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Eltern-Kind-Kommunikation aus Kinderperspektive

Alexandra, die Mama unserer fiktiven Familie, tritt heute in die Fußstapfen ihrer Tochter Mira und betrachtet eine Kommunikation mit Mira aus Kinderperspektive.
Heute Morgen spielte Mira. Plötzlich rief Mama: „Bitte mach Dich fertig“, sagte sie. Es hörte sich so dumpf an, während Mira ihr Spiel noch nicht beendet hatte. „Das nervt mich“, sagte Mama, wir müssen gehen und Du hilfst nicht mit, fertig zu werden. Mira hörte verschwommen Mamas Worte aber vor allem hörte sie den Ärger von Mama und war verwirrt. Mama redet so viel und ich spiele. Ich bin gerade mitten drin und sie redet und redet…
In Miras Fußstapfen zu treten bedeutet, sich die Welt, in der Mira gerade spielt, vorzustellen.
Alexandra fragt sich:
In welcher Stimmung ist sie?
Was will sie?
Auch wenn es keine Garantie für die richtige Antwort gibt, was Mira tatsächlich erlebt, ist es eine Annäherung. Alexandra schlüpft in Miras Rolle.
Mira hört, dass Mama spricht, aber es ist so weit weg. Mama sieht so verärgert aus. Ich will eigentlich nur spielen und niemanden ärgern. Ich weiß, ich soll mich am Morgen fertig machen. Aber in dieser Spiel Welt, in der Zeit keine Rolle spielt, fühle ich mich frei und brauche kurz, um in die Welt zu reisen, in der Mamas Stimme lauter wird. Ich bleibe lieber noch kurz in meiner Welt, weil ich nicht will, dass wir uns gegenseitig anschnauzen, nur weil jeder von uns etwas anderes will! Besser mache ich meine Ohren zu…
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Mein Kind in seiner Welt treffen

Dort spielt mein Kind in einer anderen Zeit und Raum Zone. Wie kann ich es dort abholen?
Alexandra könnte Mira an IHREM Platz treffen und ihr sagen, was sie sieht, wieviel Freude Mira beim Spielen hat. Alexandra bittet Mira, fertig zu spielen und am Nachmittag/ Wochenende… weiter zu machen.
Jetzt bereiten sich alle in der Familie für den Tag vor: im Kindergarten spielen und arbeiten, zuhause und im Büro arbeiten.

Die Bedürfnisse unserer Kinder

Von Kindern wird oft erwartet, dass sie „brav“ sind und folgen. Als Folge bauen sie Widerstand auf, weil sie auch Bedürfnisse nach Autonomie und Freiheit haben. Manchmal haben sie sogar unterschiedliche Bedürfnisse (unabhängig und verbunden sein: Kleidung selbst aussuchen und sich Socken anziehen lassen). Verhalten sie sich so gegenüber Eltern, weil sie das Gegenteil wollen? Vielleicht haben sie einfach einen eigenen Plan und Bedürfnisse, die nicht unbedingt mit denen der Eltern übereinstimmen.
Wenn Alexandra Mira aufmerksam beobachtet, sieht sie vielleicht enge Augen oder erschrockene Augen und Hände auf den Ohren, um sich zu schützen oder abwesende Augen, wenn Alexandra sagt, dass sie gehen müssen…

Was braucht Mira?

  • Jemanden, der ihr ihre Stimmung „sieht“
  • Aufmerksamkeit
  • Zusammen spielen
  • Eigene Spielzeit und Freiheit
  • Jemand, der ihren Frust sieht, dass sie jetzt zum Spielen aufhören soll
  • Eine Umarmung

Ich kann meinem Kind doch nicht sofort jedes Bedürfnis erfüllen! Es muss doch mit der Tatsache klar kommen, dass das Leben auch frustrierend ist. Es will jetzt spielen, soll sich aber fertig machen.
„Züchten“ wir uns damit nicht einen lebensunstauglichen Tyrannen statt ein Kind? Oder aber wir lernen voneinander, dass wir alle Wesen sind, die Bedürfnisse haben (ob wir das wollen oder nicht) und finden Wege in der Familie, diese zu erfüllen, manchmal sofort und manchmal später.
 
Mehr zur Kommunikation zwischen Alexandra und Mira:
Mama, was willst Du? (Eltern-Kind-Kommunikation)
Zeit und Timing in der Kommunikation zwischen Eltern und Kindern
4 (un)überwindbare Hürden in der Eltern-Kind-Kommunikation
 

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4 (un)überwindbare Hürden in der Eltern-Kind-Kommunikation

Alexandra, die Mama unserer fiktiven Familie, macht heute eine Bestandsaufnahme ihrer Kommunikation in der Familie:
Heute Morgen lief das Gespräch mit ihrer Tochter Mira anders als gewünscht. Sie war in Eile und ihre Tochter spielte und spielte, ohne sich anzuziehen. „Bitte mach Dich fertig“, sagte Alexandra ungeduldig. Aber Mira schaute sie nicht an und spielte weiter. „Das nervt mich“, sagte Alexandra, wir müssen gehen und Du hilfst nicht mit, fertig zu werden. Ihre Stimme klang verärgert und ihre Botschaft war: „Was Du tust, ist falsch, Mira“. Natürlich wollte Alexandra ihren Ärger in den Griff kriegen, aber statttdessen beschwerte sie sich. All das half gar nicht, die Situation so zu verändern, dass sich Mira beeilte. Tatsächlich baute Mira noch mehr Widerstand auf.
Alexandra wünscht sich, dass es anders läuft. Was hat sie denn dazu gebracht, das Gespräch so zu führen?

Die Hürden in der Eltern-Kind-Kommunikation

Aus Alexandras Sicht haben ihre Gespräche manchmal 4 Dinge gemeinsam:

  1. Sie reagiert gereizt oder enttäuscht.
  2. Was ihre Tochter gerade tut und fühlt, geht unter.
  3. Mira wird nicht dort „abgeholt“, wo sie gerade ist. (konzentriert bei einer Sache, verschlafen am Morgen, mitten im Spiel, unruhig, müde…)
  4. Alexandra hat „keine Zeit“ und erwartet eine schnelle Antwort oder Reaktion von Mira, die in einer spielerischen Kinderwelt ist.

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Die Eltern-Kind-Kommunikation aus Eltern Perspektive

Bevor Alexandra in die Fußstapfen von Mira tritt, zieht sie sich ihre eigenen Schuhe an. Alexandra ärgert sich, dass sie sich ärgert. Verärgert zu sein ist etwas, was sie gerne verneint. Warum? Vielleicht hat sie Ärger als etwas „gefährliches“ (andere mögen mich dann nicht) oder „unproduktives“ (das bringt nichts) abgespeichert. Es passt nicht zum Bild der entspannten, kreativen und unterstützenden Mama.
Aber warum? Haben wir nicht alle verschiedene „Gesichter“ und manche davon können wir leichter „verdauen“? Wie kann Alexandra auf ihren Ärger reagieren? Bevor sie etwas tut oder sagt, merkt sie, dass sie am liebsten davon laufen würde!
Sie fragt sich selber: „Warum kannst Du nicht entspannter sein? Ist es so eine große Sache, dass Mira mit dem Anziehen später fertig wird und Du riskierst, später zur Arbeit zu kommen?“
Aber anstelle sich in Gedanken zu verlieren, könnte sie einfach nur ihre Gedanken vorbeiziehen lassen und den schnellen Herzschlag spüren, die Ungeduld, die sie weder bekämpfen noch vor ihr fliehen muss. Sie beobachtet, wie sie schnell atmet und wie der Atem langsamer wird. Aber ist dafür wirklich Zeit? Sie muss gehen, und Mira muss sich anziehen!
Angenommen, sie wird mit der Zeit schneller, genauer hinzuschauen (was in ihr UND Mira vorgeht), hat sie dann nicht mehr Freiheit zu entscheiden, was sie tut oder sagt?
Wenn sie feststellt, dass das sogar schneller ist als die scheinbar schnelle Lösung, könnte sie „mehr Zeit“ dafür verwenden, oder? Tatsächlich fühlt sich die Zeit in der Situation vielleicht nur langsamer an, als sie tatsächlich ist! Zumindest ich wollte schon oft ein „schnelles“ Gespräch führen oder schnell zum Ergebnis kommen, und genau das Gegenteil ist passiert.
Wir ärgern uns alle und reagieren oft automatisch in Gesprächen. Wie frei es doch wäre, bewusst zu wählen, was wir tun oder sagen!
Im nächsten Beitrag treten wir in die Fußstapfen von Mira…

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Zeit und Timing in der Kommunikation zwischen Eltern und Kindern

Unsere fiktive Familie mit Mama Alexandra, Papa Michael und ihrer Tochter Mira hat festgestellt, dass Zeitdauer und Zeitpunkt in einer Kommunikation wirklich wichtig sind, damit ein Gespräch „erfolgreich“ ist.
Wie wirken sich „time“ und „timing“ in einer Kommunikation aus?

Die Zeitdauer in der Eltern-Kind-Kommunikation

„Aber jetzt habe ich keine Zeit“, sagt Mama Alexandra zu ihrer Tochter Mira.
Klar, heute hat keiner Zeit, Zeit ist immer zu wenig. Aber erinnerst Du Dich an das letzte Mal, als Du ein Gespräch begonnen hast, nur kurz etwas sagen wolltest und genau das Gegenteil ist passiert? Wenn ein Gespräch nur darauf abzielt, kurz und gewinnbringend zu sein, aber zu vielen Missverständnissen führt, hat keiner Zeit „gespart.“
Können wir ein bisschen mehr Zeit investieren, so dass diese Gespräche eine Chance haben, ergebnisreich zu sein? Manchmal brauchen Gespräche auch eine „Aufwärmphase“, um sich aufeinander einzustellen. Wenn ich meine Tochter aus dem Kindergarten abhole und nur einen Fragenkatalog abarbeite, kann ich sicher sein, dass sie mir nicht oder nur kurz darauf antwortet. Ich war einfach zu schnell und habe die Aufwärmphase übersprungen. Wenn ich mich auf sie einstelle und mit ihr Zeit verbringe, erzählt sie dann oft von selbst, was sie erlebt hat.
Wenn Du auch der Meinung bist, dass sich diese kleine Extrazeit lohnt und in Gesprächen als auch in Beziehungen einen großen Unterschied machen, bist Du auch bereit, einen passenden Zeitpunkt für ein Gespräch heraus zu finden.
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Der Zeitpunkt in der Eltern-Kind-Kommunikation

In Gesprächen ist es nicht nur wichtig, Zeit zu schenken, es ist auch wichtig, einen geeigneten Zeitpunkt zu erwischen. Da es oft wir Eltern sind, die ein Gespräch beginnen, passt der Zeitpunkt nicht immer zum Zeitpunkt und zum Rhythmus unseres Kindes.
Darüber hinaus hängt es natürlich vom Thema ab: den Punkt einer Einkaufsliste zu teilen dauert 5 Sekunden, aber darüber, wie Eltern mit ihrem Kind über  den Streit mit einer Freundin sprechen, dauert sicher länger. Manche Gespräche sind nicht dazu gemacht, sie zwischen Tür und Angel zu führen, also wäre es gut, dafür Zeit zu schenken oder Zeit dafür zu planen.
Manche Familien reservieren regelmäßig Zeit für wichtige Gespräche. Ob man dafür Zeitfenster einplant oder nicht, das TIMING ist so entscheidend für unsere Kommunikation! Manchmal beginne ich ein Gespräch mit Andi und mitten im Satz sage ich schmunzelnd: Das ist wohl nicht der Moment…

Zeitdauer und Zeitpunkt als Feedback über uns

Immer in Eile zu sein schadet unserer Gesprächskultur. Aber das Leben ist nun mal schnell und wir erkennen nicht mehr, wie hastig wir handeln.
Wenn Du immer schnell und produktiv funktionieren sollst, ist es umso herausfordernder, für ein Gespräch eine Pause einzulegen.
Dabei geht es nicht um „schlechtes Verhalten“ in einer Kommunikation, es geht darum,

  • wahrzunehmen, was vor, in und nach einer Unterhaltung passiert,
  • was uns dazu bringt, ein Gespräch zu führen (Kontakt aufnehmen, aus Gewohnheit sprechen, eigene Wünsche durchsetzen…),
  • zu sehen, was während der Unterhaltung passiert (schnell sprechen, mit einem Bein schon zum Gehen bereit sein, ergebnisfixiert sein…),
  • und wie sich alle Beteiligten nach der Kommunikation fühlen.

Um unser Bewusstsein für diese Kommunikation zu schärfen, brauchen wir einen Blick auf unseren eigenen Umgang mit Zeit und mit dem Zeitpunkt. Schenkst Du einem Gespräch Zeit und wartest auf den passenden Moment? Das ist eine Startposition in jeder Kommunikation, zwischen Eltern und Kindern, aber auch zwischen den Eltern. Bist Du bereit?

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Miteinander reden und Leben lernen (2. Brief an die Tochter)

Alexandra, die Mama unserer erfundenen Familie, schreibt heute wieder einen Brief an ihre Tochter Mira (5 Jahre).
Wenn Mira die Liebe zum Lesen entdeckt, wird Alexandra ihr die Briefe geben. Alexandra spricht in diesem zweiten Brief mit Mira über das Lernen im Leben, und wie wir miteinander sprechen könnten, damit wir Lust haben, voneinander zu lernen.
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Liebe Mira,
wäre es nicht schön, wenn wir Menschen uns gegenseitig helfen, zu lernen? Wie reden wir Menschen miteinander, damit wir für unser Leben lernen können?
Wenn ein Mensch so mit mir spricht, dass es…

  • übertrieben ist (jemand macht aus einer Mücke einen Elefanten: wie konntest Du das vergessen?),
  • ungenau ist (jemand findet etwas blöd, macht aber keine Vorschläge, wie es anders gehen kann.),
  • zu allgemein ist (jemand behauptet, dass ich mir „nie“ Mühe gebe oder dass ich „immer“ alles vergesse),

vergeht mir nämlich die Lust zu lernen oder etwas zu verändern.
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„Was will der denn?“ und „warum macht er das?“ frage ich mich

  • er will sagen, was er denkt.
  • er will Ärger los werden.
  • er möchte sich über andere lustig machen und Spaß haben. (leider leiden andere aber darunter.)
  • er möchte sich selbst groß fühlen (statt klein) und macht andere dabei klein.
  • er ist neidisch, weil ich etwas habe oder tue, was er selbst möchte, aber noch keine Idee hat, wie er es bekommen oder tun kann.
  • er ist enttäuscht, weil ich seine Wünsche nicht erfülle.
  • er fordert Dich heraus, weil er gerne kämpft und damit spielt. (Opa ist manchmal so ;-))

Du siehst, liebe Mira, was Menschen sagen oder tun, hat nicht so sehr mit Dir selbst, sondern vor allem mit ihnen selbst zu tun!

Was wäre, wenn ein Mensch so mit Dir spricht, dass….

  • eine Eigenschaft von Dir stärker werden kann (Du entwickelst viele Ideen für Dein Puppentheater…)
  • eine Fertigkeit von Dir größer werden kann (Du lernst, einen Ton auf der Gitarre zu spielen…),
  • eine Beziehung zu einem Menschen wächst (Du lernst etwas Neues über Deine Freundin…).

Was brauchst Du, um von anderen zu lernen?

  • Gerade bist Du frustriert und nicht offen dafür, was der andere denkt. Du brauchst eine Lernpause und bist später wieder bereit zum Lernen.
  • Du kannst verstehen, was der andere sagt, hast aber keine Ahnung, wie Du es ändern kannst. Du brauchst Vorschläge, wie Du es ändern kannst.
  • Der andere sagt nur ganz ok, aber dann kommt eine lange Liste mit Dingen, die anders sein sollten. Du willst zuerst wissen, was genau ok war. Dann hast Du einen Motor für die Dinge, die Du noch lernen kannst und willst.

Wie sage ich es, damit Du Lust hast, etwas über Dich und über mich zu lernen?

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  1. Ich sage, was ich schätze, mit Beispielen. (z.B. beim Taekwondo: Es gefällt mir, mit welcher Kraft Du die Kicks in Taekwondo machst; Ich mag es, wie Du konzentriert zuschaust, wenn eine neue Technik gezeigt wird; Deine Fäuste schauen so stark aus…)
  2. Ich sage klar, was ich mir wünsche. (Ich wünsche mir, dass Du das Ziel anschaust und gleich die Handkante direkt darauf schlägst; übe jetzt langsam, damit Hände und Füße zusammen arbeiten lernen, schnell wirst Du durch Wiederholung und Üben…)
  3. Ich male mir mit Dir aus, was in der Zukunft passieren kann, wenn  Eigenschaften, Fertigkeiten und Beziehungen wachsen (Wenn Du Taekwondo trainierst, lernst Du aufmerksam zu sein und wie Dein Körper zusammen spielt. Du trainierst nicht nur für Taekwondo, sondern bist auch aufmerksam im Leben, in Deiner Familie und bei Deinen Freunden).

Ich wünsche Dir, liebe Mira, dass Du ein offenes Ohr für Anregungen in Deinem Leben hast. Wenn jemand etwas zu Dir sagt, was übertrieben, ungenau und zu allgemein ist, hat es wahrscheinlich mehr mit ihm selbst, als mit Dir zu tun. Ich wünsche Dir, dass Du beim Lernen immer wieder das Gefühl hast, zu fliegen, mit einem Kribbeln im Bauch.
In Liebe,
Deine Mama
 

Willst Du mehr von Alexandra oder Mira erfahren?

Warum Eltern drohen, ohne es zu wollen (1. Brief an die Tochter)

Warum Mama nicht bei Oma wohnt (Familiengeschichte 1)

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Beziehung

10 Minuten, die die Eltern-Kind Beziehung verändern

Die Eltern-Kind-Beziehung ist in jedem Moment neu und anders, weil sich sowohl Kinder als auch Eltern „bewegen“.  Unterschiedliche Gefühle und Gedanken bewegen uns ständig, auch wenn wir noch so ruhig scheinen. Kinder lernen uns als Menschen kennen, die nicht immer konsequent oder gleich handeln. Mal sind wir gelassen, mal sind wir es nicht.
Kinder brauchen kein ausgefallenes Abendessen und keine kunstvolle Torte, auch wenn beides zufrieden machen kann. Was sie, und wir alle brauchen, ist ungeteilte, also volle, Aufmerksamkeit.
Papa Michael schaut auf sein Handy, so viele Termine türmen sich. „Ich sehe Dich“, sagt er zu Mira, die gerade ihr neuestes Kunststück vom Sofa Richtung Matratze zeigen will. Dabei schaut er immer wieder auf sein Handy. Mama Alexandra hält in der Hand den Informationszettel vom Kindergarten und liest. „Mama schau mal“, ruft Mira. Alexandra schaut kurz nach oben. „Toll“, sagt sie und liest wieder.
Natürlich können wir unseren Kindern nicht immer 100% Aufmerksamkeit schenken, das ist unrealistisch. Was aber passiert, wenn ich meiner Tochter viel Aufmerksamkeit schenke: Sie freut sich riesig und ich freue mich mit. Ich fühle mich meiner Tochter nahe. Da ich nur eine Sache tue, bin ich konzentriert. Mein Geist kommt zur Ruhe, weil ich mich nicht ablenken lasse. Das Geschenk ist also nicht nur ein Geschenk für mein Kind, sondern auch für mich selbst.
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Das 10 Minuten Geschenk für die Eltern-Kind Beziehung

  • Beobachte, was Dein Kind möchte. Möchte es Dir etwas zeigen, Dir etwas erzählen oder sogar Ruhe und Raum für sich selbst? Möchte es Raum für sich selbst und gleichzeitg Kontakt?…Du kannst hier Deine eigenen Fragen formulieren, wie sie am besten zu Dir und zu Deinem Kind passen.
  • Überprüfe, ob Du selbst bereit bist, diese Zeit zu schenken. Willst Du vorher etwas abschließen willst oder brauchst noch einen Moment Zeit für Dich? Die Beziehung zu den Kindern ist immer wichtig, nur nicht immer dringend.
  • Sei in den 10 Minuten da, so wie Du eben die Welt wahrnimmst. Sehe, höre und beobachte ganz so, wie Du beobachtest. Die Bewegungen, die Gedankengänge, die Stimme, die Mimik…

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  • Spüre gleichzeitig, was in Dir vorgeht. Schweifen Deine Gedanken ab? Hast Du Langeweile beim Beobachten, weil Du es gewohnt bist, zu tun? Spürst Du Unruhe?
  • Wie reagiert Dein Kind? Freut es sich? Lädt es Dich, mit seiner Art zu sein, ein, das Leben für einen Moment aus einer anderen Perspektive zu sehen?

Wie kann man aus dem 10 Minuten Geschenk ein Ritual machen?

  • Nach dem Frühstück am Wochenende
  • Am Abend vor/ nach dem Abendessen
  • Beim Abholen vom Kindergarten
  • ……………………………………………

Wie soll, das gehen, wenn man 2+ Kinder hat?

Wenn es mehrere Kinder sind, können die anderen Kinder in der Zwischenzeit selbst spielen oder etwas für sie reizvolles tun. (10 Minuten Folge Yakari, Spiel auf einem Tablet, Youtube Doku nach ihrem Interesse…) Vielleicht kann auch der Partner gleichzeitig mit dem anderen Kind wertvolle 10 Minuten verbringen.
Jede 10 Minuten voller Aufmerksamkeit ist eine Gelegenheit die Beziehung zu den Kindern zu vertiefen.
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Kann ich immer alles stehen und liegen lassen und 10 Minuten volle Aufmerksamkeit schenken? Sicher nicht. Nur, wenn man ältere Menschen fragt, was sie in ihrem Leben schätzen oder mehr wollten, kommen solche Antworten: „Ich wollte meinen Kindern oder meinen Liebsten nahe sein.“ Noch nie habe ich die Antwort gehört: Ich hätte den ausgefeiltesten und effektivsten Haushaltsplan erstellen oder die ausgefallenste Torte meines Lebens machen sollen. Ich finde beides cool, nur liegen uns diese beiden Dinge am Ende nicht so sehr am Herzen wie die Beziehung zu unseren Liebsten.
 
 

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Beziehung

Blogreihe Frustration in der Familie #3: Frustrationstoleranz

Frustration in der Familie als Blogreihe: Die eigenen Auslöser der Frustration in den letzten beiden Blogbeiträgen erkannt und gemanagt, wie kann ich die Frustration noch sehen? Als etwas Überwindbares oder einen Kompass, der mir zeigt, was mir und den anderen Menschen etwas im Leben bedeutet?
Tochter Mira ist sehr enttäuscht, dass die Eisdiele wegen Urlaub geschlossen hat, auch wenn das in den Augen der Eltern Alexandra und Michael „doch nicht so schlimm ist.“ „Ist es doch“ sagt Mira. Im Kindergarten hat sie heute das Spiel UNO verloren, das Essen war eklig und die Kindergartenfreundin, mit der sie am Nachmittag spielen wollte, ist krank.
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„Für Dich ist es schlimm“ sagen Alexandra und Michael. Mira, die vorher mit gesenktem Kopf da saß, schaut nach oben. „Du liebst Eis, sagt Michael und jetzt hat die Eisdiele zu. Wir machen am Wochenende einen Ausflug und gehen Eis essen.“

Sind Deine Lieben (oder Du selbst) frustriert, geht es doch eigentlich um diese Dinge

  • Eine Situation tritt ein und macht jemanden traurig oder wütend.
  • Andere „sehen“ diese Traurigkeit oder Wut (oder Du selbst siehst sie)
  • Was sagt die Situation über die Person? (was sie mag, was sie braucht, was ihr wichtig ist…)
  • Was hilft dem Menschen, damit klar zu kommen, ohne, dass er die Situtation mögen muss?

ideas4parents-frustration-frustrationstoleranz-tipps-familie-kinder-2.pngWas keiner braucht, wenn er frustriert ist:

  • Menschen, die einem sagen, dass es nicht so schlimm ist oder dass man nicht frustriert sein muss, denn man ist es doch bereits.
  • Selber dagegen ankämpfen und es nicht wahr haben wollen, denn es ist bereits so und ändert die Situation nicht.

Wie kann sich Mira aus der Situation vorwärts bewegen?

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So einfach es scheint, aus eigener Frustrationserfahrung ist es nicht immer so einfach. Aber, um bei diesem Eisbeispiel zu bleiben, wie könnnen Alexandra und Michael Mira vorleben, dass das Leben voller Möglichkeiten ist, selbst bei einem solchen einfachen, aus Sicht der Eltern trivialen Beispiel?

  • zur anderen Eisdiele gehen oder fahren
  • im Supermarkt Eis einkaufen
  • Wenn keine Zeit ist, an einem anderen Tag Eis essen planen
  • Eis selber machen
  • Alternative zum Eis finden, die vielleicht trotzdem riesen Protest auslösen wird, denn Miras Hirn will Eis!!!

Dann fängt das ganze Spiel von vorne an: „Du willst Eis und kannst Dir gerade nichts anderes vorstellen“ sagt Alexandra zu Mira. Aus Sicht der Eltern erscheint das vielleicht lächerlich, eine lange story über das Eis zu schaffen, aber nicht für Mira! So klein, unwichtig oder sogar dumm erscheint Eltern manches, was aber für Kinder in diesem Moment wahrscheinlich sehr wichtig ist. Alexandra und Michael gehen 6 Schritte:

Schritt #1

Spiele also Beobachter und Zuhörer:

Sei Dir bewusst, was andere oder Dich gerade so frustriert. Welches Bedürfnis oder welcher Wunsch wird nicht erfüllt?

Schritt #2

Warte mit Handeln und Sprechen ab:

Du willst etwas sagen oder tun? „Das ist doch nicht so schlimm. Mira kann sich doch nicht stressen wegen so einer Kleinigkeit, wie soll sie denn im Leben klar kommen?“ denkt Michael. Höre, was Du sagen willst und sage zunächst nichts. Spüre, dass Du handeln willst und handle zunächst nicht. Alexandra würde Mira am liebsten in den Fahrradanhänger sitzen, um die Situation zu beenden. Sie wollte einen ruhigen Nachmittag und jetzt dieses Drama wegen so etwas! Höre Deinen Impulsen einfach zu.

Schritt #3

Siehe den Impuls nachlassen.

Der Drang, zu reagieren, sich mitzuteilen, anderen aus Emotionalität Vorwürfe zu machen, wird aufhören. Der Impuls ist vergänglich, villeicht ist er 1-2 Minuten sehr stark, wird weniger und zieht vorüber.

Schritt #4

Ermuntere Dich selbst, zunächst nichts zu tun (Notfälle ausgenommen: Unfälle, Überschwemmungen…):

Du kannst Dich als Eltern doch nicht in der Beobachterrolle ausruhen, Du musst aktiv Dein Kind erziehen oder begleiten! Wenn der Gedanke kommt: „Darauf musst Du reagieren.“ kann auch der Gedanke kommen: „Das hast Du bei den letzten Malen auch gesagt, wir haben alle nur gestritten und jeder war gekränkt.“

Schritt #5

Konfrontiere Deine Erwartungen mit der Realität:

Deine Tochter sollte…, Dein Mann sollte… Du solltest…Die Realität ist aber gerade nicht so. Obwohl ich das weiß, halte ich manchmal daran fest…mit dem Ergebnis, dass ich frustriert bin. Realität ist die perfekte, einzigartige Unvollkommenheit an mir und an anderen.

Schritt #6

Handle empathisch und klar:

Dieser Haltung gehen diese Schritte voraus: Frustration annehmen, Handlungs- und Sprechimpulse beobachten und neu reagieren können. Überrasche Dich, welche Situationen Du damit in Dein Leben einlädst.
Soll ich alle 6 Schritte auf einmal gehen? Nein, weil es manchmal nicht funktioniert, alles auf einmal zu ändern.Was mir hilft, ist die Ausrichtung auf eine Sache, sagen wir für einen Monat oder auch länger. Ich konzentriere mich einfach darauf, abzuwarten und zu beobachten, was bei mir und beim anderen gerade passiert. Interessanterweise findet sich daraus ein eigener neuer Weg, der natürlich von diesen 6 Schritten abweichen kann. Was die Wege alle verbindet, ist die andere innere Haltung, aus der ich handeln kann. Was hilft, in die Beobachterrolle zu schlüpfen? Langsamer atmen oder den Atem zu zählen…Mir hilft einfach auszuatmen.
Was so einfach? Ja, so einfach! Lösungen sind oft so einfach, wenn auch nicht immer leicht umzusetzen oder doch?
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„Gila, warum bist Du so entspannt?“ werde ich manchmal gefragt. Ich weiß in dem Moment, dass ich es nicht bin, warte ab und deswegen kann ich manchmal entspannter als vorher reagieren 😉
Wie lernst Du Frustration in der Familie lieben? Ideen sind willkommen.
Bis bald,
Gila
 

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Blogreihe Frustration in der Familie #2: Frustrationsmanagement

Frustration lauert überall in der Familie. Was mich und auch andere im Alltag reizt, habe ich im letzten Blogbeitrag „Blogreihe Frustration in der Familie (1) Deine Auslöser“ beschrieben. Wie kann ich meine Frustration im Alltag gelassen steuern? Zunächst interessiert mich, was mir die Frustration überhaupt sagen will.

Was sagt mir Frustration als Mama?

  • Was ich brauche und was die anderen brauchen
  • Welche Wünsche ich habe und welche Wünsche die anderen haben
  • Von welchen Erwartungen ich mich verabschieden mag: 100% (Zuverlässig) sein…
  • Was ich selbst ändern kann

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Manage die Frustation (über die Auslöser liest Du im Beitrag „Deine Auslöser“)

Frustration zu managen bedeutet für mich zwei Dinge:
1.Seine eigenen wunden Stellen zu kennen und vermeiden, wenn sie zu vermeiden sind
2.Frustration als unvermeidbaren Teil im Leben annehmen und als Kompass für das eigene Leben verstehen (Bedürfnisse, Wünsche, Erwartungen, Veränderungspotential)

Ideen zum Vermeiden und Managen der Frustration

Die Aktionen bei Frustration

  • Pflege Deine Eigenständigkeit: Setze Ziele oder beschäftige Dich mit etwas, was Du magst. Wenn Dir etwas selbst wichtig ist, den anderen aber nicht leicht von der Hand geht, mache es selbst und bitte dort um Hilfe, wo Du sie erhoffen kannst.
  • Einfach machen: Eine Aktion machen, die etwas mit eigenen Zielen, Bedürfnissen oder mit Dingen, die man gerne macht, zu tun hat: Mit Kindern durch die Wohnung tanzen, ein Buch lesen, das man selbst toll findet, mit Musik experimentieren…
  • Verbinde Dich mit Deinem Körper oder/und der Natur: Basketball im Park, Tanzen, Kampfsport, Yoga, Natur- oder Stadtspaziergänge, Konzentration auf Deine Atmung – was am besten zu Dir passt.ideas4parents-frustration-reaktion-familie-kinder-2.png
  • One thing at a time: Mama Alexandra sagt zur Tochter Mira: Räume bitte Dein Zimmer auf, dann holst Du die Puppen aus dem Bett und wenn Du fertig bist, kannst Du Oma anrufen…Effektiv oder, aber auch einfach too much und frustrierend für alle.
  • Die lieben Verallgemeinerungen: „Nie hörst Du zu!“ behauptet Alexandra, als ihr Partner Michael gerade nicht zugehört hat.
  • Anstrengung der Kinder anerkennen und geduldig eigenen Weg finden lassen statt Handlungsanweisung geben: „Nein! So nicht, Du musst es so machen“ sagt Papa Michael frustriert zur Tochter Mira oder er beobachtet, wie sie es selbst herausfindet. Oder er schlägt vor, dass er es jetzt übernimmt, weil wenig Zeit ist, und Mira es am Wochenende selbst ausprobieren kann.
  • Minimiere Unterbrechungen, wenn sie Dich frustrieren: Schalte zeitweise Dein Telefon ab. Arbeite nicht neben den Kindern, ziehe Dich soweit wie möglich zurück.
  • Beeinflusse, was Du tust: Deine Reaktion ist steuerbar, das Verhalten anderer nicht.

Die eigene Einstellung zur Frustration

  • Nehme Deine Schwäche/Grenze und die der anderen an: (Unpünktlichkeit, Unordentlichkeit, kreatives Chaos…) Bringe unpünktliche Freunde nicht in die Verlegenheit, pünktlich zu kommen, sie werden es wahrscheinlich nicht sein, und Du bist frustriert. Erwarte keine Zen Wohnung wenn Du im kreativen Chaos lebst oder mache Dir die Umgebung so zu nutze, dass Ordnung für Dich machbarer ist: geschlossene Schränke, Ecken, die das Chaos nicht berührt…)
  • Sei perfekt unvollkommen und lasse die anderen perfekt unperfekt sein: Menschen handeln nicht immer konsequent, nicht immer gleichbleibend und nicht immer vorhersehbar, aber einzigartig.
  • Sehe den Auslöser für Frustration als das, was er ist: ein Denk- oder Verhaltensmuster. Sei für Dich da, bevor Du auf den Auslöser reagierst. Was brauchst Du tatsächlich? Sicherheit, mehr Abwechslung, Raum für Dich, Verbindung zu anderen, Deine Weiterentwicklung oder willst Du Dich noch anders im Leben einbringen und findest gerade noch keine Zeit dazu?

Meine zwei kurzen Fragen in Beziehung zur Frustration:

  1. Was brauchen wir (die anderen und ich)?
  2. ideas4parents-frustration-reaktion-familie-kinder-3.pngWas tue ich dafür?

Viel Erfolg beim Managen der Frustration! Im nächsten Beitrag geht es darum, Frustration lieben zu lernen.
Bis bald,
Gila

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Beziehung

Kinder in 3 Schritten in ihrem Selbstvertrauen stärken

 

Kinder brauchen Selbstvertrauen. Nur, hast Du schon mal ein Baby mit wenig Selbstvertrauen kennengelernt? Mal angenommen, Babys haben Selbstvertrauen, können sie es im Laufe ihres Lebens verlieren? Ich frage mich, wie können sich Kinder dieses Selbstvertrauen erhalten und ausbauen. Was können wir Eltern tun, damit Kinder in ihrem Selbstvertrauen gestärkt werden?

Fühlen ist Erleben

Babys erleben die Welt zunächst mit ihren Sinnen. Sie hören, fühlen, riechen, schmecken und lernen, immer mehr zu sehen. Sie können nichts „falsches“ fühlen, oder? Warum sagen wir Eltern dann später unseren Kindern: „Sei nicht traurig.“ oder „Wenn Du nicht aufhörst wütend zu sein, bleiben wir zu Hause.“

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Ein Gefühl zeigt sich als Körperempfindung

Ist ein Gefühl nicht einfach auch eine Körperempfindung, ein Trommeln im Bauch, ein Klopfen im Hals, ein schwerer Kopf oder ein fliegender Teppich im Bauch? Wenn Kinder etwas fühlen, fühlen sie es bereits. Niemand kann ihnen dieses Gefühl wegreden, es ist bereits da.

Reicht es, wenn Eltern einfühlsam sind?

Es reicht vielleicht nicht aus, empathisch auf dieses Gefühl zu reagieren. Kinder brauchen oft einen Weg, wie sie auf dieses Gefühl reagieren. Aber zunächst brauchen sie die Erfahrung, dass dieses Gefühl gültig ist. Weder sind sie daran schuld, noch sollten sie sich dafür schämen. Dennoch passiert genau das, wenn Erwachsene auf dem Spielplatz stehen und sagen: „Stell Dich nicht so an, rutsch runter“ oder „Wenn Du Dich jedes Mal ärgerst, wenn wir wieder nach Hause gehen, gehen wir nicht mehr zum Spielplatz.“ Kinder lernen vielleicht, was die Mama oder der Papa gerade fühlt. Sie lernen aber auch, dass ihr Gefühl unerwünscht ist oder sozial nicht anerkannt. Dabei geht es doch mehr darum, zu lernen, wie man ein Gefühl ausdrückt oder wie man mit einem Gefühl handelt.

Gefühle als Mitteilung und die Reaktion der Erwachsenen

Gefühle sind ein Zeichen dafür, was Kinder gerade erleben: Ärger, Trauer, Angst und Freude. Ignorieren Erwachsene Gefühle kann die Botschaft sein: lenke Dich ab, kümmere Dich nicht darum. Werden die Gefühle missbilligt, kann die Botschaft sein: Es ist falsch, so zu fühlen. Gehen Eltern zwar empathisch auf Kinder ein, aber nicht darauf, wie Kinder handeln können, können Kinder den Eindruck bekommen, nie etwas tun zu können, wenn sie etwas fühlen.

Kinder mit ihren Gefühlen begleiten

Wie begleiten wir Kinder mit ihren Gefühlen? Was brauchen Kinder von uns, wenn sie so fühlen, wie sie fühlen? Wie lernen Kinder einen Ausdruck für ihr Gefühl? (Schreien in der U-bahn befreit vielleicht, ist aber schon anstrengend für Alle 😉 )

Schritt #1 Was ist Dein Gefühl und das Gefühl Deines Kindes?

Kennst Du das? Du bist gerade überhaupt nicht bereit für ein Gefühl und hast Widerstand, es mit zu erleben? Vielleicht könnte ich dann einfach zu meinem Kind sagen: „Du ärgerst Dich. Ich wünsche mir, dass wir jetzt in Ruhe Abendessen können. Hast Du einen Wunsch?“

Schritt #2 Untersuche, was das Gefühl Deines Kindes von Dir braucht

Umarmung?

Manchmal brauchen Kinder eine Umarmung. Aber vielleicht hast Du schon erlebt, dass sie sich zurückziehen und diese Umarmung nicht wollen. Manchmal mischen sich die Gefühle auch, das Kind ist traurig, aber auch verärgert und dazu passt die Umarmung gerade gar nicht.

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Trost/ Hoffnung?

Worte können trösten. Wenn etwas nicht klappt, können Kinder ermuntert werden, dass es beim nächsten Mal schon anders sein kann. Oder wenn sie mit ihren Schwächen konfrontiert werden, kann man sie an ihre Stärken erinnern.

Akzeptanz?

Manchmal wollen Gefühle einfach nur da sein. Kennst Du das? Vielleicht ging es Dir schon mal so, als es Deinem Kind langweilig war oder es frustriert war. Du bist einfach nur da und wartest, bis es die Langeweile selbst überwindet oder aus der Frustration eine Idee entsteht.

Handlung?

Der Turm ist umgestürzt? Die Energie des Ärgers wird in den gemeinsamen Aufbau gesteckt, wenn das Kind es noch nicht selbst tut.

Die Angst vor der Dunkelheit kann vielleicht in kleinen Schritten behutsam überwunden werden. Manchmal brauchen Kinder Unterstützung, Handlungsoptionen zu entwickeln: Taschenlampe ans Bett legen, sich mit Papa im Dunkeln verstecken und Mama sucht…

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Schritt #3 Braucht das Gefühl noch einen Ausdruck?

Eltern drücken sich verbal aus „ich brauche Ruhe, bis ich den Kaffee ausgetrunken habe“ oder handlungsorientiert „ich habe mich gerade so in der Arbeit geärgert, jetzt habe ich noch genügend Energie, die Wohnung aufzuräumen.“ ;-). Eltern leben also vor, wie sie ihre Gefühle ausdrücken. Kinder finden durch Experimente heraus, wie sie ihre Gefühle ausdrücken.

  • sich mit Worten ausdrücken („mein Kopf ist heiß und mein Bauch trommelt!“)
  • sich mit Bewegung ausdrücken (rennen, Kampfsport, Tanz)
  • in eine Handlung umsetzen (Handwerk, Trommeln, Malen, …)

Wir Erwachsene stellen das Material zur Verfügung oder geben Kindern die Möglichkeit, an einem Kurs teilzunehmen. Ich sehe es als Prozess, der nie abgeschlossen ist, und bei dem alle Fehler machen (dürfen).

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Wenn Kinder ihren Gefühlen vertrauen können und sich zuhören lernen, stehen sie sich selbst nahe. Sie brauchen uns, weil sie vielleicht noch nicht wissen, was sie mit ihren intensiven Gefühlen tun sollen. Denn so unterschiedlich Menschen sind, so unterschiedlich ihre Gründe für Gefühle sind, die Gefühle selbst empfinden alle, mal mehr oder weniger. Manchmal haben wir nur verlernt, sie zu spüren. Deswegen lasst uns Eltern bei uns selbst anfangen.

Welches Gefühl ist für Dich „normal“? Welche Gefühle bei Deinen Kindern kannst Du schwer aushalten? Es ist ein sehr persönliches Thema, deswegen sind diese Fragen mehr zur Reflexion gedacht! Wie wäre es, wenn Kinder fühlen dürfen ohne die Bewertung von Erwachsenen? Über ihre Reaktion auf das Gefühl könnnen wir gerne reden.

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Führen Lernen

Frustration bei Kindern und Eltern? In 4 Schritten zur Frustrationstoleranz

Frustration!!!
Stelle Dir vor: Die Eltern sind unausgeschlafen, weil sie einen Alptraum ihres Kindes begleitet haben. Sie stehen auf, motivieren ihr Kind, sich für den Kindergarten fertig zu machen. Mails weisen auf ein Abgabedatum in der Arbeit hin. Die Großeltern brauchen auch Hilfe und für Freunde ist gerade keine Zeit. Eigentlich haben die Eltern gerade gar keine Zeit für sich selbst, als Paar auch nicht, und die Aufgaben zu Hause türmen sich…
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Stelle Dir vor: Nachts wacht Dein Kind auf, weil es von beißenden Handschuhen träumt. Unausgeschlafen am nächsten Tag will es spielen, soll sich aber anziehen, um in den Kindergarten zu gehen. Dort verliert es beim Spielen, der gebastelte Papierdrache zerreißt und die besten Freunde sind krank…
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Ich habe im Netz recherchiert, wie Eltern und Kinder Masters Of Frustration werden können. Denn eines ist klar: Wir alle erleben Frustration, wenn sich unsere Erwartungen nicht erfüllen, wir ausgebremst werden oder wir auf Hindernisse stoßen.

Was passiert wenn Kinder frustriert sind?

Egal, wie groß oder klein die Frustration ist, sie ist für das betreffende Kind real.
Eine Erwartung tritt nicht ein.
Ein Wunsch oder ein Bedürfnis wird nicht erfüllt.
Kinder sind enttäuscht, von anderen, von ihrer Umwelt oder von sich selbst.
Sie fühlen sich ungerecht behandelt.
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Was sagt uns die Frustration unserer Kinder?

Frust ist auch eine Antwort auf eine Bedrohung. Aus der Sicht des Kindes erlebt es einen tatsächlichen Schaden oder befürchtet einen Schaden. Manchmal überdecken Frustration und Ärger Angst oder Verletzung. Ärger fühlt sich besser an als Angst, weil Ärger Energie gibt und die Bedrohung kleiner werden lässt. (Ausnahme: Ärger wurde irgendwann als scheinbar schlechtes Gefühl erlernt.)

Eltern können sich fragen

Was macht dem Kind Angst? Ausgeschlossen sein, sich beim Verlieren weniger stark fühlen, sich nicht sicher fühlen, nicht gesehen werden…

Welches Bedürfnis hat das Kind, das in der Situation nicht erfüllt wird?

  • ein Bedürfnis nach Kontakt und nach einer liebevollen Beziehung (Begleitung von Gefühlen, mit Gefühlen umgehen lernen).
  • das Kind braucht Sicherheit (körperliche Unversehrtheit, weder körperliche noch seelische Bestrafung, Strukturen und Grenzen der Bezugspersonen).
  • als individuelles Kind gesehen werden (eigene Talente entdecken lassen und Eigenschaften der Kinder schätzen, individuelle Erfahrungen stehen im Gegensatz zu hoch gesteckten, nicht individuellen Entwicklungszielen).
  • entwicklungsgerechte Angebote machen (weder antreiben und damit überschätzen noch überbehüten und damit unterschätzen).
  • integriert sein in einer Gemeinschaft (Familie, Freundschaft; einen Beitrag in einer Gemeinschaft leisten).

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Stolpersteine sind:

  • Wenig Zeit: Eltern unter Zeitdruck können die Bedürfnisse nicht zeitnah erfüllen. Was tun? Zeitfenster schaffen, in denen es um die Bedürfnisse der Kinder geht und Wunschlisten schreiben. Gleichzeitig lernen Kinder warten zu können.
  • Immer die gleiche Methode: das gleiche Problem mit der gleichen Methode lösen wollen, die nicht funktioniert hat. Was tun? Die Strategie ändern und zu einem Spiel machen. Wenn etwas nicht funktioniert, ändere die Strategie.

Wie lernen Kinder Frustrationstoleranz?

1. Sie kopieren, wie ihre Eltern auf Frustration reagieren. Zeigen Eltern ihre eigene Frustration und suchen nach Lösungen?
2. Kinder lernen, mit eigener Frustration umzugehen, wenn Eltern geduldig diese Frustration begleiten und ihre Kinder als Detektive nach Lösungen suchen lassen.

Wie können wir gemeinsam konstruktiv mit Frustration umgehen?

  • Zusammen warten – wenn Erwachsene am liebsten etwas sofort haben wollen, aber warten vorleben.
  • Gleichberechtigter Spielpartner sein: Nicht gewinnen lassen und verlieren können vorleben.
  • Frustrationsfreie Zeiten erleben und gemeinsam Spaß haben.
  • Eigene Erfahrung mit Frustration mitteilen und die Lösung laut denken (im Aufgabenchaos Prioritäten setzen; Wünsche aufschieben; etwas tun, was man gut kann und gerne tut).
  • Wünsche der Kinder anhören und klären, ob, wann und warum sie (nicht) erfüllt werden.

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4 Schritte zum Master der Frustration

Schritt #1 Mache eine kurze Pause

Halte kurz inne, bevor Du mit der immer gleichen Methode das Problem nicht löst.

Schritt #2 Fühle

Kläre Deine Gefühle und begleite sie bei Deinem Kind („es trommelt im Bauch!“)

Schritt #3 Ändere die Strategie

Wenn es so nicht klappt, ändere die Strategie oder manchmal auch das Ziel.

Schritt #4 Spiele mit dem Prozess

Behandle die Situation mit dem Fokus auf Prozess und Lernen.
Was macht euch und eure Kinder zum Master der Frustration? Teilt gerne eure Ideen.