(Seelen-) Wellness für Mama (Brief einer Mama)

Liebe Judith,

vor kurzem hat mir eine Mama von Wellness erzählt und wie gut das für sie war. Ich mache heute auch Wellness, wenn auch nichts so, wie man sich das „normalerweise“ vorstellt. Heute gestehe ich mir ein, dass ich viele Bedürfnisse und Wünsche habe und an einem anderen Tag bin ich dann wieder die starke Mama.
Was wünsche ich mir von anderen und von mir selbst?
Das ist der Anfang einer Liste:
Ich wünsche mir, dass mich meine Leute unterstützen. (dazu frage ich meine Leute klar: Wann könnt ihr mir helfen?)
Ich will, dass mein Kind im Alltag mithilft.
Manchmal möchte ich Dinge nur in meinem eigenen Rhythmus tun, nicht langsamer und auch nicht schneller.
Heute brauche ich Unterstützung und ermunternde Worte, aber bitte keine Ratschläge.
Für unser Familienleben brauche ich eine spielerische Haltung (das Leben ist voller Möglichkeiten!), damit ich gespannt unseren Alltag erlebe und mich nicht in Erwartungen verliere (an mich oder an andere). Wünschen kann ich mir immer noch vieles!
In herausfordernden Situationen (also die, die jeden Tag vorkommen) brauche ich einen langen Atem (also atme ich lange aus oder beobachte meinen Atem).
Wow, ich atme gerade schnell. Der Rhythmus ist schnell. Ich beobachte ihn nur. Nach einer Weile wird der Rhythmus langsamer, nicht weil ich ihn verändere, nur weil ich ihn beobachte.
Manchmal fühle ich mich schon nach diesen Sekunden Wellness wieder ausgeglichener.
Wie ist es bei Dir, Judith? Hetzt Du noch durch den Tag (wie ich so oft) oder atmest Du schon?

Bis bald,

Deine Alexandra

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Hallo Alexandra,

Atmen ist schon ein tolles Werkzeug. Wenn ich mal wieder Achterbahn fahre, hilft mir diese Technik:
Ich spüre die Bewegung vom Zwerchfell, das kennst Du wahrscheinlich. Es ist der Atemmuskel überhaupt! Ich lege eine Hand auf den Oberbauch (geht natürlich auch ohne Hand) und atme in den Bauch ein. Dort bewegt sich das Zwerchfell nach unten, beim Ausatmen wandert es wieder hoch. Dabei lasse ich meinen Atemrhythmus so, wie er ist, denn wenn er langsamer sein muss, als er gerade ist, stresst mich das nur unnötig.
Einfach, kurz und doch nicht immer leicht zu tun! Ich übe das jeden Tag.

Alles Liebe,

Deine Judith

 
 

Mama unter Druck – Alle wollen etwas von mir (Brief einer Mama)

Alle wollen etwas von Judith, sogar sie selbst. Mama Judith steht zwischen den Stühlen: Kind, Partner, Job, Freunde, Selbstfürsorge… Am Abend schreibt die entmutigte Judith ihrer Freundin Alexandra, die auch Mama ist, einen Brief.

Liebe Alexandra,

ich könnte schreien!

Mein Sohn ist heute in sein Zimmer gerannt und war total wütend auf mich. Ich habe ihm versprochen, dass wir heute Nachmittag in die Kletterhalle fahren, aber ich habe mich nicht daran gehalten. Mein Chef hat mir eine Email gesendet mit dem Betreff „Dringend, am besten gestern erledigen.“ Dabei wollte ich nur am Vormittag im Home Office arbeiten und am Nachmittag mit Tim in die Kletterhalle fahren.
Alle wollen etwas von mir, auch ich. Überall lese ich, wie wichtig Selbstfürsorge ist: Mache Dich locker und entspanne, bewege Dich, so viel Du kannst; nehme Dir jeden Tag Zeit für Dich, schlafe genug und gestalte ein aufregendes Leben. Verbringe quality time mit Deiner Familie, bringe Abwechslung in Deine Partnerschaft, genieße Deinen Job, habe Spaß mit Freunden, leiste eine sozialen Beitrag…

Was ich auch mache, immer ist einer unzufrieden, andere oder ich selbst!

Denn, wenn ich eine Sache mache, ist irgend jemand unzufrieden, dass ich in dieser Zeit etwas anderes nicht mache.
Dabei weiß ich doch, wie wichtig es für alle ist, zufrieden zu sein. Aber es gelingt mir nicht. Alles ist jenseits von perfekt. Wenn Du Ideen hast, was ich ändern kann, schreibe mir. Danke Dir.
Bis bald,
Deine Judith
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Alexandra schreibt Judith einen Brief zurück.

Liebe Judith,

fühle Dich mal umarmt!

Das ist eine Menge Druck, den andere Dir machen. Wie viele andere Mamas, mich eingeschlossen, machst Du Dir auch selber Druck.
Das ganze Leben wird zu Aufgaben auf der to do Liste und steht wie ein unüberwindbarer Berg vor Dir, meinst Du das? Was Du auch tust, irgend etwas schaffst Du nicht und bist unzufrieden. Wenn Du selbst nicht unzufrieden bist, sind es andere. Das kenne ich sehr gut. Unsere eigenen Erwartungen und auch die anderer Menschen sind manchmal einfach sehr hoch. Enttäuschungen sind also zu erwarten. Wenn ich 3 Tage Nudeln in Folge anbiete, erfülle ich nicht die Erwartung an eine abwechslungsreiche Küche (allerdings ist gesund kochen Ansichtssache und sehr individuell). Wenn mir nicht nach Paarzeit ist, obwohl ich weiß, wie wichtig es ist, Partnerschaft zu leben, erfülle ich die „Aufgabe“ Partnerschaft zu pflegen“ nicht.

Gegen diese Unzufriedenheit anzukämpfen hilft nicht, denn sie ist schon da, bei anderen oder bei uns Mamas.

Spontane Gedanken dazu sind: Die Email sollte nicht heute kommen, da Judith Tim den Ausflug in der Kletterhalle versprochen hat. Tim sollte nicht so unzufrieden sein, denn Judith holt den Ausflug nach. Deine Situation könnte Dich auch zu den Gedanken einladen: Das ist die Gelegenheit, meinem Chef klar zu sagen, dass ich mich Morgen um die Arbeit kümmere. Tim kann erfahren, dass Unzufriedenheit ein Teil des Lebens ist und wir den Auflug ein anderes Mal machen. Ich kann lernen, Prioritäten zu setzen (es gibt hier keine „richtige“ Antwort). Unzufrieden sein bedeutet, herauszufinden, was Dich und Deine Lieben zufrieden macht. Tims Unzufriedenheit kannst Du nachempfinden, weil Du selbst die Erfahrung gemacht hast, wie es ist, unzufrieden zu sein. Es kann euch also näher zusammen bringen. Die Unzufriedenheit kann ein Stachel sein, etwas zu ändern – einen Glaubenssatz (in der Arbeit muss ich geben, was ich kann; ich muss mein Kind glücklich machen usw.)
Um nicht in der Unzufriedenheit fest zu stecken, kannst Du Dich fragen: In welchem Moment war ich heute zufrieden?
Wenn Du die Unzufriendheit erlebst und danach Dein Gefühl durch einen anderen Gedanken änderst, gewinnst Du hoffentlich auch eine neue Perspektive zu handeln.
Ciao,
Deine Alexandra
 
 

Der Mensch Mama (7. Brief an die Tochter)

Mama Alexandra schreibt ihrer Tochter Mira (5 Jahre) einen Brief, dieses Mal darüber, wie sie als perfekt unperfekter Mensch ihre Rolle als Mama erfüllt.
Wenn Mira die Liebe zum Lesen entdeckt, wird Alexandra ihr den Brief geben.
Wer bei den Kindern zu Hause bleibt, ist eine Glucke. Wer am Abend ausgeht ist eine Rabenmama. Sich einmal zu viel um seine Kinder gesorgt, willkommen im Club der Helikopter Mamas. Auf einem Arm ein Baby, auf dem anderen Arm ein Tatoo, schon ist Mama cool. Wenn ich als Mama alleine aufräume, welche Mama bin ich dann? Die Aufopferungsvolle? Die Fluchende? Oder ich räume nicht auf, bin ich dann die chaotische Mama? Oder die, die Grenzen setzen kann? Mensch Mama, entdecke die Möglichkeiten!
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Liebe Mira,
heute möchte ich Dir schreiben, was mir als Mama wichtig ist, wenn ich Dich als Tochter begleite. Nicht, dass es mir immer gelingt, aber ich wünsche mir, dass Du weißt, was mir wichtig ist.
Manchmal bin ich müde, dabei will ich Dich doch munter und aufmerksam begleiten.
Manchmal habe ich weder Zeit noch Lust zu spielen, dabei will ich mich doch mit Dir freuen und mit Dir spielen.
Hin und wieder bin ich ernster als ich sein möchte. Dabei mag ich auch Spaß mit Dir und lache gerne mit Dir.
Manchmal lasse ich Dir zu wenig Freiraum und gebe zu viel Struktur (jetzt gehen wir in den Kindergarten, später fahren wir zu Opa…). Es ist mir aber auch wichtig, Dir Freiraum und viel ungeplante Zeit zu lassen, damit Du Deine Talente und Interessen selbst entdecken kannst.
Es gibt Momente, da kann ich mich nicht in Dich einfühlen wie ich gerne möchte. Dennoch will ich Deine Welt kennen lernen und erfahren, was Du magst und was Du nicht magst.
Es ist mir sehr wichtig, Dir immer wieder zu zeigen, wie sehr ich Dich mag, wenn ich Dir zuschaue, Dir zuhöre, wenn ich fühle, was Du fühlst oder wenn ich Dich umarme.
Manchmal mag ich auch Dinge tun, die mit Familie nichts zu tun haben, denn so, wie Du nicht nur Tochter bist, bin ich nicht nur Mama. Manchmal bin ich einfach ein Mensch, der draußen Kopfstand machen oder ohne zu sprechen fotografieren will.
Ich bin ein Mensch in Deinem Leben, den Du beobachtest, den Du nachahmst, weil Du es genauso machen möchtest oder eben nicht nachahmst, weil Du es anders machen möchtest. Ich bin sehr gespannt, immer wieder neu zu erleben, was Dir am Herzen liegt.
In Liebe,
Mama

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Warum Eltern drohen, ohne es zu wollen (1. Brief an die Tochter)

Miteinander reden und Leben lernen (2. Brief an die Tochter)

Nein! Widerstand leisten ist zweckvoll (3. Brief an die Tochter)

Es tut nicht weh und wenn doch? (4. Brief an die Tochter)

Das Schweigen der Mama (5.Brief an die Tochter)

Ich will keine Veränderung! (6. Brief an die Tochter)

Warum Mama nicht bei Oma wohnt (Familiengeschichte 1)

 

Ich will keine Veränderung! (6. Brief an die Tochter)

Mama Alexandra schreibt ihrer Tochter Mira (5 Jahre) wieder einen Brief, dieses Mal über Veränderungen im Leben, die uns Angst machen, aber auch neugierig machen können.
Wenn Mira die Lust zum Lesen entdeckt, wird Alexandra ihr die Briefe geben.
Liebe Mira,
Du verstehst nicht, warum eine Deiner Freundinnen im Kindergarten bleiben will und nicht in die Schule gehen will, denn Du selbst bist schon so neugierig! Was Deine Freundin kennt, ist ihr vertraut und sie fühlt Dich wohl damit. Sie will es nicht verlieren. Wer weiß, ob es in der Schule auch so ist, wie im Kindergarten, ob man dort auch so schön spielen und lernen kann? Ob sie dort neue Freunde findet? Irgendwann wird es Deiner Freundin langweilig im Kindergarten werden, aber jetzt ist ihr der Kindergarten bekannt und vertraut. „Vielleicht ist es in der Schule total blöd“ hat sie Dir erzählt.
Veränderung und neue Orte machen auch mir Angst, Mira. Angst, dass ich mich an dem neuen Ort unsicher fühle oder dass ich von anderen Menschen enttäuscht werde.
Dann hilft es mir, wie bei einer Reise einen Schritt nach dem anderen zu gehen.
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Alles auf einmal ist viel zu viel, da verliere ich den Mut. Schritt für Schritt, ganz genau so, wie Du Laufen gelernt hast. Zuerst hast Du Dich hochgezogen, irgendwann bist Du an den Möbeln entlanggelaufen und irgendwann losgelaufen. Dazwischen bist Du umgefallen, aber Du bist immer wieder aufgestanden und wolltest laufen. Deine Freundin hat es doch auch geschafft, obwohl Laufen auch für sie ganz neu war!
Ich wünsche Dir Kraft und Mut für alles, was sich in Deinem Leben ändert, dass Dich Deine Neugierde an verschiedene Orte bringt, und dass Du gespannt bist auf neue Menschen!
In Liebe,
Mama
 

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Warum Eltern drohen, ohne es zu wollen (1. Brief an die Tochter)

Miteinander reden und Leben lernen (2. Brief an die Tochter)

Nein! Widerstand leisten ist zweckvoll (3. Brief an die Tochter)

Es tut nicht weh und wenn doch? (4. Brief an die Tochter)

Das Schweigen der Mama (5.Brief an die Tochter)

Warum Mama nicht bei Oma wohnt (Familiengeschichte 1)

 

Das Schweigen der Mama (5. Brief an die Tochter)

Mama Alexandra schreibt ihrer Tochter Mira (5 Jahre) wieder einen Brief, dieses Mal über Mamas, die schweigen. Schweigen bedeutet nicht zu wissen, was man sagen soll oder etwas nicht sagen wollen.
Wenn Mira die Lust zum Lesen entdeckt, wird Alexandra ihr die Briefe geben.

Liebe Mira,

als Du die Schuhe mit Erde ins Wohnzimmer gestellt hast, habe ich zunächst geschwiegen, denn ich hatte Dir gerade gesagt, dass Du die Schuhe bitte auf dem Balkon lassen sollst, damit sich die Erde nicht überall in der Wohnung verteilt.
Ich war traurig und verärgert, weil Du mir nicht zuhörst oder eben das machst, was Du willst und nicht das, was ich will.
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Mein Schweigen hat Dir nicht gefallen, Mira. Du wolltest plötzlich wieder die Wände anmalen, wobei Du das schon lange nicht mehr tust und Du wolltest, dass ich etwas sage!
Da fiel mir ein, wie es war, als Oma, also meine Mama, geschwiegen hat und dass mir das als Kind Angst gemacht hat. Wenn jemand in einer Unterhaltung schweigt, weiß er nichts dazu oder er will nichts dazu sagen. Als Oma nichts sagen wollte, habe ich mich mies gefühlt. Ich wusste nicht, was es bedeutet. Stell Dir vor, heute habe ich selbst geschwiegen, obwohl ich weiß, wie ätzend das ist! Entschuldige Mira!
Manchmal schweigst auch Du Mira, wenn Du etwas nicht weißt oder wenn Du nicht reden willst.
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Wenn wir uns lange anschweigen, werden wir uns fremder und davor habe ich Angst.
Was ist denn eigentlich passiert? Bin ich verärgert, verletzt oder weiß ich gerade nicht weiter?

Wenn ich Dir das nicht sage, mache ich vielleicht später aus einer Mücke einen Elefanten (eine kleine Sache regt mich sehr auf), und Du bist überrascht, weil mich irgendeine Kleinigkeiten so aufregt. Du siehst, es hat nichts mit Dir zu tun, aber mit mir!

Wenn ich mal wieder schweige, bin ich gerade nicht mutig genug, Dir zu zeigen, was in mir vorgeht oder ich will nicht zugeben, dass ich gerade nicht weiter weiß. Ich arbeite daran, mutig genug zu sein.

In Liebe,
Mama
 

Es tut nicht weh, und wenn doch? (4. Brief an die Tochter)

Mama Alexandra schreibt ihrer Tochter Mira einen Brief über Kinder, die Schmerzen haben und gesagt bekommen, dass es doch gar nicht weh tut.
In ihrem vierten Brief an Mira erzählt Alexandra, wie Mira im Krankenhaus an der Zehe punktiert wird, und der Arzt behauptet, dass es nicht weh tut.
Wenn Mira (5 Jahre) die Liebe zum Lesen entdeckt, wird Alexandra ihr die Briefe, die sie schon jetzt schreibt, geben.
Liebe Mira,
Schmerz wird von verschiedenen Menschen ganz unterschiedlich erlebt. Weißt Du noch, als Susi hinfiel und schrie oder als Tami hinfiel, ohne zu weinen? Wenn Du das beobachtest, kannst Du nicht genau wissen, wie stark es dem anderen gerade weh tut. Du siehst aber das Gesicht des anderen und das verrät Dir, wie es ihm geht. Oder seine Stimme sagt Dir, wie sich der andere fühlt.
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Als Du Dich verletzt hast und beim Arzt warst

Vor kurzem hast Du Dich verletzt. Beim Spielen fiel Dir eine Platte auf den Zehennagel, Dein Zehennagel wurde blau und der Zeh ganz dick. Aua! Unter Deinem Nagel entstand viel Druck, weil sich das Blut dort sammelte und fest wurde. Du warst verwirrt und hattest Angst. Der Arzt, der in den Zehennagel gepickst hat, damit der Druck aufhört, meinte „es tut nicht weh.“ Seine Idee war, Dich zu beruhigen und Dir die Angst zu nehmen. Oder er konnte es nicht mehr ertragen, dass viele Kinder weinen und wollte seine Ruhe. Ärzte erleben oft, dass andere Schmerzen haben. Das kann schwer sein. Tatsache war, es tat weh und es verwirrte Dich, dass der Arzt behauptet, dass es nicht weh tut.
„Es tut gerade weh und das ist doof“ habe ich gesagt. Ich war auch sauer, dass Dir jemand sagt, was Dir weh tut oder nicht. Wie soll er das denn wissen?
Es hat Dir jedenfalls nicht geholfen zu sagen, dass es nicht weh tut. Es stimmte nicht. Nachdem Du erst einmal verwirrt warst, dass es nicht weh tun soll, obwohl es weh tut, warst Du verärgert: Du lügst! haben Deine Augen gesagt. Warum soll ich so tun, als ob es nicht weh tut?
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Was brauchst Du, wenn Du Schmerzen hast?

  • Brauchst Du jemanden, der einfach da ist? Jemanden, der Deinen Schmerz sieht und Deine ängstlichen Augen?
  • Du willst dennoch nicht hilflos da liegen? Dann atme mit dem Schmerz und mit der Angst lange aus; drücke meine Hand, so fest Du kannst…Du fühlst Dich auf dieser Krankenhausliege schon hilflos genug, obwohl Du nicht hilflos bist.
  • Brauchst Du Trost? Manchmal stößt Du mich sogar weg, wenn ich Dich trösten will, ganz so, als wolltest Du sagen „ist schon gut, ich komme klar.“

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Vielleicht brauchst Du manchmal auch etwas, was ich nicht geschrieben habe. Jeder Mensch und jede Situation ist anders. Wer gerade Schmerzen erlebt, braucht Menschen, die diese Schmerzen sehen. Ich weiß nicht immer, was Du brauchst. Ich mache Fehler, will Dich trösten, obwohl Du es gar nicht brauchst. Aber ich lerne auch dabei, zu sehen, was Du brauchst. Ob und wie Du Dir Hilfe holst, entscheidest Du, denn manchmal hast Du Schmerzen, aber wenn Du lernst, was Du brauchst, kannst Du etwas tun!
In Liebe,
Mama
 

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Warum Eltern drohen, ohne es zu wollen (1. Brief an die Tochter)

Miteinander reden und Leben lernen (2. Brief an die Tochter)

Nein! Widerstand leisten ist zweckvoll (3. Brief an die Tochter)

Warum Mama nicht bei Oma wohnt (Familiengeschichte 1)

 

Nein! Widerstand leisten ist zweckvoll (3. Brief an die Tochter)

Mama Alexandra schreibt ihrer Tochter Mira einen Brief über Kinder, die Nein sagen und Widerstand leisten. Kinder wollen manchmal etwas anderes als Eltern.
In diesem dritten Brief spricht Alexandra über den Widerstand von Mira, über ihren eigenen Widerstand, und über die Herausforderung, Mira zu führen. Wie kann Alexandra Mira trotz Widerstand führen?
Wenn Mira (5 Jahre) die Liebe zum Lesen entdeckt, wird Alexandra ihr den Brief, den sie schon heute schreibt, geben.
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Liebe Mira,
„Nein“ hast Du heute Morgen zu mir gesagt. Du wolltest Dich weder waschen noch anziehen, Du wolltest spielen! Ich habe gesagt: „Ziehe Dich bitte an, damit wir in den Kindergarten gehen können.“
Ich als Mama muss/ darf/ will

  • pünktlich sein
  • arbeiten

Du als Tochter willst

  • spielen, also lernen und zwar
  • JETZT!

Ich war sauer, weil Du Dich in Dein Kinderzimmer gesetzt hast und nichts gemacht hast. Du warst sauer, weil ich etwas von Dir wollte, was Du jetzt gar nicht wolltest.
So geht es mir manchmal und Dir auch. Was Du willst, will ich nicht und umgekehrt. Das haben wir gemeinsam!

Wie kann ich Dich als Mama führen, wenn Du nicht geführt werden willst?

Nachdem wir, später als ich wollte, und früher als Du wolltest, im Kindergarten waren, habe ich ein Rollenspiel im Kindergarten beobachtet. „Hiergeblieben, ich verhafte Dich“, sagte der Polizist Tim zum Räuber Ben. Ben grinste und lief weg, Tim verfolgte Ben und hatte Spaß, weil Tim nicht hier bleiben wollte und sich jagen lassen wollte.
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Bevor ich Dich führe, brauchst Du vielleicht etwas ganz anderes von mir?

  • Ein Spiel? Wir spielen, wer was will. Wir spielen nicht, Du machst, was ich Dir sage. Du bist mir wichtig, und ich bin Dir wichtig, deswegen will ich wissen, was Du willst und Du willst wissen, was ich will.
  • Ich will mir Deine Wünsche und Ideen anhören, habe aber am Morgen nicht so viel Ruhe zum Zuhören. Kannst Du es mir heute Nachmittag/ Abend erzählen?
  • Ich lasse Dich 5-10 Minuten mit Deinen Stofftieren spielen (dabei warst Du gerade), und danach gehst Du in das Bad zum Waschen.

Was mache ich, wenn Du dann immer noch nicht bereit bist? Warum hilfst Du nicht mit?

Du möchtest mitteilen, was Dir wichtig ist. Gestern hast Du schon so viel gemacht, was andere wollten, (ich vergesse das manchmal) und jetzt möchtest Du endlich tun können, was Du willst. Du übst für den Tag, an dem Du Dein eigener Chef bist.
Jetzt leben wir noch in einer Familie. Irgendwann hast Du Dein eigenes Leben. Du hast eine Meinung, Papa hat eine Meinung, und ich habe eine Meinung. Deswegen geht es manchmal nach Deinem Kopf, manchmal nach Papas, manchmal nach meinem und manchmal nach keinem unserer Köpfe.
Wenn wir also mal wieder eine dieser Situationen erleben, in denen keiner von uns will, was der andere will, frage ich mich:

  1. Was willst Du? Was will ich?
  2. Wie kann ich Dich führen? (mit dem Ziel, dass Du Dich eines Tages ganz selbst führst)

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Manchmal tröstet es Dich schon, wenn ich sehe, dass Du gerade nicht willst, was ich will. Wenn Du immer wieder Gelegenheiten hast, in denen Du frei spielen kannst, so wie Du willst, lässt Du Dich auch wieder von mir führen.
An manchen Tagen wird das gelingen und an manchen Tagen werde ich mir wünschen, dass es gelingt. Dann brauche ich Deine und meine Geduld.
In Liebe,
Mama
 

Willst Du mehr von Mira und Alexandra erfahren?

Warum Eltern drohen, ohne es zu wollen (1. Brief an die Tochter)

Miteinander reden und Leben lernen (2. Brief an die Tochter)

Warum Mama nicht bei Oma wohnt (Familiengeschichte 1)

 
 

Warum Eltern drohen, ohne es zu wollen (1. Brief an die Tochter)

Wenn Du unsere erste Familiengeschichte gelesen hast, kennst Du schon Mira, die fünfjährige Tochter unserer erfundenen Familie. Heute beginne ich mit den Briefen von Miras Mama Alexandra an ihre Tochter.
Im ersten Brief spricht Alexandra über Eltern, die drohen. Wir Eltern drohen Kindern, weil wir wollen, dass sie etwas tun, was wir selbst wollen, die Kinder aber nicht.
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Liebe Mira,

auf dem Sportplatz war heute ein Papa, der mit seinem Sohn geschimpft und ihm gedroht hat. Warum ich Dir das erzähle? Ich als Mama oder vielleicht auch andere Mamas oder Papas beobachten das auch an sich selbst…

Was Papa gesagt hat

Papa und Sohn spielten zusammen Fußball. Ich nenne den Papa Christian und den Sohn Max. Christian sagte Sachen, wie „Du musst schneller reagieren.“ „Nimm‘ den Ball anders, so funktioniert es nie.“ „Wenn Du keine Lust zum Fußball spielen hast, melde ich Dich im Verein ab.“

Was Christians und Max‘ Körper gesagt haben

Als ich dem Sohn Max in die Augen geschaut habe, schauten die nach unten und seine Schultern hingen Richtung Erde, er sah traurig aus. Christians Augen verengten sich, vielleicht grummelte auch sein Bauch. Christian war wütend, aber vielleicht war er auch noch traurig und vielleicht hatte er sogar Angst. Denn er wollte Max etwas zeigen, aber so funktionierte es nicht. Es entmutigte den Sohn und Max fühlte sich eher schwach als stark (zumindest sprach sein Körper so). Christian fühlte sich müde, auch wenn er es vielleicht nicht zugeben wollte oder bemerkte. Der Papa ließ den Oberkörper immer wieder nach vorne hängen. Was Christian auch versuchte, Max konnte nicht so spielen, wie es sich Papa vorstellte…
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Du Mira warst auf der Schaukel und riefst voller Begeisterung „höher“ und „Yippie.“ Der Papa schaute zu Dir rüber und wurde leiser. Plötzlich änderte sich seine Stimmung. Er hörte auf, zu schimpfen und sagte zu seinem Sohn: „So macht es Spaß.“ Die Augen seines Sohnes weiteten sich wieder und schauten nach vorne, das Spiel war wieder mehr ein Spiel als eine Predigt. Zuerst fand ich die Situation traurig, denn manchmal drohe auch ich, wenn…

  • ich keine Ideen mehr habe.
  • mir etwas wichtig ist.
  • ich etwas will, Du aber etwas anderes.
  • das, was ich sehr wichtig finde, Dir so gar nicht wichtig ist. Das macht mir Angst.

Als ich erlebt habe, wie Du Papa Christian mit Deiner Begeisterung ansteckst, habe ich mich wieder leichter gefühlt.
Ich weiß nicht, ob der Sohn gerne Fußball spielt oder nur seinem Vater zuliebe, damit Christian Max Aufmerksamkeit schenkt.
Was ich weiß ist, dass der Vater etwas über sich erzählt hat. Er hat gezeigt, dass es Freude macht, mit dem Sohn zu spielen, ohne zu bewerten, wie gut oder schlecht der Sohn in seinen! Augen spielt. Er hat ihm nur gesagt, dass es so, wie es ist, Spaß macht. Dadurch lief das Spiel anders.
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Warum erwartet Christian etwas von Max? Was meinst Du?

  • Christian ist gern Lehrer und möchte anderen etwas lernen.
  • Er will Max fordern, damit aus ihm ein Kämpfer im Leben wird.
  • Papa will es perfekt machen, das will er auch von Max!
  • Oder der Papa von Christian, also der Opa von Max hat auch viel von ihm erwartet. Christian macht es jetzt genau so.

Hast Du eine andere Idee, Mira?

Warum Max wohl traurig scheint?

  • Er mag es nicht, wenn Papa seinetwegen enttäuscht ist.
  • Er hat viele Freunde im Verein, die er nicht verlieren mag.
  • Irgendwie will er schon Fußball spielen, aber heute klappt es einfach nicht…

Was meinst Du, Mira? Fällt Dir noch etwas ganz anderes ein?
Als Mama erwarte ich auch so manches und manchmal merke ich nicht, dass ich etwas von Dir oder von Papa erwarte! Dann fange ich an zu drohen, weil ich Angst habe, dass etwas passiert, was ich nicht will oder Angst, dass etwas nicht passiert, was ich mir wünsche. Verzeih‘ mir bitte.

In Liebe,

Mama

Warum Mama nicht bei Oma wohnt (Familiengeschichte 1)

Heute wird es spannend, denn euch erwartet eine Neuigkeit, unsere erste Familiengeschichte.
In unseren fiktiven Familiengeschichten erzählen euch abwechselnd Tochter Mira (5 Jahre), Mama Alexandra und Papa Michael kleine Geschichten aus ihrer ziemlich normalen Familie.
Wir hoffen ihr könnt ihre Geschichten auch gut als Vorlesegeschichten verwenden.

Nun viel Spaß bei unserer ersten Familiengeschichte! Mira, du hast das Wort 🙂

Hallo, ich bin Mira und schon 5 Jahre alt. Ich liebe alle Farben und ich liebe Hunde. Leider habe ich noch keinen echten Hund, nur Wüsti, meinen Langohr-Kuschel-Spaniel.
Ein Spaniel ist übrigens ein besonderer Hund. Hat ganz lange Ohren.
Zum Geburtstag wünsche ich mir einen echten Hund wie Wüsti. Wenn ich 6 werde.
Aber Papa sagt, wir müssen zuerst umziehen. Vor dem Hund.
Ich finde das blöd. Der Hund kann doch auch umziehen, oder nicht? Ein Hund kann doch laufen. Alle Hunde, die ich kenne, können laufen. Sogar ganz Kleine. Und Autofahren können Hunde auch. Das habe ich bei Isa gesehen. Sie ist eine richtig große Hündin. Und die fährt immer bei der Nachbarin im Auto mit. Im Kofferraum nämlich. Jeden Tag!
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Das mit dem Umziehen ist sowieso bisschen komisch. Mama hat erzählt, sie ist aus der Wohnung von Oma und Opa ausgezogen, als sie groß war.
Das habe ich nicht verstanden. Warum ist sie überhaupt ausgezogen?
„Hatten dich Oma und Opa nicht mehr lieb?“, habe ich gefragt.
Da hat Mama geguckt: „Wie kommst du denn darauf?“
„Warum bist du dann ausgezogen?“, habe ich gefragt.
Und Mama hat gesagt, dass sie selbst ausziehen WOLLTE!
„Ich werde nicht selbst ausziehen“, habe ich da gesagt. Warum sollte ich ausziehen? Dann fiel mir ein, dass es vielleicht umgekehrt war.
„Hattest du denn Oma und Opa nicht mehr lieb?“, habe ich gefragt.
„Aber doch, natürlich, mein Schatz, ich hatte sie schon lieb, aber ich wollte eine eigene Wohnung.“
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„Warum wolltest du eine eigene Wohnung, Mama?“, habe ich gefragt.
Und da hat Mama dann das gesagt, was sie öfter mal sagt. Nämlich dass ich oft Fragen stelle, über die sie erst mal nachdenken muss.
Und dann hat sie mir einen Kuss auf die Stirn gegeben und gesagt, dass wir uns anziehen müssen. Für den Kindergarten. Dabei war sie schon angezogen! Eltern sind manchmal echt komisch.
Ich habe auch mit meiner besten Freundin Lisa gesprochen. Über das Ausziehen nämlich. Sie will das auch nicht.
„Ich hab meine Eltern doch lieb“, hat sie auch gesagt.
„Ja genau“, habe ich gesagt. „Und warum eine eigene Wohnung, unsere ist doch groß genug für uns alle.“
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„Oder vielleicht weil die Betten dann größer sein müssen, wenn wir groß sind?“
„Neee“, hat da Lisa gesagt, den Kopf geschüttet und musste total lachen.
Und ich musste auch total lachen.
Am Abend habe ich dann Mama noch mal gefragt. Das ist so bei mir. Ich frage immer wieder, bis ich etwas verstehe. Und wenn ich es nicht verstanden habe, frage ich nochmal. Und immer so weiter.
Mama hat kurz zum Fenster hinausgeschaut, wo wir ein Stück vom Mond sehen konnten.
„Weißt du Mira“, hat sie dann gesagt, „du wolltest doch auch unbedingt selbst Fahrrad fahren lernen im Sommer, stimmts?“
„Ja.“
„Und du willst doch auch mal allein bei Lisa übernachten, oder? Und da sollen wir doch auch nicht dabei sein?“
„Ja, genau, wann darf ich? Ich will schon so laaaange.“
„Ja, du darfst ja auch bald, aber so war es bei mir auch mit dem Ausziehen bei Oma und Opa. Ich wollte selbst eine Wohnung haben und selbst Geld verdienen. Verstehst du das? So wie du selbst und allein Fahrrad fahren wolltest, ohne dass Papa oder ich den Lenker halten.
Da habe ich es verstanden.
„Ach so“, habe ich gesagt. „Das ist ja ganz einfach! Warum musstest du darüber so lange nachdenken, Mama?“
Da musste Mama lachen und hat mir einen „Gute-Nacht-Kuss“ gegeben.
„Schlaf gut, Mira! Papa kommt auch gleich noch.“
„Schlaf gut, Mama!“
Und dann kam noch Papa und hat auch Gute Nacht gesagt.
Das war dann heute.
Das war unsere erste Familiengeschichte. Wie hat sie euch gefallen?
Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr uns eure Meinung sagt.
Liebe Grüße
Andi