck aufhört, meinte „es tut nicht weh.“ Seine Idee war, Dich zu beruhigen und Dir die Angst zu nehmen. Oder er konnte es nicht mehr ertragen, dass viele Kinder weinen und wollte seine Ruhe. Ärzte erleben oft, dass andere Schmerzen haben. Das kann schwer sein. Tatsache war, es tat weh und es verwirrte Dich, dass der Arzt behauptet, dass es nicht weh tut.
„Es tut gerade weh und das ist doof“ habe ich gesagt. Ich war auch sauer, dass Dir jemand sagt, was Dir weh tut oder nicht. Wie soll er das denn wissen?
Es hat Dir jedenfalls nicht geholfen zu sagen, dass es nicht weh tut. Es stimmte nicht. Nachdem Du erst einmal verwirrt warst, dass es nicht weh tun soll, obwohl es weh tut, warst Du verärgert: Du lügst! haben Deine Augen gesagt. Warum soll ich so tun, als ob es nicht weh tut?
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Was brauchst Du, wenn Du Schmerzen hast?

  • Brauchst Du jemanden, der einfach da ist? Jemanden, der Deinen Schmerz sieht und Deine ängstlichen Augen?
  • Du willst dennoch nicht hilflos da liegen? Dann atme mit dem Schmerz und mit der Angst lange aus; drücke meine Hand, so fest Du kannst…Du fühlst Dich auf dieser Krankenhausliege schon hilflos genug, obwohl Du nicht hilflos bist.
  • Brauchst Du Trost? Manchmal stößt Du mich sogar weg, wenn ich Dich trösten will, ganz so, als wolltest Du sagen „ist schon gut, ich komme klar.“

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Vielleicht brauchst Du manchmal auch etwas, was ich nicht geschrieben habe. Jeder Mensch und jede Situation ist anders. Wer gerade Schmerzen erlebt, braucht Menschen, die diese Schmerzen sehen. Ich weiß nicht immer, was Du brauchst. Ich mache Fehler, will Dich trösten, obwohl Du es gar nicht brauchst. Aber ich lerne auch dabei, zu sehen, was Du brauchst. Ob und wie Du Dir Hilfe holst, entscheidest Du, denn manchmal hast Du Schmerzen, aber wenn Du lernst, was Du brauchst, kannst Du etwas tun!
In Liebe,
Mama
 

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Warum Eltern drohen, ohne es zu wollen (1. Brief an die Tochter)

Miteinander reden und Leben lernen (2. Brief an die Tochter)

Nein! Widerstand leisten ist zweckvoll (3. Brief an die Tochter)

Warum Mama nicht bei Oma wohnt (Familiengeschichte 1)

 

Nein! Widerstand leisten ist zweckvoll (3. Brief an die Tochter)

Mama Alexandra schreibt ihrer Tochter Mira einen Brief über Kinder, die Nein sagen und Widerstand leisten. Kinder wollen manchmal etwas anderes als Eltern.
In diesem dritten Brief spricht Alexandra über den Widerstand von Mira, über ihren eigenen Widerstand, und über die Herausforderung, Mira zu führen. Wie kann Alexandra Mira trotz Widerstand führen?
Wenn Mira (5 Jahre) die Liebe zum Lesen entdeckt, wird Alexandra ihr den Brief, den sie schon heute schreibt, geben.
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Liebe Mira,
„Nein“ hast Du heute Morgen zu mir gesagt. Du wolltest Dich weder waschen noch anziehen, Du wolltest spielen! Ich habe gesagt: „Ziehe Dich bitte an, damit wir in den Kindergarten gehen können.“
Ich als Mama muss/ darf/ will

  • pünktlich sein
  • arbeiten

Du als Tochter willst

  • spielen, also lernen und zwar
  • JETZT!

Ich war sauer, weil Du Dich in Dein Kinderzimmer gesetzt hast und nichts gemacht hast. Du warst sauer, weil ich etwas von Dir wollte, was Du jetzt gar nicht wolltest.
So geht es mir manchmal und Dir auch. Was Du willst, will ich nicht und umgekehrt. Das haben wir gemeinsam!

Wie kann ich Dich als Mama führen, wenn Du nicht geführt werden willst?

Nachdem wir, später als ich wollte, und früher als Du wolltest, im Kindergarten waren, habe ich ein Rollenspiel im Kindergarten beobachtet. „Hiergeblieben, ich verhafte Dich“, sagte der Polizist Tim zum Räuber Ben. Ben grinste und lief weg, Tim verfolgte Ben und hatte Spaß, weil Tim nicht hier bleiben wollte und sich jagen lassen wollte.
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Bevor ich Dich führe, brauchst Du vielleicht etwas ganz anderes von mir?

  • Ein Spiel? Wir spielen, wer was will. Wir spielen nicht, Du machst, was ich Dir sage. Du bist mir wichtig, und ich bin Dir wichtig, deswegen will ich wissen, was Du willst und Du willst wissen, was ich will.
  • Ich will mir Deine Wünsche und Ideen anhören, habe aber am Morgen nicht so viel Ruhe zum Zuhören. Kannst Du es mir heute Nachmittag/ Abend erzählen?
  • Ich lasse Dich 5-10 Minuten mit Deinen Stofftieren spielen (dabei warst Du gerade), und danach gehst Du in das Bad zum Waschen.

Was mache ich, wenn Du dann immer noch nicht bereit bist? Warum hilfst Du nicht mit?

Du möchtest mitteilen, was Dir wichtig ist. Gestern hast Du schon so viel gemacht, was andere wollten, (ich vergesse das manchmal) und jetzt möchtest Du endlich tun können, was Du willst. Du übst für den Tag, an dem Du Dein eigener Chef bist.
Jetzt leben wir noch in einer Familie. Irgendwann hast Du Dein eigenes Leben. Du hast eine Meinung, Papa hat eine Meinung, und ich habe eine Meinung. Deswegen geht es manchmal nach Deinem Kopf, manchmal nach Papas, manchmal nach meinem und manchmal nach keinem unserer Köpfe.
Wenn wir also mal wieder eine dieser Situationen erleben, in denen keiner von uns will, was der andere will, frage ich mich:

  1. Was willst Du? Was will ich?
  2. Wie kann ich Dich führen? (mit dem Ziel, dass Du Dich eines Tages ganz selbst führst)

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Manchmal tröstet es Dich schon, wenn ich sehe, dass Du gerade nicht willst, was ich will. Wenn Du immer wieder Gelegenheiten hast, in denen Du frei spielen kannst, so wie Du willst, lässt Du Dich auch wieder von mir führen.
An manchen Tagen wird das gelingen und an manchen Tagen werde ich mir wünschen, dass es gelingt. Dann brauche ich Deine und meine Geduld.
In Liebe,
Mama
 

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Warum Eltern drohen, ohne es zu wollen (1. Brief an die Tochter)

Miteinander reden und Leben lernen (2. Brief an die Tochter)

Warum Mama nicht bei Oma wohnt (Familiengeschichte 1)

 
 

Miteinander reden und Leben lernen (2. Brief an die Tochter)

Alexandra, die Mama unserer erfundenen Familie, schreibt heute wieder einen Brief an ihre Tochter Mira (5 Jahre).
Wenn Mira die Liebe zum Lesen entdeckt, wird Alexandra ihr die Briefe geben. Alexandra spricht in diesem zweiten Brief mit Mira über das Lernen im Leben, und wie wir miteinander sprechen könnten, damit wir Lust haben, voneinander zu lernen.
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Liebe Mira,
wäre es nicht schön, wenn wir Menschen uns gegenseitig helfen, zu lernen? Wie reden wir Menschen miteinander, damit wir für unser Leben lernen können?
Wenn ein Mensch so mit mir spricht, dass es…

  • übertrieben ist (jemand macht aus einer Mücke einen Elefanten: wie konntest Du das vergessen?),
  • ungenau ist (jemand findet etwas blöd, macht aber keine Vorschläge, wie es anders gehen kann.),
  • zu allgemein ist (jemand behauptet, dass ich mir „nie“ Mühe gebe oder dass ich „immer“ alles vergesse),

vergeht mir nämlich die Lust zu lernen oder etwas zu verändern.
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„Was will der denn?“ und „warum macht er das?“ frage ich mich

  • er will sagen, was er denkt.
  • er will Ärger los werden.
  • er möchte sich über andere lustig machen und Spaß haben. (leider leiden andere aber darunter.)
  • er möchte sich selbst groß fühlen (statt klein) und macht andere dabei klein.
  • er ist neidisch, weil ich etwas habe oder tue, was er selbst möchte, aber noch keine Idee hat, wie er es bekommen oder tun kann.
  • er ist enttäuscht, weil ich seine Wünsche nicht erfülle.
  • er fordert Dich heraus, weil er gerne kämpft und damit spielt. (Opa ist manchmal so ;-))

Du siehst, liebe Mira, was Menschen sagen oder tun, hat nicht so sehr mit Dir selbst, sondern vor allem mit ihnen selbst zu tun!

Was wäre, wenn ein Mensch so mit Dir spricht, dass….

  • eine Eigenschaft von Dir stärker werden kann (Du entwickelst viele Ideen für Dein Puppentheater…)
  • eine Fertigkeit von Dir größer werden kann (Du lernst, einen Ton auf der Gitarre zu spielen…),
  • eine Beziehung zu einem Menschen wächst (Du lernst etwas Neues über Deine Freundin…).

Was brauchst Du, um von anderen zu lernen?

  • Gerade bist Du frustriert und nicht offen dafür, was der andere denkt. Du brauchst eine Lernpause und bist später wieder bereit zum Lernen.
  • Du kannst verstehen, was der andere sagt, hast aber keine Ahnung, wie Du es ändern kannst. Du brauchst Vorschläge, wie Du es ändern kannst.
  • Der andere sagt nur ganz ok, aber dann kommt eine lange Liste mit Dingen, die anders sein sollten. Du willst zuerst wissen, was genau ok war. Dann hast Du einen Motor für die Dinge, die Du noch lernen kannst und willst.

Wie sage ich es, damit Du Lust hast, etwas über Dich und über mich zu lernen?

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  1. Ich sage, was ich schätze, mit Beispielen. (z.B. beim Taekwondo: Es gefällt mir, mit welcher Kraft Du die Kicks in Taekwondo machst; Ich mag es, wie Du konzentriert zuschaust, wenn eine neue Technik gezeigt wird; Deine Fäuste schauen so stark aus…)
  2. Ich sage klar, was ich mir wünsche. (Ich wünsche mir, dass Du das Ziel anschaust und gleich die Handkante direkt darauf schlägst; übe jetzt langsam, damit Hände und Füße zusammen arbeiten lernen, schnell wirst Du durch Wiederholung und Üben…)
  3. Ich male mir mit Dir aus, was in der Zukunft passieren kann, wenn  Eigenschaften, Fertigkeiten und Beziehungen wachsen (Wenn Du Taekwondo trainierst, lernst Du aufmerksam zu sein und wie Dein Körper zusammen spielt. Du trainierst nicht nur für Taekwondo, sondern bist auch aufmerksam im Leben, in Deiner Familie und bei Deinen Freunden).

Ich wünsche Dir, liebe Mira, dass Du ein offenes Ohr für Anregungen in Deinem Leben hast. Wenn jemand etwas zu Dir sagt, was übertrieben, ungenau und zu allgemein ist, hat es wahrscheinlich mehr mit ihm selbst, als mit Dir zu tun. Ich wünsche Dir, dass Du beim Lernen immer wieder das Gefühl hast, zu fliegen, mit einem Kribbeln im Bauch.
In Liebe,
Deine Mama
 

Willst Du mehr von Alexandra oder Mira erfahren?

Warum Eltern drohen, ohne es zu wollen (1. Brief an die Tochter)

Warum Mama nicht bei Oma wohnt (Familiengeschichte 1)

10 Minuten, die die Eltern-Kind Beziehung verändern

Die Eltern-Kind-Beziehung ist in jedem Moment neu und anders, weil sich sowohl Kinder als auch Eltern „bewegen“.  Unterschiedliche Gefühle und Gedanken bewegen uns ständig, auch wenn wir noch so ruhig scheinen. Kinder lernen uns als Menschen kennen, die nicht immer konsequent oder gleich handeln. Mal sind wir gelassen, mal sind wir es nicht.
Kinder brauchen kein ausgefallenes Abendessen und keine kunstvolle Torte, auch wenn beides zufrieden machen kann. Was sie, und wir alle brauchen, ist ungeteilte, also volle, Aufmerksamkeit.
Papa Michael schaut auf sein Handy, so viele Termine türmen sich. „Ich sehe Dich“, sagt er zu Mira, die gerade ihr neuestes Kunststück vom Sofa Richtung Matratze zeigen will. Dabei schaut er immer wieder auf sein Handy. Mama Alexandra hält in der Hand den Informationszettel vom Kindergarten und liest. „Mama schau mal“, ruft Mira. Alexandra schaut kurz nach oben. „Toll“, sagt sie und liest wieder.
Natürlich können wir unseren Kindern nicht immer 100% Aufmerksamkeit schenken, das ist unrealistisch. Was aber passiert, wenn ich meiner Tochter viel Aufmerksamkeit schenke: Sie freut sich riesig und ich freue mich mit. Ich fühle mich meiner Tochter nahe. Da ich nur eine Sache tue, bin ich konzentriert. Mein Geist kommt zur Ruhe, weil ich mich nicht ablenken lasse. Das Geschenk ist also nicht nur ein Geschenk für mein Kind, sondern auch für mich selbst.
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Das 10 Minuten Geschenk für die Eltern-Kind Beziehung

  • Beobachte, was Dein Kind möchte. Möchte es Dir etwas zeigen, Dir etwas erzählen oder sogar Ruhe und Raum für sich selbst? Möchte es Raum für sich selbst und gleichzeitg Kontakt?…Du kannst hier Deine eigenen Fragen formulieren, wie sie am besten zu Dir und zu Deinem Kind passen.
  • Überprüfe, ob Du selbst bereit bist, diese Zeit zu schenken. Willst Du vorher etwas abschließen willst oder brauchst noch einen Moment Zeit für Dich? Die Beziehung zu den Kindern ist immer wichtig, nur nicht immer dringend.
  • Sei in den 10 Minuten da, so wie Du eben die Welt wahrnimmst. Sehe, höre und beobachte ganz so, wie Du beobachtest. Die Bewegungen, die Gedankengänge, die Stimme, die Mimik…

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  • Spüre gleichzeitig, was in Dir vorgeht. Schweifen Deine Gedanken ab? Hast Du Langeweile beim Beobachten, weil Du es gewohnt bist, zu tun? Spürst Du Unruhe?
  • Wie reagiert Dein Kind? Freut es sich? Lädt es Dich, mit seiner Art zu sein, ein, das Leben für einen Moment aus einer anderen Perspektive zu sehen?

Wie kann man aus dem 10 Minuten Geschenk ein Ritual machen?

  • Nach dem Frühstück am Wochenende
  • Am Abend vor/ nach dem Abendessen
  • Beim Abholen vom Kindergarten
  • ……………………………………………

Wie soll, das gehen, wenn man 2+ Kinder hat?

Wenn es mehrere Kinder sind, können die anderen Kinder in der Zwischenzeit selbst spielen oder etwas für sie reizvolles tun. (10 Minuten Folge Yakari, Spiel auf einem Tablet, Youtube Doku nach ihrem Interesse…) Vielleicht kann auch der Partner gleichzeitig mit dem anderen Kind wertvolle 10 Minuten verbringen.
Jede 10 Minuten voller Aufmerksamkeit ist eine Gelegenheit die Beziehung zu den Kindern zu vertiefen.
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Kann ich immer alles stehen und liegen lassen und 10 Minuten volle Aufmerksamkeit schenken? Sicher nicht. Nur, wenn man ältere Menschen fragt, was sie in ihrem Leben schätzen oder mehr wollten, kommen solche Antworten: „Ich wollte meinen Kindern oder meinen Liebsten nahe sein.“ Noch nie habe ich die Antwort gehört: Ich hätte den ausgefeiltesten und effektivsten Haushaltsplan erstellen oder die ausgefallenste Torte meines Lebens machen sollen. Ich finde beides cool, nur liegen uns diese beiden Dinge am Ende nicht so sehr am Herzen wie die Beziehung zu unseren Liebsten.
 
 

Blogreihe Frustration in der Familie #3: Frustrationstoleranz

Frustration in der Familie als Blogreihe: Die eigenen Auslöser der Frustration in den letzten beiden Blogbeiträgen erkannt und gemanagt, wie kann ich die Frustration noch sehen? Als etwas Überwindbares oder einen Kompass, der mir zeigt, was mir und den anderen Menschen etwas im Leben bedeutet?
Tochter Mira ist sehr enttäuscht, dass die Eisdiele wegen Urlaub geschlossen hat, auch wenn das in den Augen der Eltern Alexandra und Michael „doch nicht so schlimm ist.“ „Ist es doch“ sagt Mira. Im Kindergarten hat sie heute das Spiel UNO verloren, das Essen war eklig und die Kindergartenfreundin, mit der sie am Nachmittag spielen wollte, ist krank.
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„Für Dich ist es schlimm“ sagen Alexandra und Michael. Mira, die vorher mit gesenktem Kopf da saß, schaut nach oben. „Du liebst Eis, sagt Michael und jetzt hat die Eisdiele zu. Wir machen am Wochenende einen Ausflug und gehen Eis essen.“

Sind Deine Lieben (oder Du selbst) frustriert, geht es doch eigentlich um diese Dinge

  • Eine Situation tritt ein und macht jemanden traurig oder wütend.
  • Andere „sehen“ diese Traurigkeit oder Wut (oder Du selbst siehst sie)
  • Was sagt die Situation über die Person? (was sie mag, was sie braucht, was ihr wichtig ist…)
  • Was hilft dem Menschen, damit klar zu kommen, ohne, dass er die Situtation mögen muss?

ideas4parents-frustration-frustrationstoleranz-tipps-familie-kinder-2.pngWas keiner braucht, wenn er frustriert ist:

  • Menschen, die einem sagen, dass es nicht so schlimm ist oder dass man nicht frustriert sein muss, denn man ist es doch bereits.
  • Selber dagegen ankämpfen und es nicht wahr haben wollen, denn es ist bereits so und ändert die Situation nicht.

Wie kann sich Mira aus der Situation vorwärts bewegen?

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So einfach es scheint, aus eigener Frustrationserfahrung ist es nicht immer so einfach. Aber, um bei diesem Eisbeispiel zu bleiben, wie könnnen Alexandra und Michael Mira vorleben, dass das Leben voller Möglichkeiten ist, selbst bei einem solchen einfachen, aus Sicht der Eltern trivialen Beispiel?

  • zur anderen Eisdiele gehen oder fahren
  • im Supermarkt Eis einkaufen
  • Wenn keine Zeit ist, an einem anderen Tag Eis essen planen
  • Eis selber machen
  • Alternative zum Eis finden, die vielleicht trotzdem riesen Protest auslösen wird, denn Miras Hirn will Eis!!!

Dann fängt das ganze Spiel von vorne an: „Du willst Eis und kannst Dir gerade nichts anderes vorstellen“ sagt Alexandra zu Mira. Aus Sicht der Eltern erscheint das vielleicht lächerlich, eine lange story über das Eis zu schaffen, aber nicht für Mira! So klein, unwichtig oder sogar dumm erscheint Eltern manches, was aber für Kinder in diesem Moment wahrscheinlich sehr wichtig ist. Alexandra und Michael gehen 6 Schritte:

Schritt #1

Spiele also Beobachter und Zuhörer:

Sei Dir bewusst, was andere oder Dich gerade so frustriert. Welches Bedürfnis oder welcher Wunsch wird nicht erfüllt?

Schritt #2

Warte mit Handeln und Sprechen ab:

Du willst etwas sagen oder tun? „Das ist doch nicht so schlimm. Mira kann sich doch nicht stressen wegen so einer Kleinigkeit, wie soll sie denn im Leben klar kommen?“ denkt Michael. Höre, was Du sagen willst und sage zunächst nichts. Spüre, dass Du handeln willst und handle zunächst nicht. Alexandra würde Mira am liebsten in den Fahrradanhänger sitzen, um die Situation zu beenden. Sie wollte einen ruhigen Nachmittag und jetzt dieses Drama wegen so etwas! Höre Deinen Impulsen einfach zu.

Schritt #3

Siehe den Impuls nachlassen.

Der Drang, zu reagieren, sich mitzuteilen, anderen aus Emotionalität Vorwürfe zu machen, wird aufhören. Der Impuls ist vergänglich, villeicht ist er 1-2 Minuten sehr stark, wird weniger und zieht vorüber.

Schritt #4

Ermuntere Dich selbst, zunächst nichts zu tun (Notfälle ausgenommen: Unfälle, Überschwemmungen…):

Du kannst Dich als Eltern doch nicht in der Beobachterrolle ausruhen, Du musst aktiv Dein Kind erziehen oder begleiten! Wenn der Gedanke kommt: „Darauf musst Du reagieren.“ kann auch der Gedanke kommen: „Das hast Du bei den letzten Malen auch gesagt, wir haben alle nur gestritten und jeder war gekränkt.“

Schritt #5

Konfrontiere Deine Erwartungen mit der Realität:

Deine Tochter sollte…, Dein Mann sollte… Du solltest…Die Realität ist aber gerade nicht so. Obwohl ich das weiß, halte ich manchmal daran fest…mit dem Ergebnis, dass ich frustriert bin. Realität ist die perfekte, einzigartige Unvollkommenheit an mir und an anderen.

Schritt #6

Handle empathisch und klar:

Dieser Haltung gehen diese Schritte voraus: Frustration annehmen, Handlungs- und Sprechimpulse beobachten und neu reagieren können. Überrasche Dich, welche Situationen Du damit in Dein Leben einlädst.
Soll ich alle 6 Schritte auf einmal gehen? Nein, weil es manchmal nicht funktioniert, alles auf einmal zu ändern.Was mir hilft, ist die Ausrichtung auf eine Sache, sagen wir für einen Monat oder auch länger. Ich konzentriere mich einfach darauf, abzuwarten und zu beobachten, was bei mir und beim anderen gerade passiert. Interessanterweise findet sich daraus ein eigener neuer Weg, der natürlich von diesen 6 Schritten abweichen kann. Was die Wege alle verbindet, ist die andere innere Haltung, aus der ich handeln kann. Was hilft, in die Beobachterrolle zu schlüpfen? Langsamer atmen oder den Atem zu zählen…Mir hilft einfach auszuatmen.
Was so einfach? Ja, so einfach! Lösungen sind oft so einfach, wenn auch nicht immer leicht umzusetzen oder doch?
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„Gila, warum bist Du so entspannt?“ werde ich manchmal gefragt. Ich weiß in dem Moment, dass ich es nicht bin, warte ab und deswegen kann ich manchmal entspannter als vorher reagieren 😉
Wie lernst Du Frustration in der Familie lieben? Ideen sind willkommen.
Bis bald,
Gila