15 (Spiel-) Tipps für frischgebackene Eltern mit Baby im 1. Monat

 

„Wie ist das Eltern sein mit eurem Baby?“, fragen Freunde und Bekannte nach einer Geburt. Ich lebe nur von Moment zu Moment, mache das, was zu tun ist und zwischendurch erlebe ich die schönsten (Spiel-)momente mit meinem Kind. Klingt nach Notfallprogramm und einer erfüllten Zeit.

Beides stimmt, so verrückt es auch klingt. In den ersten Tagen und Wochen nach einer Geburt lernen sich Eltern und Kinder gegenseitig kennen. Was haben wir denn gespielt? Uns schlafsparenden Eltern spielte unser Gedächtnis so manchen Streich. Dennoch, hier kommen meine verschwommenen Erinnerungen, gemischt mit anderen fünfzehn (Spiel-)Tipps für die erste Zeit.

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Kontakt

Tipp #1: Körperkontakt

Tragen, Streicheln, Stillen. Finde heraus, was zu Dir und zu Deinem Kind passt. Wir haben eine sehr lange Känguru-Zeit verbracht und viel getragen. Dank Trageberatung haben wir viel „gespielt“ mit Tragen vor dem Bauch und später auf dem Rücken. In den ersten Wochen hatten wir unsere Kleine aber auch viel auf dem Arm. Manchmal wollen Babys nur Kontakt und keine Spielanregung.

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Hören

Tipp #2: Music is everywhere

Muss es eine Babyrassel sein? Es kann. Unsere eigene leise Musik, selbst gespielt oder selbst gehört, direkt neben unserem Kind, ist eine andere attraktive Möglichkeit. Leise Gitarrenmusik und auch Salsa Musik kam bei uns ganz gut an.

Tipp #3: Laute und Sprache

Wir ahmen die Laute unseres Lieblings nach. Quietschkuss, Zungenschnalzen, Pusten… Albern? Ich lerne immer wieder, von meiner Tochter, albern zu sein. Trotzdem nicht in der Laune? Wir lesen ein eigenes Buch oder die Wirtschaftsnachrichten vor. Unsere Tochter hat den scheinbar uninteressantesten Dingen gelauscht, weil es für uns interessant war. Oder noch einfacher. Wir erzählen, was wir gerade tun oder wo wir auf der Straße entlang gehen.

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Sehen

Tipp #4: Beobachten, beobachten, beobachten

Wir beobachten unser Kind – was macht es? Es ist herausfordernd, für uns Macher nur da zu sein und wahrzunehmen – mit oder ohne Worte, welchen Gesichtsausdruck das Baby zeigt. Wir machen daraus ein spontanes Spiel und ahmen nach, was wir sehen.

Tipp #5: Nähe

Du siehst in den Augen Deines Kindes noch sehr verschwommen aus. Wir gehen nah ran, unser Kind erkennt mehr, wenn wir nur ca. 25 cm entfernt sind.

Tipp #6: Kontrastbilder

Alle starken Kontraste sind leichter wahrzunehmen, deswegen hat Babyspielzeug oft kontrastreiche Farben. Schwarz-Weiß ist auch ein starker Kontrast. Habt ihr noch schwarz-weiß Bilder von der Familie im Schrank?

Tipp #7: Augen folgen

Waagrechte Bewegungen sind leichter zu verfolgen im Gegensatz zu senkrechten Bewegungen. Wir wiegen unser Baby im Arm, fast automatisch geht unser Kopf in einer waagrechten Bewegung mit. Bewegungen von oben nach unten kann das Baby mit ca.3 Monaten gut verfolgen.

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Bunter Mix

Tipp #8: Spielen mit Geschwisterkindern

Tragen ist auch eine gute Möglichkeit für Eltern, die große Geschwisterkinder haben. Dein Jüngster oder Deine Jüngste ist von Anfang an im Spiel der Geschwister dabei.

Tipp #9: Vom Bauchlieger zum Krabbler

Das ist ein Tipp, den ich recherchiert habe. Lege Dich auf den Rücken oder lehne Dich weit zurück und lege Dein Kind kurz in Bauchlage auf Dich. So kann das Baby Kraft in den Armen und im Oberkörper aufbauen, um später z.B. krabbeln zu können. Ein eingerolltes Handtuch auf der Brust kann das Baby stützen. Es ist nämlich sehr anstrengend, den Kopf kurz zu halten.

Mein Tipp: Keep it easy and slow, Eltern sind gerne ehrgeizig 😉

Tipp #10: Spielpositionen

Wir können unser Baby in verschiedenen Postionen halten und ihm zugewandt sein. Das allein ist ein Spiel mit den unterschiedlichen Körperstellungen. Eine Hand bzw. ein Arm hält den Kopf, der andere Arm hält den Po. Der Kopf vom Baby lehnt an der Brust, damit es unseren Herzschlag  hören kann.

Unser Baby liegt auf unseren angewinkelten Beinen, wir halten es im Fliegergriff (zwischen den Beinen des Babys hindurch greifen und seinen Bauch auf unserem Unterarm ruhen lassen, der andere Unterarm stützt den Kopf). In den ersten Wochen haben wir viel im beruhigenden Fliegergriff getragen.

Tipp #11: Mimik und die Welt der Gefühle

(Un)geschminkt oder (un)rasiert zeigen wir, wie wir lachen, traurig schauen, verärgert aussehen oder überrascht. Unser Gesichtsspiel lädt unser Baby zum nachahmen oder beobachten ein. Blinzeln, Augenbrauen hochziehen, Mundwinkel hängen lassen, lächeln…

Tipp #12: Das Leben ist bunt

Gemeinsam leise Musik hören, eigene Lieder singen, von einem interessanten Erwachsenenbuch sprechen. Babys finden jetzt alles spannend, was ihre Leute tun! Wir machen also auch etwas, was wir gerne tun!

Tipp #13: Spielpause

Wenn das Baby schläft, ist eine Spielpause und auch eine Gelegenheit zum ausruhen. Zumindest wenn große Geschwisterkinder versorgt sind und ihr den Haushalt mit eurem wachen Baby (im Tragetuch, auf einer Decke mit Sichtkontakt zu euch) erledigen könnt.

Schlafen auf Knopfdruck ist schwer. Wer zum schlafen viel trägt, wie wir, schließt kurz die Augen oder setzt sich in einen Schaukelstuhl und macht die Augen zu. Das ist ein kleiner Trost, wenn sich Schlaf rar macht.

Tipp #14: Nichts für Dich dabei?

Manche Anregungen eignen sich vielleicht erst später – weil Dein Baby noch sehr, sehr viel schläft (ja, das soll es geben). Im ersten Monat willst Du vielleicht ganz andere Dinge tun, wie euch als Familie kennen zulernen, Freunde und Verwandte empfangen oder herausfinden, wann Du mit Baby duschen kannst 😉 oder oder oder.

Tipp #15: Reaktion statt Animation

Wir beobachten mehr, wie unser Kind reagiert als es mit Anregungen zu überladen. Welch Glück, dass Babys mit weniger meist zufriedener sind als mit zu vielen Dingen. Kopf wegdrehen oder Weinen bedeutet ich bin müde, habe Hunger, mir ist kalt, ich mag Körperkontakt oder was soll ich damit? Wir probieren vieles im Schneckentempo aus, warten die Reaktion ab, machen weiter oder hören auf.

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Was mag Dein Kind? Hast Du ein gemeinsames Spiel entdeckt bzw. etwas worauf Dein Kind positiv reagiert?

Quellen:
babycenter.de

 Weitere (Spiel-) Tipps:

15 (Spiel-) Tipps für frischgebackene Eltern mit Baby im 1. Monat
15 (Spiel-) Tipps für Eltern mit Baby im 2. Monat
15 (Spiel-) Tipps für Eltern mit Babys im 3. Monat
23 (Spiel-) Tipps für Eltern mit Babys im 4. Monat
16 (Spiel-) Tipps für Eltern mit Babys im 5. Monat
12 (Spiel-) Tipps für Eltern mit Babys im 6. Monat
9 (Spiel-) Tipps für Eltern mit Babys im 7. Monat
15 (Spiel-) Tipps für Eltern mit Babys im 8. Monat
20 (Spiel-) Tipps für Eltern mit Babys im 9. Monat
18 (Spiel-) Tipps für Eltern mit Babys im 10. Monat
14 (Spiel-) Tipps für Eltern mit Babys im 11. Monat

Podcast: Kinder ohne Strafe und ohne logische Konsequenz begleiten

 
Wie bringe ich mein Kind dazu, etwas zu tun – ganz ohne Strafe und ohne logische Konsequenz? Geht das überhaupt? In unserem heutigen Podcast geht es genau darum.

Jetzt anhören:

 

3 Dinge, die Kinder brauchen, um Urvertrauen zu entwickeln

Betrachte die Welt als dein Selbst,
habe Vertrauen zum Sosein der Dinge,
liebe die Welt als dein Selbst;
dann kannst du dich um alle Dinge kümmern.
Laotse

Was ist eigentlich Urvertrauen?

Laut Wikipedia entwickelt sich Urvertrauen „im sehr frühen Kindesalter durch die verlässliche, durchgehaltene, liebende und sorgende Zuwendung von Dauerpflegepersonen (zumeist den Eltern). Es verschafft die innere emotionale Sicherheit, die später zu einem Vertrauen in seine Umgebung und zu Kontakten mit anderen Menschen überhaupt erst befähigt.
Urvertrauen ist demnach sowohl Grundlage für das Selbstwertgefühl wie für das Vertrauen in andere.

Ist es nicht ganz einfach, Urvertrauen zu entwickeln?

Als ich diese Wikipedia-Definition gelesen habe, war ich irgendwie verwundert: werden denn diese Grundlagen nicht von nahezu allen Familien erfüllt? Kenne ich etwa Eltern irgendwo in meinem weitesten Bekanntenkreis, denen ich diese „liebende und sorgende Zuwendung“ ihrer Kinder ernsthaft absprechen würde? Eigentlich kaum. Gibt es dann aber überhaupt einen Grund, Urvertrauen überhaupt hier mit aufzunehmen? Ist das nicht nur ein Problem von Extremfällen?
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Warum haben dann so viele Menschen ein schwaches Selbstwertgefühl?

Wenn ich mir andererseits überlege, wie viele Menschen allein mir im vertraulichen Gespräch schon über Probleme mit ihrem Selbstwertgefühl berichtet haben…
Oder wie viele Menschen mir schon begegnet sind, die anderen gegenüber im Grunde eher vorsichtig bis misstrauisch sind…
Und das sind jetzt nur diejenigen, die mir gegenüber ein so starkes Vertrauen hatten, dass sie sich mir so zeigen konnten, wie sie sind.
Alle anderen ausgeschlossen, die sich grundsätzlich nicht so weit öffnen würden – oder zumindest nicht mir gegenüber…
Und dabei würde ich ihre Familien absolut nicht als Extremfälle bezeichnen!
Ausnahmslos alle stammen aus eher bürgerlichen Verhältnissen mit mehr oder weniger durchschnittlichen Familien.
Hat sich denn vielleicht alles verändert inzwischen? Sind das Auswirkungen von früher, als noch weniger liebevolle Erziehungsmethoden praktiziert wurden? Ist heute alles besser geworden?
Das kann ich irgendwie nicht ganz glauben.
Ist es dann vielleicht so, dass das Grundvertrauen sich zwar entwickelt hatte, aber später zerstört wurde?
Hm, gerade das spricht aber gegen das Konzept dieses Begriffs. Gerade ein gesund entwickeltes Grundvertrauen macht die Menschen ja eher stark, so dass Enttäuschungen nicht zu viel Schaden anrichten (Extremfälle ausgeschlossen) – und die grundsätzliche Haltung positiv bleibt.

Urvertrauen ist keine Selbstverständlichkeit

Woran es auch immer mangeln mag, die Entwicklung von Urvertrauen ist absolut keine Selbstverständlichkeit. Vielleicht haben wir in unserer Gesellschaft hier noch nicht den richtigen Blick entwickelt für das, was Kinder unbedingt brauchen? Was bedeutet es eigentlich, dass diese Zuwendung „verlässlich“ sein muss, damit sich Grundvertrauen entwickelt? Wann bin ich als Papa meiner Tochter gegenüber unzuverlässig? Inwiefern und in welchen Situationen könnte sie sich von mir „im Stich gelassen“ fühlen?
Keine einfachen Fragen…
Vermutlich ist das für jeden Papa und jede Mama eine Frage, die er oder sie nur für sich selbst beantworten kann.
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Wie gehen wir in unserer Familie mit dem Thema um?

Damit Toto Grundvertrauen entwickeln kann, braucht sie unserer Meinung nach vor allem Geborgenheit, das Gefühl von Selbstwirksamkeit und den Schutz ihrer Integrität.

Geborgenheit

Gila und ich versuchen alles, was in unserer Macht steht, um für Toto eine Art Schutzhafen zu sein. In dem sie so sein darf wie sie ist, in dem Lachen und Weinen dazu gehört, angenommen und ernst genommen wird.
Kennt ihr das, wenn Kinder wollen, dass ihr auf ihre Hand blast, wenn sie hingefallen sind? Natürlich könnte man es ablehnen, weil es nichts bringt oder weil sie sich ja nicht wirklich sooo weh getan haben können.
Aber kommt es wirklich darauf an, wie sehr sie sich weh getan haben?

Selbstwirksamkeit

Zur Stärkung ihres Gefühls von Selbstwirksamkeit unterstützen wir nach Kräften alle Ansätze von Toto, etwas selbst(!) oder allein(!) zu tun.
Allerdings drängen wir sie nicht, da wir die Erfahrung gemacht haben, dass der natürliche Drang zur Selbständigkeit groß genug ist! ?
Wir ermutigen sie, wenn wir merken, dass sie es braucht. Aber wir versuchen zu akzeptieren, wenn sie mal wieder sagt: „Das möchte ich erst machen, wenn ich etwas größer bin.“ (Wortlaut Toto)
Wenn sie es aber von selbst möchte, darf sie (mit wenigen allzu gefährlichen oder teuren Ausnahmen) alles ausprobieren – auch wenn dadurch die Überlebenswahrscheinlichkeit bedeutender Dinge unseres Hausrats eindeutig vermindert wird.
Insbesondere komme ich persönlich immer wieder ins Schwitzen, wenn Toto neue und höhere Kletterziele für sich in Angriff nimmt. Erst vor kurzem ist sie mit größter Selbstverständlichkeit auf den absolut höchsten Turm des Spielplatzes geklettert. Zwar war das Herunterkommen dann nicht ganz so leicht, aber da war ja dann Papa da. (Ein Papa im Übrigen, der sich selbst nicht gerade als Kletteraffe definieren würde. Erst recht nicht, wenn er nur eine Hand zur Verfügung hat und unter dem anderen Arm eine hochzufriedene Tochter abseilt.)
Ein anderes Beispiel, das ich von einem unser Leser (danke Beni!) gehört habe, hat mich auch beeindruckt. Er übt mit seinem Kind ‚Intuitives Bogenschießen‘. Eine tolle Übung auch des eigenen Vertrauens auf die eigenen Fähigkeiten! (Wer mehr dazu erfahren will, melde sich bei mir!)

Schutz der Integrität

Gerade in Situationen des sogenannten „Trotzes“ bemühen wir uns, Totos Integrität so gut zu wahren wie wir können. Auch wenn es in diesen Situationen auch oft nicht gelingt. Wir versuchen also weitestgehend, uns nicht mittels elterlichen Zwangsmaßnahmen („trotziges Kind einfach ins Auto tragen“ o. ä.) durchzusetzen. Natürlich ist das nicht immer leicht, und wir kommen dabei regelmäßig an unsere Grenzen.
Aber wir üben uns von Tag zu Tag in größtmöglicher Geduld und Gelassenheit! 😉
In diesem Sinn wünsche ich auch euch größtmögliche Gelassenheit und freue mich über alle Meinungen und Tipps, die ihr zur Entwicklung von Urvertrauen habt.
Alles Liebe!
Andreas
Schaut euch doch auch meine anderen Posts unserer Blogreihe  „Wie wird mein Kind stark fürs Leben?“ an:
Wie wird mein Kind stark fürs Leben?
4 Stärken, die Kinder von heute brauchen
Wie du die Kreativität und Anpassungsfähigkeit deines Kindes fördern kannst

Beziehung und Führung – Kinder im 21.Jahrhundert begleiten mit 2 Fragen

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Wie wollen wir unsere Kinder im 21.Jahrhundert begleiten, dass wir eine vertrauensvolle Beziehung zu unserem Kind aufbauen und liebevoll führen lernen?

„Der Weg ins dritte Jahrtausend – Gedanken zur Kinderbegleitung im 21.Jahrhundert“ ist das Thema der Blogparade von Zwerggeflüster. Was möchten wir Kindern mit auf den Weg geben? Wie sieht eine ideale kindgerechte Welt dazu aus? Louise vom Elternblog Zwerggeflüster regt uns mit einigen Leitfragen an, worauf es in der Erziehung ankommt.

Führung im 21. Jahrhundert?

In Zeiten, in denen zehnjährige Kinder aus ihrem Land flüchten, alleine ein Mittelmeer überqueren und Kindern weltweit sauberes Wasser, Essen, medizinische Hilfe oder Bildung fehlen, wünsche ich mir kinderfreundlichere Welten. Trotzdem traue ich mich heute, naiv in meiner eigenen kleinen Welt, von würdevoller Kinderbegleitung zu träumen, weil meine kleine Welt auch ein Teil der großen Welt ist.

Erziehung als Beziehung

Solange die Kinderwürde nicht verletzt wird, ist die Begleitung von Kindern individuell. Der dänische Familientherapeut Jesper Juuls spricht davon, dass „Erziehung“ Beziehung  ist. Die Tochter lernt mich als Person kennen und ich lerne sie kennen, womit alles anfängt…

Wie unser Kind ist, statt wie es sein soll

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Beim Beobachten erfahre ich, was mein Kind tut, wie es etwas tut und welche Gefühle es zeigt. Mit den Worten der Reformpädagogin Maria Montessori: „Die Aufgabe der Umgebung ist nicht, das Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren.“

Was wir in unserer Familie wollen

Integration

Ob Umzug, Schrankbretter schrauben, Spülmaschinentaufe, Besuch von Freunden, das Leben im Büro, die Tochter ist fast überall dabei. Sie sieht so, was und wie wir etwas tun, wie wir aufeinander zugehen, gemeinsam lachen, Angst haben, uns ärgern, traurig sind oder froh. Nein, wir sind nicht immer Vorbilder. Ja, wir können uns entschuldigen.

Intuition

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Wir Eltern sind in einem Prozess, was wir als Familie wollen. Unsere Kinder brauchen uns in ihren Lebensphasen auf unterschiedliche Art und Weise. Wie? Das finden wir gemeinsam mit ihnen heraus. Brauche ich Studien, die den Cortisolspiegel  im Blut schreiender allein gelassener Babys messen? Oder brauche ich manchmal den Mut, jenseits von Gedanken meiner Eingebung in einer Situation zu vertrauen? Die Expertenmeinungen und gut gemeinten Ratschlägen können uns aber auch einladen, uns neben unserer Intuition zu fragen:

Wissen wir Eltern, wie wir führen und warum wir führen?

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Die Tochter kennt mich perfekt unperfekt und sie weiß auch, dass ich mich entschuldigen kann. Nicht dafür, wie ich bin, aber dafür, wie unbewusst ich manchmal handle. In der kurzen Version für Kinder: „Tut mir leid, ich wollte das nicht“.

Mit 2 Fragen die Beziehung gestalten

1.Frage: Wie reagiere ich kurzfristig?

Ich glaube, dass wir sehr häufig reagieren statt zu handeln. Wir reagieren aus Gewohnheit oder aus einem Verhaltensmuster und weniger aus dem Bewusstsein heraus, was wir damit erreichen möchten. Absolut menschlich. Wenn wir jedes Mal neu überlegen müssten, wie wir Zähne putzen oder wie die Gangschaltung im Auto funktioniert, wäre das sehr anstrengend. Also danke den Automatismen. Nur, was helfen sie uns in der Begleitung von Kindern? Beim Anziehen unserer Kinder und beim Brot streichen erleichtern sie unseren Alltag. In Konflikten helfen mir Muster oft nicht oder führen nur zum gleichen Streit.

2.Frage: Wie möchte ich langfristig handeln?

Vermittle ich als Mama oder als Papa mit meinem eigenen HANDELN auch das, was mir LANGFRISTIG am Herzen liegt? Wenn nicht, wie zeige ich jetzt, was ich langfristig vermitteln will? Eine vertrauensvolle Beziehung, Eigenständigkeit, Willensstärke, Empathie…
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Meine vier „Lieblinge“ für die Begleitung von Kindern

Nachspüren

Warum Kinder sind, wie sie sind oder handeln, wie sie handeln, ist aus Sicht der Eltern manchmal schwer zu verstehen. Umgekehrt sicher auch. Deswegen spüre ich gern nach: Wie fühlt sich mein Kind, wie fühle ich mich? Was braucht mein Kind, was brauche ich? Trost, Ruhe, Aktion…

Liebevoll und authentisch handeln

Die Babyzeit ist ein Ausnahmezustand, in der Eltern ungeahnte Kräfte frei setzen können und tun, was ihrer Intuition nach zu tun ist. Gegenübern Kindern liebevoll zu sein, bedeutet weder, zu allem Ja noch zu allem Nein zu sagen. Ein ehrliches Nein ermuntert Kinder, dass auch sie mit einem Nein Ja zu sich sagen. Wer mehr dazu lesen möchte, kann das in Jesper Juuls Buch „Nein aus Liebe: Klare Eltern – starke Kinder*“ tun.

Handlungsspielräume gestalten

Ich mag Räume, in denen Kinder in ihrem Rhythmus und nach ihrem Interesse die Welt entdecken. Das können Spielstationen sein, die das Spiel nicht nur vorgeben, sondern Gestaltungsfreiheit lassen. Oder freie Spielzeit draußen und Zeit in der Natur.

Humor haben

Lachen verändert oft meine Sichtweise. Sogenannte „Trotzphasen“ sind vielleicht Phasen, in denen Kinder sich selbst finden müssen und noch nicht wissen, was sie wollen. Tatsache ist, dass Kinder manchmal etwas anderes wollen als Eltern. In der Familie lachen wir gerne und brauchen viel Humor, auch wenn oder gerade dann, wenn es mal nichts zu lachen gibt.
Andere Beiträge zum Thema Elternsein lest ihr hier:

Warum perfekte Eltern ungenießbar sind!

Machen wir es richtig?

Kinder brauchen keine Zähmung!? – Die Geschichte der Kindererziehung

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Wie ich hier schon einmal beschrieben habe, mache ich mir im Grunde wenig Sorgen darüber, ob sich unsere Tochter „gut entwickeln“ wird.
Aber natürlich denke ich als Papa immer wieder nach, wie ich in verschiedenen Situationen angemessen „reagiere“.
Und darüber hinaus interessiere ich mich generell dafür, wie mit Kindern umgegangen wird. Oder wie sich die Erziehungsstile im Lauf der Zeit geändert haben.

Ich glaube inzwischen, dass sich gerade in der Form der „Kindererziehung“ die Gesellschaft unfreiwillig und unbewusst von ihrer „wahren“ Seite zeigt. Und das scheint schon immer so gewesen zu sein…

Tatsächlich beschäftige ich mich verstärkt mit dem Thema, seit ich auf den Familientherapeuten Jesper Juul gestoßen bin. Jesper Juul scheint zur Zeit einer der prominentesten Autoren und Ratgeber in Sachen „Kindererziehung“. Und ich kann sagen, ich habe jetzt mit großem Interesse sein Buch „Dein kompetentes Kind„* gelesen. Daher möchte ich euch heute ein paar Inhalte daraus vorstellen, die ich spannend finde.

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Die Geschichte der Kindererziehung

Zuvor verweise ich euch jedoch – quasi zur Hintergrundlektüre – auf zwei Seiten, auf denen man sich über die Geschichte der Kindererziehung grundsätzlich informieren kann:

  1. Der Abschnitt „Gebildete Kindheit“ aus dem Handbuch der Bildungsarbeit im Elementarbereich der Uni Bremen
  2. Die „Geschichte der Kindererziehung“ aus werner stangl’s Arbeitsblättern

Beide Seiten führen kurz und knapp durch die Geschichte der Kindererziehung und zeigen auf, wie sich unser Bild vom Kind und Kindsein über die Zeit verändert hat.

Die kleinen Wilden

Wie man aus diesen Quellen leider erfährt, ist die Geschichte der Kindererziehung von vielen Grausamkeiten durchzogen. Noch bis weit ins 20. Jahrhundert prägte insbesondere die Vorstellung von den „kleinen Wilden“ das Bild des Kindes – und damit den Umgang mit den Kindern.
Kinder werden demnach wild geboren (eher als egozentrisches, wildes Tier denn als fertiger Mensch). Sie müssten durch verschiedene Methoden gezähmt werden, damit sie später in unsere Gesellschaft passen (und dort ihre Pflichten erfüllen).

Integrität und Kooperation

In seinem zweiten Kapitel mit der Überschrift „Kinder kooperieren“ benennt Juul diesen „Konflikt zwischen dem Einzelnen und der Gruppe„. Und er deutet ihn letztlich als Konflikt zwischen der Integrität des Individuums und der Kooperation in der Gemeinschaft.
Die Theorie von den kleinen Wilden, so Juuls, habe zu der vorherrschenden Meinung geführt, dass Kinder grundsätzlich einmal nur egozentrisch seien und auf Krawall gebürstet. Durch klare Strukturen und Regeln wollte man verhindern, „dass Kinder die Macht übernähmen„.

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Auch noch in den letzten Jahrzehnten habe sich daher die Fehleinschätzung in den Köpfen gehalten, dass Kinder in erster Linie aus Egomotiven handelten.
Erst seit kurzem habe sich jedoch, laut Juuls, in der Wissenschaft die Einsicht erhärtet, dass es gerade umgekehrt sei. Kinder würden in den meisten Fällen eher zur Kooperation neigen als zu Konfrontation und egoistischem Verhalten.

Die versteckte Kooperation

Dabei – und das fand ich besonders spannend – sei diese Kooperation nicht immer auf den ersten Blick als solche erkennbar.
Kinder würden nämlich nicht kooperieren, indem sie tun, was man will oder ihnen sagt. Sie seien dafür bereits viel zu kompetent.
Unbewusst weisen sie uns stattdessen auf Schwierigkeiten in unserer Beziehung zu ihnen hin, gerade indem sie NICHT tun, was Mama oder Papa vielleicht erwarten!
Juuls bringt einige gute Beispiele, die ich hier in der Kürze leider nicht gut wiedergeben kann. (An dieser Stelle kann ich nur auf das Buch selbst verweisen)
Doch unter dem Strich steht dabei immer eine Aussage:

Egal wie sich dein Kind verhält, es hat einen respektablen Grund dafür, und tut das nicht einfach aus Egoismus oder Lust an der Konfrontation!

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Die Integrität von Eltern und Kindern muss gewahrt bleiben!

Wenn nun aber die Kooperation der „Hauptmodus“ des Kindes ist, entsteht quasi ein verdrehtes Bild der Gefahrenlage.
Bisher befürchten noch immer viele Eltern, dass sich unsere Kinder zu asozialen Wesen entwickeln, wenn wir nicht korrigierend eingreifen. Eher müssen wir wohl dafür Sorge tragen, dass sie nicht ihre Integrität verlieren, wenn sie über Gebühr zu falscher Kooperation gedrängt würden.

Integrität, so Juuls, umfasse „unsere gesamte physische und psychische Existenz„. Kinder seien grundsätzlich auf Kooperation gepolt – und es ist die Aufgabe der Eltern für ihre Integrität zu sorgen. Da Anpassung evolutionär für den Erhalt der Art unabdingbar sei, wäre die wirkliche Herausforderung, die persönlichen Grenzen des Kindes nicht zu verletzen.

Dabei aber dürften Eltern nicht den Fehler machen, über ihre eigenen Grenzen zu gehen!
Denn gerade, indem Eltern ihre EIGENEN Grenzen als solche deutlich machten, leben sie ihrem Kind vor, wie es selbst auf seine Grenzen achten kann und muss.

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Mein Fazit

Ich finde Jesper Juuls einen spannenden dritten Pol gegenüber herrschenden Konfliktpositionen. Bei ihm müssen Kinder und Eltern beide auf sich und aufeinander achten. Die Beziehung zwischen ihnen steht im Vordergrund. Und das finde ich schön und spannend zugleich! 🙂

Bis zum nächsten Mal!

Euer Andi

 

Warum wir unseren Kindern vertrauen sollten – Spielen ist die beste Selbstförderung!

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Kindern vertrauen

Wenn man sich als Papa-Von-Heute seine Augen und Ohren nicht vehement zudrückt, wird man spätestens ab Kindesgeburt mit diversen Ansichten zur Kinderentwicklung bombardiert.
Nicht, dass mich das Thema langweilen würde, und es fehlt mir gewiss nicht an Interesse: Ich beobachte meine Tochter viel und gerne – und ich beobachte sie aufmerksam. Ich habe mich gefreut, als sie begonnen hat zu lachen, zu krabbeln, zu laufen, zu sprechen, zu klettern, …
Ich suche nach Gründen, wenn es ihr nicht gut geht, wenn sie traurig ist, wenn sie bestimmte Aktivitäten scheut, anderen aber mit schier unendlicher Ausdauer nachgeht.

ABER – und ich weiß selbst nicht, warum das so ist – ich vertraue ihr (und den natürlichen Kräften der Entwicklung, die seit Jahrtausenden dazu führen, dass wir alle laufen lernen)!
Ich vertraue darauf, dass sie ihren Weg geht – wenn wir versuchen, sie zu begleiten, so wie sie es gerade braucht.
Ich vertraue darauf, dass es eindeutige Indizien gibt, wenn etwas mal aus dem Ruder läuft. Eindeutig zumindest für aufmerksame Eltern – und dafür halte ich uns jetzt einfach mal.

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Die Vergleicheritis

Bei meinem letzten Post zur Ungenießbarkeit perfekter Eltern habe ich schon einmal die „Vergleicheritis“ angesprochen, denen man als Eltern-Von-Heute oft ausgesetzt ist. Dazu habe ich noch einen schönen Post auf IchBinDeinVater.de gelesen, den ich hier gerne verlinken möchte.

Natürlich mag Unsicherheit und Selbstvergewisserung ein ausschlaggebender Grund sein für dieses Verhalten mancher Mamas und Papas. Das Problem ist nur der Teufelskreis, der damit angetrieben wird. Denn durch das Aussprechen dieser Vergleiche und Abgleich verschiedener altersgemäßer Kinderfähigkeiten (Kinderfunktionen?) wird diese eigene Unsicherheit auf andere Eltern projieziert und pflanzt sich fort.

Und anstatt andere Eltern zu ermutigen, auf ihr Bauchgefühl und ihre Erfahrung mit ihrem immer sehr individuellen Kind zu vertrauen, führt diese „Vergleicheritis“ nur dazu, den Kindern eine ihnen gemäße Entwicklung eher zu erschweren.
Mir fällt hier als Gegenpunkt der wundervolle Ansatz der Ärztin Maria Montessori ein, aber darauf komme ich gerne in einem anderen Post zurück.

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Lernen aus eigenem Antrieb

Tja, und dann kommen da auch noch so manche Trends dazu, die verunsicherte Eltern weiter unter Druck setzen können. So aktuell etwa „Train your Brain“, der auf der diesjährigen Spielwarenmesse als wichtiger Trend bereits für die Kleinsten ausgelobt wird. Worum es dabei geht? Bestmögliche Förderung der Kleinsten (all ihrer „Funktionen“) durch extra darauf ausgerichtetes Spielzeug. Spielzeug, das nun natürlich alle verantwortungsvollen Eltern sofort kaufen sollten! Oder etwa nicht?

Mein Gefühl sagte dazu sofort: Nein! Das ist absolut unnötig! Und, oh Wunder, ich habe dafür nach kurzen Recherche eine gute Handvoll Argumente gefunden.

Elke Leger hat sich auf kizz.de ebenfalls mit diesen Fragen auseinandergesetzt (im Übrigen kommt sie dabei auf Maria Montessori zu sprechen). Demnach sind Bewegung und Kommunikation in der Familie besonders wichtig – und Kinder lernen aus eigenem Antrieb durch alle verfügbaren Alltagsgegenstände und Alltagsaktivitäten.

Spielen macht schlau!

Noch einmal bin ich auf IchBinDeinVater.de fündig geworden bei einem spannenden Interview mit Prof. André Frank Zimpel, der sich gegen die ausgreifende Förderitis ausspricht und – untermauert durch wissenschaftliche Erkenntnisse – für das freie Spiel und seine unübertreffliche Wirkung auf die Entwicklung der Kinder.
Von ihm stammt auch das Buch „Spielen macht schlau! Warum Fördern gut ist, Vertrauen in die Stärken Ihres Kinder aber besser“*, das ich gerne lesen werde, wenn ich dazu komme.

Ich habe weitere zahlreiche Links zum Thema gefunden, die euch interessieren könnten, etwa eine Ausgabe von Bild der Wissenschaft mit dem Heftthema „Spielen macht Kinder schlau“ und einen Beitrag des ersten deutschen Fernsehens in ihrem Magazin [w] wie wissen.

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Mein persönliches Fazit: Lasst uns mehr auf die Eigenentwicklung unserer Kinder vertrauen und nicht jedem Fördertrend hinterherlaufen. Spielen allein ist eine geniale Einrichtung der Natur! Und lasst uns auch selbst das freie, einfache Spielen nicht ganz verlernen! (Das sollten wir uns von unseren Kindern immer wieder neu abschauen.)

Was denkt ihr? Wie steht ihr zum immer-mehr-fördern? Welche Erfahrungen habt ihr mit euren Kindern gemacht?

Ich hoffe, ich konnte euch mit meinem heutigen Beitrag ein bisschen ermutigen! Alles Gute und bis zum nächsten Mal!

Euer Andi