Eltern voller Ärger – gelassen bleiben oder werden

Eltern sind manchmal voller Ärger: die Nacht war kurz, die Kinder machen sich am Morgen nicht fertig, die Arbeit stapelt sich und die Großeltern kritisieren, wie der Erziehungsladen läuft. Wie schön wäre es, gelassen bleiben zu können trotz Ärger. Denn Ärger ist einfach da.

Zeit anhalten und atmen

Auch wenn wir die größte Energie haben, ist es eine gute Idee, abzuwarten und auszuatmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir anders reagieren als wir wollen, ist bei Ärger sehr groß.

Perspektive wechseln

Warum machen sich die Kinder am Morgen nicht fertig? Wollen sie spielen, brauchen sie eine Pause, sind sie einfach gerne zu Hause, weil Du als Mama oder als Papa ganz ok bist?…

Warum stapelt sich die Arbeit? Liegt es an der Organisation, an der Perfektion oder am nicht Nein sagen können?…

Warum kritisieren die Großeltern die Begleitung der Kinder? Liegen Ihnen die Kinder am Herzen, haben sie ein großes Bedürfnis nach Sicherheit und zählt dafür in ihren Augen eine Erziehung mit viel Disziplin?…

Es gibt viele Seiten einer Geschichte.

Die eigene Beziehung zum Ärger

Als Kinder sollten wir Eltern uns nicht ärgern. Wir hatten Angst, dass unsere wichtigsten Bezugspersonen uns dann nicht mehr mögen. Wir sollten uns zusammenreißen oder nicht so „ungezogen“ sein. Zu unseren Kindern sagen wir, dass sie „herunterfahren“ und ruhig werden sollen. Oder zählst Du zu einem seltenen Exemplar, das seinem Ärger Luft machen durfte und auch gelernt hat, den Ärger mit seinen Reaktionen zu steuern?

Wer Ärger spürt, hat zunächst viel Energie. Diese Energie kann so groß sein und entlädt sich bei Eltern oft anders als gewünscht. Wir reagieren über, wir sagen Sachen, die wir lieber nicht gesagt hätten und wir verletzen Menschen, die uns am Herzen liegen.

Mehr als Ärger

Oft mischen sich Gefühle. Ärger ist „einfacher“ als Angst oder Traurigkeit.

 

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Selbst wenn wir vor etwas Angst haben oder verletzt sind, sind wir oft auch verärgert und wollen von der Angst oder der Verletzung nichts wissen. Ärger rückt Angst und Verletzung in den Hintergrund, lässt uns stark sein, wenn wir etwas hilflos sind. Natürlich kann es auch sein, dass wir traurig sind, weil wir „gelernt“ haben, dass wir andere Menschen verletzen, wenn wir verärgert sind, also trauen wir uns nicht mehr verärgert zu sein. Dabei ist Ärger nur ein Hinweis, dass jemand oder eine Situation dazu beiträgt, dass sich eines unserer Wünsche oder Bedürfnisse nicht erfüllt.

Wer verärgert ist und schnell reagiert, handelt oft anders als er könnte. Nur den Ärger zu unterdrücken, ist als ob wir uns von unserer eigenen Energie schützen müssen. Was machen wir also mit unserem Ärger als Eltern?

Der 3 Schritte Prozess

1) 5 Sekunden SEIN: Den Ärger mit seiner ganzen Energie spüren ohne Ablenkung und zunächst ohne Reaktion ausatmen.

2) 5 Sekunden DENKEN: Kären, was wir wollen und was unsere Kinder wollen.

3) 5 Sekunden HANDELN: Wählen, was wir sagen oder was wir tun.

Ärger ist niemals falsch. Ärger ist einfach da und ein Hinweis für das, was wir brauchen, vermissen oder wovor wir Angst haben. Wir werden scheitern und schnell auf unseren Ärger reagieren. Aber wir haben in der Familie immer wieder die Gelegenheit, zu lernen, nicht sofort zu reagieren. Wir können den ersten Anflug von Ärger fangen und pflegen wie einen kostbaren Schatz. Denn Ärger gibt uns viel Energie.


 

7 einfache Wege, die Kommunikation zu Deinem Kind zu vertiefen

Mit Kindern kommunizieren ist eine Gelegenheit, sich gegenseitig wertzuschätzen. Jedoch ist es im Alltag herausfordernd, sich diese Wertschätzung zu schenken. Wer glaubt, keine Zeit zu haben, müde oder verärgert ist, kommuniziert nicht, wie er es sich wünscht. Meine Tochter hat es auch nicht immer leicht, mir zuzuhören. Mich interessiert: Wie sehen die einfachsten Wege aus, Kommunikation zu verbessern? Es sind nicht unbedingt die leichtesten Wege, aber immerhin einfach! 😉

Warum Zuhören für meine Tochter nicht immer leicht ist:

  • Manchmal rede ich zu viel auf einmal und die Aufmerksamkeit meiner Tochter lässt somit nach.
  • Manchmal weiß sie einfach schon, was ich sagen will.
  • Es langweilt sie, was ich sage.
  • Wenn ich müde bin, höre ich selbst nicht gut zu. Warum soll dann meine Tochter mir zuhören, wo ich einer ihrer Vorbilder bin?
  • Habe ich weder Zeit noch Geduld, rede ich schnell oder unterbreche meine Tochter beim Sprechen. Warum sollte sie es also nicht auch tun?
  • Ich erwische nicht den richtigen Moment zum Sprechen.
  • Unter Stress bin ich nicht die coole Mama, die ich doch gerne bin.

Auch wenn die Umsetzung nicht immer leicht ist, hier sind sieben einfachen Wege, Kommunikation zum (eigenen) Kind zu verbessern.
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Weg #1

Zuerst spielen, dann reden

Wenn sich Erwachsene treffen, fangen sie an zu reden. Wenn sich Kinder treffen, fangen sie an zu spielen. Angenommen, ich will mit meiner Tochter reden, spiele ich zuerst mit ihr. Danach erzählt sie oft vieles von selbst.

Weg #2

Warten können

Wenn ich von meinem Kind erwarte, dass es mir zuhört, muss ich natürlich selbst zuhören und warten, ohne es zu unterbrechen. Auch wenn ich weiß, was es sagen will. Ich weiß noch nicht, wie es etwas sagt, mit welcher Stimme, mit welcher Mimik, mit welcher Gestik und mit welcher Körperhaltung. So weiß ich, in welcher Stimmung mein Kind ist.
Wenn ich etwas frage, warte ich und lasse meinem Kind 5-10 Sekunden Zeit, darauf zu reagieren, in Worten oder auch ohne Worte. Das ist Mediation im Alltag! Natürlich gelingt das nicht immer, denn dann wäre es leicht zu tun, dennoch ist es einfach, wenn ich es tue.
Gleichzeitig lernt mein Kind zu warten, denn es will natürlich mit mir reden, wenn ich selbst telefoniere oder mich auf etwas konzentriere.

Weg #3

Auf Augenhöhe gehen und Interesse zeigen

Mit Kindern auf einer Augenhöhe zu sprechen, ihnen zuhören, versuchen zu verstehen, was sie sagen und sie trotzdem als Kinder zu sehen, schützt uns davor, ihnen zu viel Verantwortung zuzumuten und ihnen gleichzeitig vieles zuzutrauen.
Auf dem Spielplatz höre ich Erwachsene mit anderen Erwachsenen über ihr Kind sprechen, dabei steht das Kind direkt neben ihnen. Mögen es Kinder, wenn man über sie spricht, während sie direkt daneben stehen? Welcher Erwachsene spricht mit einem anderen Menschen über den Partner, der direkt neben einem steht?
Wenn Eltern predigen, meinen sie es doch so gut und wollen ihrem Kind etwas Wichtiges auf ihrem Lebensweg mitteilen. 😉  Um sich selbst zu schützen (z. B. wissen Kinder ganz genau, dass sie eine Regel verletzt haben und haben schon Schuldgefühle), hören Kinder nicht mehr zu.
Eltern wiederholen also immer wieder, was Kinder nicht (mehr) hören wollen.
Tja, so ist das nun mal, oder? Wichtige Dinge können nicht immer interessieren, oder? Aber welcher Erwachsene spricht mit jemanden, der nicht an der Börse interessiert ist, über die neuesten Nachrichten an der Börse?
Wenn wir wollen, dass Kinder zuhören, brauchen wir ein Thema, das sie interessiert. Natürlich müssen Kinder lernen, wie sie eine Straße sicher überqueren, dennoch müssen wir Eltern nicht predigen, dass das wichtig ist. Beim gemeinsamen Tun und nach vielen Wiederholungen lernen sie es.

Weg #4

Wiederholung leben statt predigen

Mein Kind braucht kurze, klare Wiederholungen und mich als eines ihrer Vorbilder. Im Straßenverkehr: Links, Rechts, Links… Manchmal spielen wir Verkehrslotsen und ich lasse mich von meiner Tochter über die Straße führen. Nach meiner Erfahrung machen Predigten eher taub (zu viel Information!) und ich erreiche vielleicht genau das Gegenteil, was ich will.

Weg #5

Offene Fragen stellen, zumindest meistens

Geschlossene Fragen laden nicht zu einem weiteren Gespräch ein, sondern nur zu einem Ja oder zu einem Nein. Offene Fragen geben mehr Raum für eine Antwort. Allerdings kann es auch passieren, dass die offene Frage zu einem Zeitpunkt gestellt wird, in der das Kind nicht offen für ein Gespräch ist: wenn es spielt, wenn es müde ist oder wenn es gerade nicht sehr daran interessiert ist, z. B. was es zum Mittagessen im Kindergarten gab.
Was hat Dir heute gefallen? ist eine offene Frage, bei der ein Gespräch entstehen kann. Aber wenn meine Tochter nicht in Redelaune ist, kann die Antwort „alles“ oder „gar nichts“ mit einem Augenzwinkern sein.
Offene Fragen, die Angst machen können, sind nicht immer hilfreich. „Was kann passieren, wenn Du wegläufst und ich nicht mehr weiß, wo Du bist?“ Stattdessen mag ich es lieber, klar zu sagen, dass ich Angst habe, wenn ich nicht weiß, wo mein Kind ist und ich deswegen wissen will, wo mein Kind ist. Darauf muss mein Kind nichts sagen, aber ein Kopfnicken meines Kindes sagt mir, dass ich klar gemacht habe, was mir wichtig ist.

Weg #6

Kleine und große Dinge beschreiben, ohne im Lob zu schwelgen

Ob Lob immer angebracht ist und ob Lob Kinder manipuliert, darüber scheiden sich die Geister. Aber was spricht dagegen, die Welt, wie ich sie als Mama gerade erlebe, zu beschreiben?
„Hey, Du hast den Turm wieder aufgebaut. Du warst so gefrustet und jetzt hast Du ihn wieder aufgebaut.“
„Du hast Deine Nachbarin getröstet, weil Du gemerkt hast, dass sie traurig ist.“

Weg #7

Mut zum Schweigen

Es gibt Momente zum Sprechen und Momente zum Schweigen. Manchmal signalisieren Kinder oder auch Jugendliche, dass sie gerade nicht zum Sprechen bereit sind. Das ist offensichtlich nicht der Moment für ein Gespräch. Ein Blick in die Augen und auf die Körperhaltung verrät auch ohne Worte, welche Stimmung unser Kind hat.

Wer kann schon nicht kommunizieren?

Während das eine Kind in Worten alles mitteilt, ist das andere Kind viel ruhiger, zumindest in Worten und in bestimmten Situationen. Manches Verhalten ist sozial anerkannt, z. B. Reden, wenn Handzeichen gegeben wurde. Anderes Verhalten ist sozial nicht anerkannt, wie ununterbrochenes Reden während eines Sporttrainings. Mein Kind ist bisher in sozialen Gruppensituationen eher ruhig, auch wenn es mit Freunden vor Ideen sprudeln kann. Das heißt aber nicht, dass es nicht kommuniziert!

Meine Tochter erinnert mich immer wieder daran, wie Kommunikation auch geht, ohne etwas zu sagen: sich nach vorne lehnen, auf die gleiche Körperhöhe wie das Kind gehen, Kontakt zu den Augen aufnehmen, mit dem Kopf nicken, die Augenbrauen erstaunt hochziehen, lächeln… Ein Ausdruck im Gesicht, die Atmung und eine Körperhaltung verrät uns so viel über unsere Kinder.

Hier gibt es noch mehr über den geeigneten Moment zum miteinander reden.

 

Veränderungen in der Familie meistern

Große Veränderungen in der Familie passieren und beeinflussen uns und unsere Lieben: Umzug, Jobwechsel, ein Tod in der Familie, politische Veränderungen… Dazu kommen die vielen Veränderungen im Alltag: Babys lernen laufen, Kinder sind heute voller Energie und am nächsten Morgen krank, Eltern streiten und versöhnen sich. Zwischen Veränderung und Stabilisierung navigieren wir durch das Abenteuer Familie. Manche Veränderungen überwältigen uns ganz plötzlich, andere ersehnen wir uns und dennoch brauchen sie Zeit oder sie passieren ganz anders als von uns geplant. Was jede Veränderung braucht, ist unsere Aufmerksamkeit.
Wie wäre es, offen für fast jede Veränderung zu sein? Veränderung wäre nicht mehr überwältigend oder langatmig. Außerdem befinden wir uns immer in einer Veränderung oder in einem Übergang. Die großen Veränderungen sind offensichtlich. Die kleinen Veränderungen fallen nur weniger auf, da sie sich scheinbar wiederholen, dennoch sind sie nie ganz gleich.
Vergeblich warten wir auf die Sicherheit, die uns scheinbar gleichbleibende Erfahrungen vermitteln. Bis zur nächsten großen Veränderung. Solange wir die kleinen Veränderungen nicht wahrnehmen, sind wir scheinbar sicher.

Warum Veränderungen so herausfordernd sind

Mit einem gesetzten Ziel erwarte ich ein bestimmtes Ergebnis und bin weniger offen für ein anderes Ergebnis.
Ich habe eine feste Vorstellung von mir, wie ich als Mensch funktioniere.
Mein Blickwinkel auf die Welt ist nur EIN möglicher Blickwinkel.

Wie ich auf Veränderungen reagiere

Wenn ich plötzlich meinen Job verliere, ein geliebter Mensch stirbt oder ein Plan von mir nicht aufgeht, beginnt das Kino im Kopf:
Nein, das darf nicht wahr sein! Warum (ich)? Oder mein Körper spricht, er lehnt sich zurück, will zurück gehen, festhalten und nicht in die Zukunft gehen…
Oder der Kopf reagiert so:
Warum müssen die anderen so sein oder so handeln?
Oder der Kopf beschäftigt sich mit Aufgaben, Listen und mit dem Wunsch, alles zu kontrollieren, auch wenn er es nicht kann.
Ablenkungen sind auch eine beliebte Strategie: Trost im Kaffee, Überfluten mit Information, Musik…
In Extremfällen, wie Verlust des eigenen Zuhauses oder der Tod von geliebten Menschen funktionieren diese Strategien kaum. Selbst keine Strategien, die sonst bei der Bewältigung von Veränderung helfen können: Sport machen, mit Freunden reden, meditieren…

Veränderungen lieben lernen

1. Ich will nicht, dass sich etwas verändert. Ich will kämpfen, flüchten oder ich erstarre, weil ich kurz glaube, nichts tun zu können.
2. Der starke Widerstand, die Angst oder das Kribbeln im Bauch, alles das fällt auf, wenn ich mich nicht ablenke.
3. Ist es die Situation oder sind es mehr die Gedanken, die den Stress machen? In der Situation gibt es Farben, Formen, Strukturen von Oberflächen, Geräusche, Luft auf der Haut, einen Körper, der immer für mich arbeitet…
4. Wir nehmen die Welt aus einer einzigen Realität wahr, aus unserer Realität, aber es ist nur EINE mögliche Realität. Nichts bleibt gleich, der Gesichtsausdruck Deines Kindes, die Stimmung Deiner Lieben, Deine Zellen 😉 …
Jedes Mal, wenn ich etwas nicht haben will und es ganz schnell ändern will, versuche ich einen kurzen Moment LANGSAM zu sein, auch wenn alles in mir davon laufen will. Dann ist meine Welt eine andere als vorher und die Möglichkeiten zu handeln, viel größer.

 

Den Gefühlen von Kindern vertrauen

Eltern können den Gefühlen ihrer Kinder einfach trauen, oder nicht?
„Du musst nicht weinen, das ist gar nicht schlimm“, sagt Papa Michael zu Tochter Mira. „Schau mal, ein Flugzeug“, sagt Mama Alexandra. Mira ist gestürzt und erlebt den Sturz gerade sehr intensiv und weder als nicht schlimm noch braucht sie Ablenkung. Trau Deinen Gefühlen nicht, sie sind zu intensiv oder machen Dich nicht stark für Dein Leben, konzentriere Dich auf etwas anderes… Was sind die Ängste der Eltern Michael und Alexandra? Dass Mira schnell weint und im Leben nicht klar kommt? Vor was wollen sie Mira schützen? Vor anderen Kindern, die Mira als ‚Heulsuse‘ bezeichnen? Oder haben sie gerade nur keine Energie, Mira zu begleiten? Was auch immer es sein mag, lernt Mira so, ihren Gefühlen und somit sich selbst zu trauen?

Als Erwachsener Gefühlen vertrauen

Wenn ich Gefühle weder bekämpfe („Du musst nicht weinen“) noch vor ihnen fliehe („Schau mal, ein Flugzeug“), kann ich alles wahrnehmen: bestimmte Gedanken, Gefühle und vielleicht sogar den Wunsch, zu fliehen oder zu kämpfen, weil ich es so gelernt habe als Kind. Ich kann weglaufen oder mich ablenken, aber ich muss nicht. Genauso wenig muss ich gegen den Wunsch zu fliehen oder zu kämpfen ankämpfen, denn der Wunsch ist bereits da. Wie begleite ich als Erwachsener ein Kind mit einem Gefühl, wenn ich selbst das Gefühl bekämpfe oder davor fliehe? Wahrscheinlich genau so, ich vermittle, dass ich nicht weinen soll oder mich mit etwas anderem beschäftige.
Empfindungen sind Sensationen im Körper, wie Zittern, Wärme, Kälte, Vibration oder was auch immer. Abhängig von den eigenen Erfahrungen hat jeder Mensch seine Empfindungen. Wie begleite ich sie bei Kindern?
Auf direkte Erfahrungen gibt es nicht nur eine Antwort und nicht nur eine Haltung, sondern eine Antwort oder eine Haltung, die nach der Wahrnehmung folgt, nach dem schnellen Herzschlag, nach der Schwere im Körper und nach allen möglichen Erlebnissen, die sich dauernd ändern, wenn ich sie tatsächlich erlebe.

Kinder mit ihren Gefühlen begleiten

Wie können Michael und Alexandra Mira begleiten?
Sie könnten beschreiben, was sie gesehen haben, z.B. dass Mira erschrocken ist.
Die Eltern könnten Mira eine Hand auf die Stelle, an der sie sich verletzt hat, auflegen.
Sie könnten Mira fragen, wo es weh tut.

Was braucht Mira mit ihrem Gefühl? Trost oder Aktion? Vielleicht braucht sie tatsächlich Ermunterung, es noch einmal zu versuchen (z. B. noch einmal zu klettern), aber zunächst braucht sie Trost.
Was brauchen die Eltern?
Vielleicht spüren die Eltern wenig Widerstand, weil sie selbst einen anstrengenden Tag haben oder das Bedürfnis nach Ruhe. Manchmal weint Mira dann nur lauter, wenn Michael und Alexandra Miras Gefühl bekämpfen oder davor fliehen. Vielleicht können die Eltern ihr Bedürfnis nach Ruhe aufschieben. Oder Mira wird vielleicht irgendwann nicht mehr weinen, aber dennoch eine Schwere im Körper spüren oder auch die nicht mehr, weil sie gelernt hat, eigenen Gefühlen nicht zu vertrauen.

Vertrauen in der Familie

Einführung einer kleinen Familie

Darf ich unsere kleine erfundene Familie vorstellen? Michael, der Vater, 35 Jahre alt, Alexandra, die Mutter, 34 Jahre alt und ihre Tochter Mira, 5 Jahre alt, die zusammen in einer kleinen Stadt, in einer Wohnung mit Garten leben. Wie erfahren diese Familienmitglieder Vertrauen und wie schenken sie Vertrauen in ihrem Alltag?
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Kann Alexandra Mira vertrauen?

Mira hat ihre Wand lila, rot und gelb angemalt. Alexandra ist sauer: „Du weißt, dass Du die Wand nicht anmalen sollst. Warum hast Du sie angemalt?“ Mira: „Das war ich nicht, das war Carla.“ (eine Freundin, die vor kurzem da war). Alexandra war verstört. Nicht nur, dass Mira leugnet, was sie getan hat, sie verrät ihre Freundin und lügt ganz offensichtlich! Warum macht meine Tochter das? Wie kann ich ihr vertrauen? Was habe ich falsch gemacht, dass das passiert?
Ist es möglich, dass Alexandra die Situation so interpretiert? Kinder wollen Spaß haben, entdecken und vergessen dabei Regeln. Lügen ist ein Hinweis für die Entwicklung der Kinder und ein Experimentierfeld, um Werte im Leben zu finden und um herauszufinden, was in Beziehungen zählt.

Kann Alexandra dem Leben trauen?

Alexandras Tag ist chaotisch: Ihr Laptop stürzt ab, ihr Massagetisch schimmelt, ihre eigene Mama ist sauer auf sie und ihre Tochter Mira spielt mit einer Freundin verstecken im Kleiderschrank, in dem sie Tomaten essen. Warum passiert das alles an einem Tag? Alexandra könnte dagegen ankämpfen, aber es war alles schon geschehen. Sie könnte dem Leben misstrauen oder sie könnte sich daran erinnern, dass die sogenannten schlechten Umstände sich manchmal in etwas Tolles verwandeln können, auch wenn sie sich das jetzt gar nicht vorstellen kann.

Kann Michael Alexandra vertrauen?

Michaels Kollegen vergaßen in der Arbeit ziemlich alles, was sie verabredet hatten. Später fragt Michael Alexandra, ob sie für ihr kaputtes Auto den Termin in der Werkstatt ausgemacht hat, ob sie den Fahrradsitz von Mira angepasst hat und ob sie an den Elternabend im Kindergarten denkt. Alexandra könnte sich schlecht fühlen und sich fragen: Ist es so schwer, mir zu vertrauen, ohne mich zu kontrollieren? Oder sie könnte Michaels Aussagen so sehen, dass sein Tag wohl frustrierend war und er gerade nicht vertrauen kann, dass sie tut, was sie ausgemacht haben.

Kann Alexandra sich selbst vertrauen?

Alexandra hat etwas Wichtiges vergessen und ist richtig sauer auf sich selbst. Dazu kommt, dass sie nicht die neue Sprache lernt, die sie schon lange lernen wollte, aber der Alltag, andere Aufgaben und die eigene Disziplin halten sie davon ab. Hält Alexandra die Angst vor dem Versagen zurück, es gar nicht zu versuchen? Könnte sie sich das eingestehen und es trotzdem versuchen? Wenn sie es nicht versucht, hat sie schon verloren.

Kann Mira ihren Eltern trauen, in diesem Beispiel Michael?

Michael hat Mira versprochen, diesen Samstag schwimmen zu gehen. Aber Michael hat viel Arbeit zu tun und kann sein Versprechen nicht halten. “Du hast gesagt, wir gehen zusammen schwimmen!” sagt Mira entrüstet. “Warum musst Du heute arbeiten. Du hast es mir versprochen!” Mira ist frustriert und braucht die Sicherheit von ihrem Papa, dass er tut, was er sagt, zumindest in den meisten Fällen.
Wie können wir als Eltern und Partner in Bereichen unseres Lebens vertrauen, wo wir vertrauen wollen? Wie können wir unseren Lieben vertrauen? Woran merken unsere Kinder, dass sie uns Eltern trauen können? Vertrauen wir uns selbst?
Moment. Will ich überhaupt vertrauen oder hilft mir Misstrauen nicht auch manchmal? Wie Misstrauen hilft und wie es aber auch unser Zusammenleben beeinflusst, ist Thema im nächsten Beitrag.
 

Es tut nicht weh, und wenn doch? (4. Brief an die Tochter)

Mama Alexandra schreibt ihrer Tochter Mira einen Brief über Kinder, die Schmerzen haben und gesagt bekommen, dass es doch gar nicht weh tut.
In ihrem vierten Brief an Mira erzählt Alexandra, wie Mira im Krankenhaus an der Zehe punktiert wird, und der Arzt behauptet, dass es nicht weh tut.
Wenn Mira (5 Jahre) die Liebe zum Lesen entdeckt, wird Alexandra ihr die Briefe, die sie schon jetzt schreibt, geben.
Liebe Mira,
Schmerz wird von verschiedenen Menschen ganz unterschiedlich erlebt. Weißt Du noch, als Susi hinfiel und schrie oder als Tami hinfiel, ohne zu weinen? Wenn Du das beobachtest, kannst Du nicht genau wissen, wie stark es dem anderen gerade weh tut. Du siehst aber das Gesicht des anderen und das verrät Dir, wie es ihm geht. Oder seine Stimme sagt Dir, wie sich der andere fühlt.
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Als Du Dich verletzt hast und beim Arzt warst

Vor kurzem hast Du Dich verletzt. Beim Spielen fiel Dir eine Platte auf den Zehennagel, Dein Zehennagel wurde blau und der Zeh ganz dick. Aua! Unter Deinem Nagel entstand viel Druck, weil sich das Blut dort sammelte und fest wurde. Du warst verwirrt und hattest Angst. Der Arzt, der in den Zehennagel gepickst hat, damit der Druck aufhört, meinte „es tut nicht weh.“ Seine Idee war, Dich zu beruhigen und Dir die Angst zu nehmen. Oder er konnte es nicht mehr ertragen, dass viele Kinder weinen und wollte seine Ruhe. Ärzte erleben oft, dass andere Schmerzen haben. Das kann schwer sein. Tatsache war, es tat weh und es verwirrte Dich, dass der Arzt behauptet, dass es nicht weh tut.
„Es tut gerade weh und das ist doof“ habe ich gesagt. Ich war auch sauer, dass Dir jemand sagt, was Dir weh tut oder nicht. Wie soll er das denn wissen?
Es hat Dir jedenfalls nicht geholfen zu sagen, dass es nicht weh tut. Es stimmte nicht. Nachdem Du erst einmal verwirrt warst, dass es nicht weh tun soll, obwohl es weh tut, warst Du verärgert: Du lügst! haben Deine Augen gesagt. Warum soll ich so tun, als ob es nicht weh tut?
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Was brauchst Du, wenn Du Schmerzen hast?

  • Brauchst Du jemanden, der einfach da ist? Jemanden, der Deinen Schmerz sieht und Deine ängstlichen Augen?
  • Du willst dennoch nicht hilflos da liegen? Dann atme mit dem Schmerz und mit der Angst lange aus; drücke meine Hand, so fest Du kannst…Du fühlst Dich auf dieser Krankenhausliege schon hilflos genug, obwohl Du nicht hilflos bist.
  • Brauchst Du Trost? Manchmal stößt Du mich sogar weg, wenn ich Dich trösten will, ganz so, als wolltest Du sagen „ist schon gut, ich komme klar.“

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Vielleicht brauchst Du manchmal auch etwas, was ich nicht geschrieben habe. Jeder Mensch und jede Situation ist anders. Wer gerade Schmerzen erlebt, braucht Menschen, die diese Schmerzen sehen. Ich weiß nicht immer, was Du brauchst. Ich mache Fehler, will Dich trösten, obwohl Du es gar nicht brauchst. Aber ich lerne auch dabei, zu sehen, was Du brauchst. Ob und wie Du Dir Hilfe holst, entscheidest Du, denn manchmal hast Du Schmerzen, aber wenn Du lernst, was Du brauchst, kannst Du etwas tun!
In Liebe,
Mama
 

Willst Du mehr von Mira und Alexandra erfahren?

Warum Eltern drohen, ohne es zu wollen (1. Brief an die Tochter)

Miteinander reden und Leben lernen (2. Brief an die Tochter)

Nein! Widerstand leisten ist zweckvoll (3. Brief an die Tochter)

Warum Mama nicht bei Oma wohnt (Familiengeschichte 1)

 

Nein! Widerstand leisten ist zweckvoll (3. Brief an die Tochter)

Mama Alexandra schreibt ihrer Tochter Mira einen Brief über Kinder, die Nein sagen und Widerstand leisten. Kinder wollen manchmal etwas anderes als Eltern.
In diesem dritten Brief spricht Alexandra über den Widerstand von Mira, über ihren eigenen Widerstand, und über die Herausforderung, Mira zu führen. Wie kann Alexandra Mira trotz Widerstand führen?
Wenn Mira (5 Jahre) die Liebe zum Lesen entdeckt, wird Alexandra ihr den Brief, den sie schon heute schreibt, geben.
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Liebe Mira,
„Nein“ hast Du heute Morgen zu mir gesagt. Du wolltest Dich weder waschen noch anziehen, Du wolltest spielen! Ich habe gesagt: „Ziehe Dich bitte an, damit wir in den Kindergarten gehen können.“
Ich als Mama muss/ darf/ will

  • pünktlich sein
  • arbeiten

Du als Tochter willst

  • spielen, also lernen und zwar
  • JETZT!

Ich war sauer, weil Du Dich in Dein Kinderzimmer gesetzt hast und nichts gemacht hast. Du warst sauer, weil ich etwas von Dir wollte, was Du jetzt gar nicht wolltest.
So geht es mir manchmal und Dir auch. Was Du willst, will ich nicht und umgekehrt. Das haben wir gemeinsam!

Wie kann ich Dich als Mama führen, wenn Du nicht geführt werden willst?

Nachdem wir, später als ich wollte, und früher als Du wolltest, im Kindergarten waren, habe ich ein Rollenspiel im Kindergarten beobachtet. „Hiergeblieben, ich verhafte Dich“, sagte der Polizist Tim zum Räuber Ben. Ben grinste und lief weg, Tim verfolgte Ben und hatte Spaß, weil Tim nicht hier bleiben wollte und sich jagen lassen wollte.
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Bevor ich Dich führe, brauchst Du vielleicht etwas ganz anderes von mir?

  • Ein Spiel? Wir spielen, wer was will. Wir spielen nicht, Du machst, was ich Dir sage. Du bist mir wichtig, und ich bin Dir wichtig, deswegen will ich wissen, was Du willst und Du willst wissen, was ich will.
  • Ich will mir Deine Wünsche und Ideen anhören, habe aber am Morgen nicht so viel Ruhe zum Zuhören. Kannst Du es mir heute Nachmittag/ Abend erzählen?
  • Ich lasse Dich 5-10 Minuten mit Deinen Stofftieren spielen (dabei warst Du gerade), und danach gehst Du in das Bad zum Waschen.

Was mache ich, wenn Du dann immer noch nicht bereit bist? Warum hilfst Du nicht mit?

Du möchtest mitteilen, was Dir wichtig ist. Gestern hast Du schon so viel gemacht, was andere wollten, (ich vergesse das manchmal) und jetzt möchtest Du endlich tun können, was Du willst. Du übst für den Tag, an dem Du Dein eigener Chef bist.
Jetzt leben wir noch in einer Familie. Irgendwann hast Du Dein eigenes Leben. Du hast eine Meinung, Papa hat eine Meinung, und ich habe eine Meinung. Deswegen geht es manchmal nach Deinem Kopf, manchmal nach Papas, manchmal nach meinem und manchmal nach keinem unserer Köpfe.
Wenn wir also mal wieder eine dieser Situationen erleben, in denen keiner von uns will, was der andere will, frage ich mich:

  1. Was willst Du? Was will ich?
  2. Wie kann ich Dich führen? (mit dem Ziel, dass Du Dich eines Tages ganz selbst führst)

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Manchmal tröstet es Dich schon, wenn ich sehe, dass Du gerade nicht willst, was ich will. Wenn Du immer wieder Gelegenheiten hast, in denen Du frei spielen kannst, so wie Du willst, lässt Du Dich auch wieder von mir führen.
An manchen Tagen wird das gelingen und an manchen Tagen werde ich mir wünschen, dass es gelingt. Dann brauche ich Deine und meine Geduld.
In Liebe,
Mama
 

Willst Du mehr von Mira und Alexandra erfahren?

Warum Eltern drohen, ohne es zu wollen (1. Brief an die Tochter)

Miteinander reden und Leben lernen (2. Brief an die Tochter)

Warum Mama nicht bei Oma wohnt (Familiengeschichte 1)

 
 

Miteinander reden und Leben lernen (2. Brief an die Tochter)

Alexandra, die Mama unserer erfundenen Familie, schreibt heute wieder einen Brief an ihre Tochter Mira (5 Jahre).
Wenn Mira die Liebe zum Lesen entdeckt, wird Alexandra ihr die Briefe geben. Alexandra spricht in diesem zweiten Brief mit Mira über das Lernen im Leben, und wie wir miteinander sprechen könnten, damit wir Lust haben, voneinander zu lernen.
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Liebe Mira,
wäre es nicht schön, wenn wir Menschen uns gegenseitig helfen, zu lernen? Wie reden wir Menschen miteinander, damit wir für unser Leben lernen können?
Wenn ein Mensch so mit mir spricht, dass es…

  • übertrieben ist (jemand macht aus einer Mücke einen Elefanten: wie konntest Du das vergessen?),
  • ungenau ist (jemand findet etwas blöd, macht aber keine Vorschläge, wie es anders gehen kann.),
  • zu allgemein ist (jemand behauptet, dass ich mir „nie“ Mühe gebe oder dass ich „immer“ alles vergesse),

vergeht mir nämlich die Lust zu lernen oder etwas zu verändern.
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„Was will der denn?“ und „warum macht er das?“ frage ich mich

  • er will sagen, was er denkt.
  • er will Ärger los werden.
  • er möchte sich über andere lustig machen und Spaß haben. (leider leiden andere aber darunter.)
  • er möchte sich selbst groß fühlen (statt klein) und macht andere dabei klein.
  • er ist neidisch, weil ich etwas habe oder tue, was er selbst möchte, aber noch keine Idee hat, wie er es bekommen oder tun kann.
  • er ist enttäuscht, weil ich seine Wünsche nicht erfülle.
  • er fordert Dich heraus, weil er gerne kämpft und damit spielt. (Opa ist manchmal so ;-))

Du siehst, liebe Mira, was Menschen sagen oder tun, hat nicht so sehr mit Dir selbst, sondern vor allem mit ihnen selbst zu tun!

Was wäre, wenn ein Mensch so mit Dir spricht, dass….

  • eine Eigenschaft von Dir stärker werden kann (Du entwickelst viele Ideen für Dein Puppentheater…)
  • eine Fertigkeit von Dir größer werden kann (Du lernst, einen Ton auf der Gitarre zu spielen…),
  • eine Beziehung zu einem Menschen wächst (Du lernst etwas Neues über Deine Freundin…).

Was brauchst Du, um von anderen zu lernen?

  • Gerade bist Du frustriert und nicht offen dafür, was der andere denkt. Du brauchst eine Lernpause und bist später wieder bereit zum Lernen.
  • Du kannst verstehen, was der andere sagt, hast aber keine Ahnung, wie Du es ändern kannst. Du brauchst Vorschläge, wie Du es ändern kannst.
  • Der andere sagt nur ganz ok, aber dann kommt eine lange Liste mit Dingen, die anders sein sollten. Du willst zuerst wissen, was genau ok war. Dann hast Du einen Motor für die Dinge, die Du noch lernen kannst und willst.

Wie sage ich es, damit Du Lust hast, etwas über Dich und über mich zu lernen?

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  1. Ich sage, was ich schätze, mit Beispielen. (z.B. beim Taekwondo: Es gefällt mir, mit welcher Kraft Du die Kicks in Taekwondo machst; Ich mag es, wie Du konzentriert zuschaust, wenn eine neue Technik gezeigt wird; Deine Fäuste schauen so stark aus…)
  2. Ich sage klar, was ich mir wünsche. (Ich wünsche mir, dass Du das Ziel anschaust und gleich die Handkante direkt darauf schlägst; übe jetzt langsam, damit Hände und Füße zusammen arbeiten lernen, schnell wirst Du durch Wiederholung und Üben…)
  3. Ich male mir mit Dir aus, was in der Zukunft passieren kann, wenn  Eigenschaften, Fertigkeiten und Beziehungen wachsen (Wenn Du Taekwondo trainierst, lernst Du aufmerksam zu sein und wie Dein Körper zusammen spielt. Du trainierst nicht nur für Taekwondo, sondern bist auch aufmerksam im Leben, in Deiner Familie und bei Deinen Freunden).

Ich wünsche Dir, liebe Mira, dass Du ein offenes Ohr für Anregungen in Deinem Leben hast. Wenn jemand etwas zu Dir sagt, was übertrieben, ungenau und zu allgemein ist, hat es wahrscheinlich mehr mit ihm selbst, als mit Dir zu tun. Ich wünsche Dir, dass Du beim Lernen immer wieder das Gefühl hast, zu fliegen, mit einem Kribbeln im Bauch.
In Liebe,
Deine Mama
 

Willst Du mehr von Alexandra oder Mira erfahren?

Warum Eltern drohen, ohne es zu wollen (1. Brief an die Tochter)

Warum Mama nicht bei Oma wohnt (Familiengeschichte 1)

Warum Eltern drohen, ohne es zu wollen (1. Brief an die Tochter)

Wenn Du unsere erste Familiengeschichte gelesen hast, kennst Du schon Mira, die fünfjährige Tochter unserer erfundenen Familie. Heute beginne ich mit den Briefen von Miras Mama Alexandra an ihre Tochter.
Im ersten Brief spricht Alexandra über Eltern, die drohen. Wir Eltern drohen Kindern, weil wir wollen, dass sie etwas tun, was wir selbst wollen, die Kinder aber nicht.
Wenn Mira (5) die Liebe zum Lesen entdeckt, wird Alexandra ihr den Brief, den sie schon heute schreibt, geben.ideas4parents-familie-kinder-eltern-angst-drohen-tipps-1.png

Liebe Mira,

auf dem Sportplatz war heute ein Papa, der mit seinem Sohn geschimpft und ihm gedroht hat. Warum ich Dir das erzähle? Ich als Mama oder vielleicht auch andere Mamas oder Papas beobachten das auch an sich selbst…

Was Papa gesagt hat

Papa und Sohn spielten zusammen Fußball. Ich nenne den Papa Christian und den Sohn Max. Christian sagte Sachen, wie „Du musst schneller reagieren.“ „Nimm‘ den Ball anders, so funktioniert es nie.“ „Wenn Du keine Lust zum Fußball spielen hast, melde ich Dich im Verein ab.“

Was Christians und Max‘ Körper gesagt haben

Als ich dem Sohn Max in die Augen geschaut habe, schauten die nach unten und seine Schultern hingen Richtung Erde, er sah traurig aus. Christians Augen verengten sich, vielleicht grummelte auch sein Bauch. Christian war wütend, aber vielleicht war er auch noch traurig und vielleicht hatte er sogar Angst. Denn er wollte Max etwas zeigen, aber so funktionierte es nicht. Es entmutigte den Sohn und Max fühlte sich eher schwach als stark (zumindest sprach sein Körper so). Christian fühlte sich müde, auch wenn er es vielleicht nicht zugeben wollte oder bemerkte. Der Papa ließ den Oberkörper immer wieder nach vorne hängen. Was Christian auch versuchte, Max konnte nicht so spielen, wie es sich Papa vorstellte…
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Du Mira warst auf der Schaukel und riefst voller Begeisterung „höher“ und „Yippie.“ Der Papa schaute zu Dir rüber und wurde leiser. Plötzlich änderte sich seine Stimmung. Er hörte auf, zu schimpfen und sagte zu seinem Sohn: „So macht es Spaß.“ Die Augen seines Sohnes weiteten sich wieder und schauten nach vorne, das Spiel war wieder mehr ein Spiel als eine Predigt. Zuerst fand ich die Situation traurig, denn manchmal drohe auch ich, wenn…

  • ich keine Ideen mehr habe.
  • mir etwas wichtig ist.
  • ich etwas will, Du aber etwas anderes.
  • das, was ich sehr wichtig finde, Dir so gar nicht wichtig ist. Das macht mir Angst.

Als ich erlebt habe, wie Du Papa Christian mit Deiner Begeisterung ansteckst, habe ich mich wieder leichter gefühlt.
Ich weiß nicht, ob der Sohn gerne Fußball spielt oder nur seinem Vater zuliebe, damit Christian Max Aufmerksamkeit schenkt.
Was ich weiß ist, dass der Vater etwas über sich erzählt hat. Er hat gezeigt, dass es Freude macht, mit dem Sohn zu spielen, ohne zu bewerten, wie gut oder schlecht der Sohn in seinen! Augen spielt. Er hat ihm nur gesagt, dass es so, wie es ist, Spaß macht. Dadurch lief das Spiel anders.
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Warum erwartet Christian etwas von Max? Was meinst Du?

  • Christian ist gern Lehrer und möchte anderen etwas lernen.
  • Er will Max fordern, damit aus ihm ein Kämpfer im Leben wird.
  • Papa will es perfekt machen, das will er auch von Max!
  • Oder der Papa von Christian, also der Opa von Max hat auch viel von ihm erwartet. Christian macht es jetzt genau so.

Hast Du eine andere Idee, Mira?

Warum Max wohl traurig scheint?

  • Er mag es nicht, wenn Papa seinetwegen enttäuscht ist.
  • Er hat viele Freunde im Verein, die er nicht verlieren mag.
  • Irgendwie will er schon Fußball spielen, aber heute klappt es einfach nicht…

Was meinst Du, Mira? Fällt Dir noch etwas ganz anderes ein?
Als Mama erwarte ich auch so manches und manchmal merke ich nicht, dass ich etwas von Dir oder von Papa erwarte! Dann fange ich an zu drohen, weil ich Angst habe, dass etwas passiert, was ich nicht will oder Angst, dass etwas nicht passiert, was ich mir wünsche. Verzeih‘ mir bitte.

In Liebe,

Mama

Warum Mama nicht bei Oma wohnt (Familiengeschichte 1)

Heute wird es spannend, denn euch erwartet eine Neuigkeit, unsere erste Familiengeschichte.
In unseren fiktiven Familiengeschichten erzählen euch abwechselnd Tochter Mira (5 Jahre), Mama Alexandra und Papa Michael kleine Geschichten aus ihrer ziemlich normalen Familie.
Wir hoffen ihr könnt ihre Geschichten auch gut als Vorlesegeschichten verwenden.

Nun viel Spaß bei unserer ersten Familiengeschichte! Mira, du hast das Wort 🙂

Hallo, ich bin Mira und schon 5 Jahre alt. Ich liebe alle Farben und ich liebe Hunde. Leider habe ich noch keinen echten Hund, nur Wüsti, meinen Langohr-Kuschel-Spaniel.
Ein Spaniel ist übrigens ein besonderer Hund. Hat ganz lange Ohren.
Zum Geburtstag wünsche ich mir einen echten Hund wie Wüsti. Wenn ich 6 werde.
Aber Papa sagt, wir müssen zuerst umziehen. Vor dem Hund.
Ich finde das blöd. Der Hund kann doch auch umziehen, oder nicht? Ein Hund kann doch laufen. Alle Hunde, die ich kenne, können laufen. Sogar ganz Kleine. Und Autofahren können Hunde auch. Das habe ich bei Isa gesehen. Sie ist eine richtig große Hündin. Und die fährt immer bei der Nachbarin im Auto mit. Im Kofferraum nämlich. Jeden Tag!
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Das mit dem Umziehen ist sowieso bisschen komisch. Mama hat erzählt, sie ist aus der Wohnung von Oma und Opa ausgezogen, als sie groß war.
Das habe ich nicht verstanden. Warum ist sie überhaupt ausgezogen?
„Hatten dich Oma und Opa nicht mehr lieb?“, habe ich gefragt.
Da hat Mama geguckt: „Wie kommst du denn darauf?“
„Warum bist du dann ausgezogen?“, habe ich gefragt.
Und Mama hat gesagt, dass sie selbst ausziehen WOLLTE!
„Ich werde nicht selbst ausziehen“, habe ich da gesagt. Warum sollte ich ausziehen? Dann fiel mir ein, dass es vielleicht umgekehrt war.
„Hattest du denn Oma und Opa nicht mehr lieb?“, habe ich gefragt.
„Aber doch, natürlich, mein Schatz, ich hatte sie schon lieb, aber ich wollte eine eigene Wohnung.“
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„Warum wolltest du eine eigene Wohnung, Mama?“, habe ich gefragt.
Und da hat Mama dann das gesagt, was sie öfter mal sagt. Nämlich dass ich oft Fragen stelle, über die sie erst mal nachdenken muss.
Und dann hat sie mir einen Kuss auf die Stirn gegeben und gesagt, dass wir uns anziehen müssen. Für den Kindergarten. Dabei war sie schon angezogen! Eltern sind manchmal echt komisch.
Ich habe auch mit meiner besten Freundin Lisa gesprochen. Über das Ausziehen nämlich. Sie will das auch nicht.
„Ich hab meine Eltern doch lieb“, hat sie auch gesagt.
„Ja genau“, habe ich gesagt. „Und warum eine eigene Wohnung, unsere ist doch groß genug für uns alle.“
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„Oder vielleicht weil die Betten dann größer sein müssen, wenn wir groß sind?“
„Neee“, hat da Lisa gesagt, den Kopf geschüttet und musste total lachen.
Und ich musste auch total lachen.
Am Abend habe ich dann Mama noch mal gefragt. Das ist so bei mir. Ich frage immer wieder, bis ich etwas verstehe. Und wenn ich es nicht verstanden habe, frage ich nochmal. Und immer so weiter.
Mama hat kurz zum Fenster hinausgeschaut, wo wir ein Stück vom Mond sehen konnten.
„Weißt du Mira“, hat sie dann gesagt, „du wolltest doch auch unbedingt selbst Fahrrad fahren lernen im Sommer, stimmts?“
„Ja.“
„Und du willst doch auch mal allein bei Lisa übernachten, oder? Und da sollen wir doch auch nicht dabei sein?“
„Ja, genau, wann darf ich? Ich will schon so laaaange.“
„Ja, du darfst ja auch bald, aber so war es bei mir auch mit dem Ausziehen bei Oma und Opa. Ich wollte selbst eine Wohnung haben und selbst Geld verdienen. Verstehst du das? So wie du selbst und allein Fahrrad fahren wolltest, ohne dass Papa oder ich den Lenker halten.
Da habe ich es verstanden.
„Ach so“, habe ich gesagt. „Das ist ja ganz einfach! Warum musstest du darüber so lange nachdenken, Mama?“
Da musste Mama lachen und hat mir einen „Gute-Nacht-Kuss“ gegeben.
„Schlaf gut, Mira! Papa kommt auch gleich noch.“
„Schlaf gut, Mama!“
Und dann kam noch Papa und hat auch Gute Nacht gesagt.
Das war dann heute.
Das war unsere erste Familiengeschichte. Wie hat sie euch gefallen?
Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr uns eure Meinung sagt.
Liebe Grüße
Andi