Eltern-Kind-Kommunikation – worauf kommt es langfristig an?

Unsere fiktive Mama Alexandra hat diese Kennzeichen einer gelungenen Eltern-Kind-Kommunikation herausgefunden:

  • klar
  • direkt
  • Nur so lange wie nötig, besser kürzer als länger
  • persönlich (Ich-Botschaften statt DU HAST…)
  • Im Prozess werden die Bedürfnisse aller Familienmitglieder gesehen, damit sie jetzt oder zu einem anderen Zeitpunkt erfüllt werden können. Nicht jeder Wunsch ist ein Bedürfnis 😉
  • Jeder fühlt sich zu seiner Familie zugehörig. Die Familienmitglieder behalten ein Gefühl von Unabhängigkeit und Freiheit. In jedem Gespräch haben Zugehörigkeit und Autonomie ihren Platz. Jeder braucht Freiheit und Verbindung gleichzeitig, wenn auch die Form der Verbindung und die Form der Freiheit unterschiedlich ist.

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Ein Beispiel aus der Freizeit für die unterschiedlichen Bedürfnisse von Freiheit und Verbindung innerhalb unserer fiktiven Familie:
Papa Michael braucht Zeit alleine, um ein Buch zu lesen, aber er hat auch Interesse, mit seiner Familie Zeit in der Natur zu verbringen.
Mama Mira macht Yoga in einem stillen Raum und im Anschluss möchte sie mit ihrer Familie Musik machen.
Tochter Mira malt in ihrem Zimmer und nach einer Weile möchte sie mit ihren Eltern spielen.
Der Faktor Zeit spielt natürlich auch noch eine Rolle. Wenn Papa Michael lesen will und Mira spielen will…

Langfristig kommt es Mama Alexandra in der Kommunikation darauf an:

  • Sie weiß, was sie wirklich braucht oder will (eigenes Bedürfnis erfüllen, ihrem Kind etwas zeigen, Kinder stark machen…) und vergisst dabei nicht, was ihr Kind wirklich braucht oder will (spielen, entdecken, ausprobieren, sich zeigen, Zeit mit Freunden, Zeit mit Eltern…)
  • Sie hört, was ihr Kind sagt und was es nicht sagt, was Worte, Körper, Mimik und Gestik verraten.
  • Ihr Kind hört auf seine innere Stimme (nur gehorchen zu lernen untergräbt die Echtheit eines Menschen).
  • Ihr Kind hört, was andere sagen (vorausgesetzt andere berücksichtigen im Gespräch das Timing und die Offenheit des Empfängers).
  • Es entdeckt seine Art, mit anderen zu kommunizieren.
  • Ihr Kind sieht seine eigenen Bedürfnisse und die der anderen.
  • Es findet einen Weg, sich mit anderen zu verbinden, ohne sich selbst dabei zu verlieren.

Kommunikation ist dazu da, dass sich Menschen miteinander verbinden können, weil sie gesehen werden, weil sie andere sehen und weil sie nach Gemeinsamkeiten suchen.

Wie Mama die Kommunikation zu ihrem Kind gestaltet

Alexandra, die Mama unserer fiktiven Familie, verhält sich in der Kommunikation mit ihrer Tochter Mira so:
Was ich erlebe und mein Kind erlebt, ist so, es ist weder richtig noch falsch (klar, nur erleben wir nicht immer wieder genau das Gegenteil? „Du musst doch deswegen nicht weinen“, sagen Eltern zu ihrem Kind).
Ich zeige, dass wir etwas gemeinsam durchstehen, dass Mira nicht alleine ist und wir einen Weg finden.
Ich habe keine Ahnung, wie ich alle Bedürfnisse (nicht alle Wünsche!) in der Familie unter einen Hut bekomme, aber ich vertraue darauf, dass ich es herausfinde.
Ich bin verletzlich ohne ein Opfer zu sein, ich bin einfach eine Mama, die auch verletzlich ist.
Ich bin dankbar für Mira und mag die Beziehung zu ihr immer mehr vertiefen.
In meiner Stimme und in meinen Worten ist Wertschätzung, Akzeptanz und Liebe (klar – ich fake es nicht, wenn mir nicht danach ist).
Ich lache gerne, bevor alles zu ernst wird.
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Wie will ich meine Kommunikation zu meinem Kind gestalten?

  • Ich bin immer wieder 10 Minuten ganz beim Kind ohne Ablenkung (Smartphone außer Reichweite). Wie mache ich das mit Geschwistern oder Besucherkindern? Wenn der Papa da ist, eine Freundin da ist…
  • Ich entscheide mich, bis zu 10 Sekunden abzuwarten, bevor ich in einer Kommunikation handle.
  • Ich schaue mir 10 Sekunden an, was in mir los ist und auch bei Mira.
  • Ich trete in Miras Fußstapfen.
  • Ich kümmere mich 10+ Minuten darum, was ich brauche.
  • Ich sehe einen Konflikt als etwas, was uns noch näher zusammen bringen kann.
  • Ich fange mit einer Sache an, bei mir sind es die 10 Minuten Aufmerksamkeit.

Wer hat denn für so eine Kommunikation schon Zeit?

  • Ich habe viel zu tun
  • Meine To Do Liste ist lang
  • Ich möchte Sachen zu Ende bringen
  • Die nächste Aufgabe wartet auf mich, ich bin sowieso spät dran
  • Ich möchte etwas tun, statt meine Zeit hier zu verschwenden
  • ich verliere die Geduld

Statt in der Illusion von verlorener Zeit verloren zu gehen, schenke ich mir ein paar Sekunden statt Dinge zu erledigen. Warum?
Ich gestalte eine Stimmung, in der ich ruhiger, ausdauernder und emotional stärker bin.
Am Ende bin ich vielleicht sogar schneller fertig, vorausgesetzt ich habe das richtige Timing in der Kommunikation gefunden.
 

Mama, was willst Du? (Eltern-Kind-Kommunikation)

Heute Morgen hätte die Kommunikation mit meinem Kind wirklich anders laufen können. Zum Glück ist so ein missglückter Start in den Tag ein Anreiz

  • zu beobachten, was ich mit meiner Kommunikation will,
  • sich nebenbei mit den Basics von Kommunikation vertraut machen, also Zeit und Timing zu berücksichtigen,
  • mehr über sich und seine Lieben zu erfahren,
  • einen eigenen Weg finden, eigene Bedürfnisse und die Bedürfnisse der anderen zu erkennen und zu integrieren (das ist oft spannend und scheint zunächst unmöglich),
  • sich in den Kommunikationsprozess zu verlieben, Fehler zu machen und wieder neu zu beginnen!

Fangen wir bei den eigenen Bedürfnissen an!
Zusammen mit Andi habe ich mir die Charaktere Mama Alexandra, Papa Michael und Tochter Mira ausgedacht, um ein paar typische Gespräche in Familien zu beschreiben.
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Stelle Dir vor…

Heute Morgen lief Alexandras Kommunikation mit ihrer Tochter Mira schief. Alexandra war in Eile und Mira spielte und spielte und spielte – statt sich endlich anzuziehen. „Bitte ziehe Dich an“, sagte Alexandra ungeduldig. Aber Mira spielte weiter und schaute sie nicht einmal an.
„Das nervt mich“, entgegnete Alexandra, „wir müssen jetzt gehen und Du hilfst gar nicht mit, dass wir fertig werden.“ Alexandras Stimme wurde immer ärgerlicher. Ihre Botschaft war: Kind, was Du tust, ist falsch.“ Natürlich wollte Alexandra mit ihrem Ärger klar kommen, aber sie sagte wahrscheinlich ziemlich unfaire Sachen zu Mira. Es half gar nicht, Mira dazu zu bringen, schneller zu werden. Nein, Mira baute immer mehr Widerstand auf und warf Sachen durch ihr Zimmer.

Stelle Dir vor..

Mira ist auf dem Spielplatz. Plötzlich ruft Papa Michael: „Wir gehen jetzt!“ Mira schaut überrascht. Sie hat nicht erwartet, jetzt schon zu gehen und konnte nicht zu Ende spielen. Gefangen in ihrer Fantasie und in der Welt des Spiels reagiert sie nicht schnell, und Michael wird ungeduldig. Er möchte wirklich gehen, es ist schon spät…
Kennst Du Deine Motivation, ein Gespräch in Gang zu bringen? Was treibt Dich während des Gesprächs an?

Bedürfnisse hinter der Kommunikation

  • Ich habe ein Bedürfnis und mein Kind soll tun, was ich will, schließlich habe ich auch schon ein Bedürfnis meines Kindes erfüllt.
  • Ich will, dass mein Kind zuhört, weil ich ihm etwas Wichtiges beibringen möchte.
  • Was ich für unsere Gesellschaft bedeutsam finde, möchte ich meinem Kind „lernen“ oder „zeigen.“
  • Ich möchte für mein Kind wichtig sein.
  • Ich will meinem Kind nahe sein und es besser kennenlernen.
  • Keine Ahnung, ist mir nicht bewusst.

Je ehrlicher die Antwort, desto besser kann ich verstehen oder herausfinden, was ich denn wirklich in einem Gespräch, das ich angefangen habe, will. Und Du?
 

(Seelen-) Wellness für Mama (Brief einer Mama)

Liebe Judith,

vor kurzem hat mir eine Mama von Wellness erzählt und wie gut das für sie war. Ich mache heute auch Wellness, wenn auch nichts so, wie man sich das „normalerweise“ vorstellt. Heute gestehe ich mir ein, dass ich viele Bedürfnisse und Wünsche habe und an einem anderen Tag bin ich dann wieder die starke Mama.
Was wünsche ich mir von anderen und von mir selbst?
Das ist der Anfang einer Liste:
Ich wünsche mir, dass mich meine Leute unterstützen. (dazu frage ich meine Leute klar: Wann könnt ihr mir helfen?)
Ich will, dass mein Kind im Alltag mithilft.
Manchmal möchte ich Dinge nur in meinem eigenen Rhythmus tun, nicht langsamer und auch nicht schneller.
Heute brauche ich Unterstützung und ermunternde Worte, aber bitte keine Ratschläge.
Für unser Familienleben brauche ich eine spielerische Haltung (das Leben ist voller Möglichkeiten!), damit ich gespannt unseren Alltag erlebe und mich nicht in Erwartungen verliere (an mich oder an andere). Wünschen kann ich mir immer noch vieles!
In herausfordernden Situationen (also die, die jeden Tag vorkommen) brauche ich einen langen Atem (also atme ich lange aus oder beobachte meinen Atem).
Wow, ich atme gerade schnell. Der Rhythmus ist schnell. Ich beobachte ihn nur. Nach einer Weile wird der Rhythmus langsamer, nicht weil ich ihn verändere, nur weil ich ihn beobachte.
Manchmal fühle ich mich schon nach diesen Sekunden Wellness wieder ausgeglichener.
Wie ist es bei Dir, Judith? Hetzt Du noch durch den Tag (wie ich so oft) oder atmest Du schon?

Bis bald,

Deine Alexandra

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Hallo Alexandra,

Atmen ist schon ein tolles Werkzeug. Wenn ich mal wieder Achterbahn fahre, hilft mir diese Technik:
Ich spüre die Bewegung vom Zwerchfell, das kennst Du wahrscheinlich. Es ist der Atemmuskel überhaupt! Ich lege eine Hand auf den Oberbauch (geht natürlich auch ohne Hand) und atme in den Bauch ein. Dort bewegt sich das Zwerchfell nach unten, beim Ausatmen wandert es wieder hoch. Dabei lasse ich meinen Atemrhythmus so, wie er ist, denn wenn er langsamer sein muss, als er gerade ist, stresst mich das nur unnötig.
Einfach, kurz und doch nicht immer leicht zu tun! Ich übe das jeden Tag.

Alles Liebe,

Deine Judith

 
 

Mama unter Druck – Alle wollen etwas von mir (Brief einer Mama)

Alle wollen etwas von Judith, sogar sie selbst. Mama Judith steht zwischen den Stühlen: Kind, Partner, Job, Freunde, Selbstfürsorge… Am Abend schreibt die entmutigte Judith ihrer Freundin Alexandra, die auch Mama ist, einen Brief.

Liebe Alexandra,

ich könnte schreien!

Mein Sohn ist heute in sein Zimmer gerannt und war total wütend auf mich. Ich habe ihm versprochen, dass wir heute Nachmittag in die Kletterhalle fahren, aber ich habe mich nicht daran gehalten. Mein Chef hat mir eine Email gesendet mit dem Betreff „Dringend, am besten gestern erledigen.“ Dabei wollte ich nur am Vormittag im Home Office arbeiten und am Nachmittag mit Tim in die Kletterhalle fahren.
Alle wollen etwas von mir, auch ich. Überall lese ich, wie wichtig Selbstfürsorge ist: Mache Dich locker und entspanne, bewege Dich, so viel Du kannst; nehme Dir jeden Tag Zeit für Dich, schlafe genug und gestalte ein aufregendes Leben. Verbringe quality time mit Deiner Familie, bringe Abwechslung in Deine Partnerschaft, genieße Deinen Job, habe Spaß mit Freunden, leiste eine sozialen Beitrag…

Was ich auch mache, immer ist einer unzufrieden, andere oder ich selbst!

Denn, wenn ich eine Sache mache, ist irgend jemand unzufrieden, dass ich in dieser Zeit etwas anderes nicht mache.
Dabei weiß ich doch, wie wichtig es für alle ist, zufrieden zu sein. Aber es gelingt mir nicht. Alles ist jenseits von perfekt. Wenn Du Ideen hast, was ich ändern kann, schreibe mir. Danke Dir.
Bis bald,
Deine Judith
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Alexandra schreibt Judith einen Brief zurück.

Liebe Judith,

fühle Dich mal umarmt!

Das ist eine Menge Druck, den andere Dir machen. Wie viele andere Mamas, mich eingeschlossen, machst Du Dir auch selber Druck.
Das ganze Leben wird zu Aufgaben auf der to do Liste und steht wie ein unüberwindbarer Berg vor Dir, meinst Du das? Was Du auch tust, irgend etwas schaffst Du nicht und bist unzufrieden. Wenn Du selbst nicht unzufrieden bist, sind es andere. Das kenne ich sehr gut. Unsere eigenen Erwartungen und auch die anderer Menschen sind manchmal einfach sehr hoch. Enttäuschungen sind also zu erwarten. Wenn ich 3 Tage Nudeln in Folge anbiete, erfülle ich nicht die Erwartung an eine abwechslungsreiche Küche (allerdings ist gesund kochen Ansichtssache und sehr individuell). Wenn mir nicht nach Paarzeit ist, obwohl ich weiß, wie wichtig es ist, Partnerschaft zu leben, erfülle ich die „Aufgabe“ Partnerschaft zu pflegen“ nicht.

Gegen diese Unzufriedenheit anzukämpfen hilft nicht, denn sie ist schon da, bei anderen oder bei uns Mamas.

Spontane Gedanken dazu sind: Die Email sollte nicht heute kommen, da Judith Tim den Ausflug in der Kletterhalle versprochen hat. Tim sollte nicht so unzufrieden sein, denn Judith holt den Ausflug nach. Deine Situation könnte Dich auch zu den Gedanken einladen: Das ist die Gelegenheit, meinem Chef klar zu sagen, dass ich mich Morgen um die Arbeit kümmere. Tim kann erfahren, dass Unzufriedenheit ein Teil des Lebens ist und wir den Auflug ein anderes Mal machen. Ich kann lernen, Prioritäten zu setzen (es gibt hier keine „richtige“ Antwort). Unzufrieden sein bedeutet, herauszufinden, was Dich und Deine Lieben zufrieden macht. Tims Unzufriedenheit kannst Du nachempfinden, weil Du selbst die Erfahrung gemacht hast, wie es ist, unzufrieden zu sein. Es kann euch also näher zusammen bringen. Die Unzufriedenheit kann ein Stachel sein, etwas zu ändern – einen Glaubenssatz (in der Arbeit muss ich geben, was ich kann; ich muss mein Kind glücklich machen usw.)
Um nicht in der Unzufriedenheit fest zu stecken, kannst Du Dich fragen: In welchem Moment war ich heute zufrieden?
Wenn Du die Unzufriendheit erlebst und danach Dein Gefühl durch einen anderen Gedanken änderst, gewinnst Du hoffentlich auch eine neue Perspektive zu handeln.
Ciao,
Deine Alexandra
 
 

Ich will keine Veränderung! (6. Brief an die Tochter)

Mama Alexandra schreibt ihrer Tochter Mira (5 Jahre) wieder einen Brief, dieses Mal über Veränderungen im Leben, die uns Angst machen, aber auch neugierig machen können.
Wenn Mira die Lust zum Lesen entdeckt, wird Alexandra ihr die Briefe geben.
Liebe Mira,
Du verstehst nicht, warum eine Deiner Freundinnen im Kindergarten bleiben will und nicht in die Schule gehen will, denn Du selbst bist schon so neugierig! Was Deine Freundin kennt, ist ihr vertraut und sie fühlt Dich wohl damit. Sie will es nicht verlieren. Wer weiß, ob es in der Schule auch so ist, wie im Kindergarten, ob man dort auch so schön spielen und lernen kann? Ob sie dort neue Freunde findet? Irgendwann wird es Deiner Freundin langweilig im Kindergarten werden, aber jetzt ist ihr der Kindergarten bekannt und vertraut. „Vielleicht ist es in der Schule total blöd“ hat sie Dir erzählt.
Veränderung und neue Orte machen auch mir Angst, Mira. Angst, dass ich mich an dem neuen Ort unsicher fühle oder dass ich von anderen Menschen enttäuscht werde.
Dann hilft es mir, wie bei einer Reise einen Schritt nach dem anderen zu gehen.
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Alles auf einmal ist viel zu viel, da verliere ich den Mut. Schritt für Schritt, ganz genau so, wie Du Laufen gelernt hast. Zuerst hast Du Dich hochgezogen, irgendwann bist Du an den Möbeln entlanggelaufen und irgendwann losgelaufen. Dazwischen bist Du umgefallen, aber Du bist immer wieder aufgestanden und wolltest laufen. Deine Freundin hat es doch auch geschafft, obwohl Laufen auch für sie ganz neu war!
Ich wünsche Dir Kraft und Mut für alles, was sich in Deinem Leben ändert, dass Dich Deine Neugierde an verschiedene Orte bringt, und dass Du gespannt bist auf neue Menschen!
In Liebe,
Mama
 

Willst Du mehr von Mira und Alexandra erfahren?

Warum Eltern drohen, ohne es zu wollen (1. Brief an die Tochter)

Miteinander reden und Leben lernen (2. Brief an die Tochter)

Nein! Widerstand leisten ist zweckvoll (3. Brief an die Tochter)

Es tut nicht weh und wenn doch? (4. Brief an die Tochter)

Das Schweigen der Mama (5.Brief an die Tochter)

Warum Mama nicht bei Oma wohnt (Familiengeschichte 1)

 

Das Schweigen der Mama (5. Brief an die Tochter)

Mama Alexandra schreibt ihrer Tochter Mira (5 Jahre) wieder einen Brief, dieses Mal über Mamas, die schweigen. Schweigen bedeutet nicht zu wissen, was man sagen soll oder etwas nicht sagen wollen.
Wenn Mira die Lust zum Lesen entdeckt, wird Alexandra ihr die Briefe geben.

Liebe Mira,

als Du die Schuhe mit Erde ins Wohnzimmer gestellt hast, habe ich zunächst geschwiegen, denn ich hatte Dir gerade gesagt, dass Du die Schuhe bitte auf dem Balkon lassen sollst, damit sich die Erde nicht überall in der Wohnung verteilt.
Ich war traurig und verärgert, weil Du mir nicht zuhörst oder eben das machst, was Du willst und nicht das, was ich will.
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Mein Schweigen hat Dir nicht gefallen, Mira. Du wolltest plötzlich wieder die Wände anmalen, wobei Du das schon lange nicht mehr tust und Du wolltest, dass ich etwas sage!
Da fiel mir ein, wie es war, als Oma, also meine Mama, geschwiegen hat und dass mir das als Kind Angst gemacht hat. Wenn jemand in einer Unterhaltung schweigt, weiß er nichts dazu oder er will nichts dazu sagen. Als Oma nichts sagen wollte, habe ich mich mies gefühlt. Ich wusste nicht, was es bedeutet. Stell Dir vor, heute habe ich selbst geschwiegen, obwohl ich weiß, wie ätzend das ist! Entschuldige Mira!
Manchmal schweigst auch Du Mira, wenn Du etwas nicht weißt oder wenn Du nicht reden willst.
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Wenn wir uns lange anschweigen, werden wir uns fremder und davor habe ich Angst.
Was ist denn eigentlich passiert? Bin ich verärgert, verletzt oder weiß ich gerade nicht weiter?

Wenn ich Dir das nicht sage, mache ich vielleicht später aus einer Mücke einen Elefanten (eine kleine Sache regt mich sehr auf), und Du bist überrascht, weil mich irgendeine Kleinigkeiten so aufregt. Du siehst, es hat nichts mit Dir zu tun, aber mit mir!

Wenn ich mal wieder schweige, bin ich gerade nicht mutig genug, Dir zu zeigen, was in mir vorgeht oder ich will nicht zugeben, dass ich gerade nicht weiter weiß. Ich arbeite daran, mutig genug zu sein.

In Liebe,
Mama
 

Nein! Widerstand leisten ist zweckvoll (3. Brief an die Tochter)

Mama Alexandra schreibt ihrer Tochter Mira einen Brief über Kinder, die Nein sagen und Widerstand leisten. Kinder wollen manchmal etwas anderes als Eltern.
In diesem dritten Brief spricht Alexandra über den Widerstand von Mira, über ihren eigenen Widerstand, und über die Herausforderung, Mira zu führen. Wie kann Alexandra Mira trotz Widerstand führen?
Wenn Mira (5 Jahre) die Liebe zum Lesen entdeckt, wird Alexandra ihr den Brief, den sie schon heute schreibt, geben.
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Liebe Mira,
„Nein“ hast Du heute Morgen zu mir gesagt. Du wolltest Dich weder waschen noch anziehen, Du wolltest spielen! Ich habe gesagt: „Ziehe Dich bitte an, damit wir in den Kindergarten gehen können.“
Ich als Mama muss/ darf/ will

  • pünktlich sein
  • arbeiten

Du als Tochter willst

  • spielen, also lernen und zwar
  • JETZT!

Ich war sauer, weil Du Dich in Dein Kinderzimmer gesetzt hast und nichts gemacht hast. Du warst sauer, weil ich etwas von Dir wollte, was Du jetzt gar nicht wolltest.
So geht es mir manchmal und Dir auch. Was Du willst, will ich nicht und umgekehrt. Das haben wir gemeinsam!

Wie kann ich Dich als Mama führen, wenn Du nicht geführt werden willst?

Nachdem wir, später als ich wollte, und früher als Du wolltest, im Kindergarten waren, habe ich ein Rollenspiel im Kindergarten beobachtet. „Hiergeblieben, ich verhafte Dich“, sagte der Polizist Tim zum Räuber Ben. Ben grinste und lief weg, Tim verfolgte Ben und hatte Spaß, weil Tim nicht hier bleiben wollte und sich jagen lassen wollte.
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Bevor ich Dich führe, brauchst Du vielleicht etwas ganz anderes von mir?

  • Ein Spiel? Wir spielen, wer was will. Wir spielen nicht, Du machst, was ich Dir sage. Du bist mir wichtig, und ich bin Dir wichtig, deswegen will ich wissen, was Du willst und Du willst wissen, was ich will.
  • Ich will mir Deine Wünsche und Ideen anhören, habe aber am Morgen nicht so viel Ruhe zum Zuhören. Kannst Du es mir heute Nachmittag/ Abend erzählen?
  • Ich lasse Dich 5-10 Minuten mit Deinen Stofftieren spielen (dabei warst Du gerade), und danach gehst Du in das Bad zum Waschen.

Was mache ich, wenn Du dann immer noch nicht bereit bist? Warum hilfst Du nicht mit?

Du möchtest mitteilen, was Dir wichtig ist. Gestern hast Du schon so viel gemacht, was andere wollten, (ich vergesse das manchmal) und jetzt möchtest Du endlich tun können, was Du willst. Du übst für den Tag, an dem Du Dein eigener Chef bist.
Jetzt leben wir noch in einer Familie. Irgendwann hast Du Dein eigenes Leben. Du hast eine Meinung, Papa hat eine Meinung, und ich habe eine Meinung. Deswegen geht es manchmal nach Deinem Kopf, manchmal nach Papas, manchmal nach meinem und manchmal nach keinem unserer Köpfe.
Wenn wir also mal wieder eine dieser Situationen erleben, in denen keiner von uns will, was der andere will, frage ich mich:

  1. Was willst Du? Was will ich?
  2. Wie kann ich Dich führen? (mit dem Ziel, dass Du Dich eines Tages ganz selbst führst)

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Manchmal tröstet es Dich schon, wenn ich sehe, dass Du gerade nicht willst, was ich will. Wenn Du immer wieder Gelegenheiten hast, in denen Du frei spielen kannst, so wie Du willst, lässt Du Dich auch wieder von mir führen.
An manchen Tagen wird das gelingen und an manchen Tagen werde ich mir wünschen, dass es gelingt. Dann brauche ich Deine und meine Geduld.
In Liebe,
Mama
 

Willst Du mehr von Mira und Alexandra erfahren?

Warum Eltern drohen, ohne es zu wollen (1. Brief an die Tochter)

Miteinander reden und Leben lernen (2. Brief an die Tochter)

Warum Mama nicht bei Oma wohnt (Familiengeschichte 1)